Ungleichheit heute (21)
Staatliche Umverteilung und soziale Mobilität
Eine verteilungspolitische Fata Morgana?

“Socialism is the arithmetic of envy, masquerading as the mathematics of justice” (Winston Churchill)

Der Hype um das Buch „Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty zeigt, die Verteilungsfrage hat Hochkonjunktur. Das gilt vor allem für die USA, weniger für Europa. Es ist aber nicht so sehr die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, die Amerika beunruhigt. In den USA akzeptieren alle sozialen Schichten schon immer mehr Ungleichheit als anderswo. Auch liegen die distributiven tektonischen Verschiebungen schon über ein Vierteljahrhundert zurück. Es ist eher die Angst, unsanft aus dem „amerikanischen Traum“ aufzuwachen. Auch sehr ungleich verteilte Einkommen – und Vermögen – werden akzeptiert, wenn alle eine realistische Chance haben, vom „Tellerwäscher zum Millionär“ aufsteigen zu können. Deshalb war die „Great Gatsby“-Kurve ein Schock für die USA. Eine geringe soziale Mobilität ließ die hohe Ungleichheit in einem anderen Licht erscheinen. Die Politik nutzte die Chance und zimmerte aus der Korrelation von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Mobilität ohne viel Federlesens eine Kausalität. Doch ist es wirklich sinnvoll, soziale Immobilität mit mehr Umverteilung zu bekämpfen?

Ungleichheit heute (21)
Staatliche Umverteilung und soziale Mobilität
Eine verteilungspolitische Fata Morgana?
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Ungleichheit heute (20)
Die “Great Gatsby”-Kurve
Mehr als politische Propaganda?

„It is not enough to succeed; others must fail.“(Iris Murdoch)

Die Zeit der (um-)verteilungspolitischen Ruhe scheint vorbei. Der Kampf gegen ungleich verteilte Einkommen hat politisch wieder Konjunktur. In den USA rangiert das Thema ganz oben auf der politischen Agenda. Für Barack Obama ist es das wichtigste Problem. Die politische Renaissance des Kampfes gegen die Ungleichheit erstaunt. Vor 50 Jahren hat Lyndon B. Johnson der Armut den Kampf angesagt. Passiert ist in den USA nicht viel. Politisch bewegt hat sich auch in den 80er und 90er Jahre nur wenig als die Ungleichheit spürbar anstieg. Erst mit der Finanzkrise trat die Verteilungsfrage politisch aus dem Schatten. Auslöser waren die explodierenden Einkommen am oberen Ende der Verteilung. In den USA ist die Angst groß, dass die Ungleichheit den Mythos des „amerikanischen Traums“ zerstört. Die Angst nimmt zu, dass ungleicher verteilte Einkommen die soziale Mobilität verringern. Kein Wunder, dass in den USA der Kampf gegen die soziale Immobilität nun politische Priorität hat. Eine gleichmäßigere (Um-)Verteilung der Einkommen ist für viele der wichtigste politische Hebel.

Ungleichheit heute (20)
Die “Great Gatsby”-Kurve
Mehr als politische Propaganda?
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Ungleichheit heute (11)
Der amerikanische Traum
Bremst Ungleichheit die soziale Mobilität?

„Es ist die grundlegende Illusion des Sozialismus zu glauben, dass sich Armut durch Umverteilung des vorhandenen Wohlstandes beseitigen lasse.“ (Friedrich August von Hayek)

Die Empirie in den reichen Ländern ist eindeutig: In den zwei Jahrzehnten um die Jahrtausendwende wechselten weltweit die distributiven Gezeiten. Der Wandel begann Mitte der 80er Jahre in den USA, andere reiche Länder folgten meist eine Dekade später. Heute sind die Markteinkommen in der OECD fast überall ungleicher verteilt als in der „guten“ alten Zeit. Das gilt für Löhne, Arbeits– und Haushalteinkommen. Technologie, Globalisierung, Präferenzen und Institutionen sind wichtige Treiber. Für eine Mehrheit der Wähler ist materiell ungleich auch „sozial ungerecht“. Eine sehr ungleiche Verteilung kann die Akzeptanz der marktwirtschaftlichen Ordnung gefährden. Diese Gefahr ist geringer, wenn für die breite Masse der Bevölkerung eine realistische Chance besteht, sozial aufzusteigen. Die spannenden Fragen sind: Behindert Einkommensungleichheit die soziale Mobilität? Wenn ja: Was ist zu tun, um die „Chancengleichheit“ zu erhöhen?

Ungleichheit heute (11)
Der amerikanische Traum
Bremst Ungleichheit die soziale Mobilität?
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