Notenbankgewinne und Geldpolitik (5)
Am Ende haften wir alle

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, und Otmar Issing, vormaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, lehnen Staatsanleihekäufe der EZB ab. Zu Recht. „Am Ende haften wir alle für die Verluste.“ Nein, sagt Professor Martin Hellwig, nur Geschäftsbanken müssen beim Eingehen von Risiken vorsichtig sein, die EZB dagegen nicht. Sie könne immer neues Geld ausgeben, das sie zu nichts verpflichte. Dabei muss klar sein, dass Verluste aus dem Erwerb von Ramschanleihen für die EZB ebenso Verluste von Eigenkapital sind wie für jede Geschäftsbank.


Notenbankgewinne und Geldpolitik (5)
Am Ende haften wir alle“
weiterlesen


Notenbankgewinne und Geldpolitik (3)
Replik auf Otmar Issing

Otmar Issing, der frühere Chefvolkswirt der Bundesbank und der EZB, nimmt Anstoß an dem Satz „Wenn aber die Gewinnausschüttung der Zentralbank an den Staatshaushalt zum Maßstab der Geldpolitik gemacht wird, kommen wir auf die schiefe Bahn“ in meinem Artikel in der FAS vom 4. Januar. Dabei teilt er diese meine Auffassung, wenn er schreibt, Ziel der Geldpolitik sei der „Erhalt der Geldwertstabilität“. Maßnahmen der Zentralbank sind also danach zu beurteilen, wie sie die Geldwertstabilität beeinflussen, nicht aber danach, wie sie die Gewinnausschüttung der Zentralbank an den Staatshaushalt beeinflussen.


Notenbankgewinne und Geldpolitik (3)
Replik auf Otmar Issing“
weiterlesen


Notenbankgewinne und Geldpolitik (2)
Die klugen Argumente des Jens Weidmann

Ein wesentliches Element der Geldpolitik der Notenbanken liegt in der Kreditvergabe an Geschäftsbanken. Dafür verlangen die Notenbanken Zinsen. Das Geld, Zentralbankgeld, in dem sie den Kredit geben, schaffen sie selbst. Folglich erzielen sie prinzipiell aus dieser Tätigkeit einen Gewinn. Da die Notenbanken jedoch auch Vermögenswerte halten, die aus dem Kauf von Wertpapieren, Gold oder Devisen stammen, hängt die Höhe des Ergebnisses ihrer Aktivitäten auch von Änderungen des Wertes dieser Aktiva ab. Fallen diese negativ aus, kann dieser Wertverlust das positive Zinsergebnis sogar überschreiten. Als Folge muss die Notenbank dann am Ende des Jahres einen Verlust ausweisen.


Notenbankgewinne und Geldpolitik (2)
Die klugen Argumente des Jens Weidmann“
weiterlesen


Notenbankgewinne und Geldpolitik (1)
Jens Weidmanns gefährliche Argumente

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, wendet sich gegen die Pläne der EZB, in großem Umfang Staatsanleihen zu kaufen. In einem Interview mit dieser Zeitung warnte er, wenn einzelne Staaten die von der EZB gekauften Anleihen nicht bedienen könnten, werde letztlich der Steuerzahler den Schaden tragen. Dieses Argument hat auch schon beim Bundesverfassungsgericht eine große Rolle gespielt.


Notenbankgewinne und Geldpolitik (1)
Jens Weidmanns gefährliche Argumente“
weiterlesen

Gastbeitrag
Blame Germany for bad policies, not its reluctance to spend more

Imagine you are asked to give advice to a country on its economic policy. The country enjoys near-full employment; its growth is above, or at least at full potential. There is no under-usage of resources – what economists call an output gap – and the government’s budget is balanced, but the debt level is far above target. To top it all monetary policy is extremely loose.

Gastbeitrag
Konjunktur: Ein Phänomen zwischen Realität und Fiktion

“Well, I´ve often seen a cat without a grin, but a grin without a cat is the curious thing I ever saw in my life.” (Lewis Carroll, 1984)

Es ist erstaunlich, wie eine Vermutung über ein ökonomisches Phänomen, welches über ein Jahrhundert hinweg von vielen in Politik, Wirtschaft und in den Medien so genutzt wird, als ob es Realität wäre, also zum gesicherten Bestand des Wissens gehörte: das Phänomen Konjunktur. Bei genauerer Betrachtung ist es zwischen Realität und Fiktion angesiedelt und kommt einer Fiktion nahe. Einige Verdikte von Hayek begründen, warum die Konjunkturpolitik und ihr gesetzlicher Rahmen kritisch überprüft werden sollten: (1) „die Irrtümer der Makroökonomik“, (2) „der keynesianische Traum“ und (3) „die Anmaßung von Wissen“. In der nachstehenden Analyse wird das Phänomen auf seinen empirischen Gehalt und seine analytische Qualität geprüft.

Gastbeitrag
Konjunktur: Ein Phänomen zwischen Realität und Fiktion“
weiterlesen

Die Zukunft der Europäischen Union: Wettbewerb oder Zentralisierung?
Europa geht entschieden zu weit

„Nicht ständiger Kampf ist das Kennzeichen gesunden Wettbewerbs, sondern die Vielfalt.“ (Michael Rothschild)

Die Europäische Union ist in keiner guten Verfassung, weder wirtschaftlich noch politisch. Schon seit langem lahmt das wirtschaftliche Wachstum. Das gilt für das Zentrum und noch mehr für die Peripherie. Der Wohlstand der Mitgliedsländer entwickelt sich wieder auseinander. Von Konvergenz ist wenig zu sehen. Die Arbeitslosigkeit erreicht immer neue Höchststände. Vor allem in Südeuropa verliert die Jugend gerade ihre Zukunft. Die Armut erreicht immer öfter die Mittelschicht. Das gilt nicht nur für die akuten Krisenstaaten in der Eurozone. Über allem schwebt weiter das Damoklesschwert eines kollabierenden Euros. Das wäre der ökonomische und politische Super-GAU für die Europäische Union. Kein Wunder, dass die Zustimmung der Bürger zu „mehr“ Europa schwindet. Die Zahl derer steigt stetig, für die noch mehr „Brüssel“ ein Albtraum ist. Nationale, regionale und lokale Belange dominieren wieder. Die Frage, welche Ebene in Europa was zu sagen hat, wird immer öfter gestellt.

„Die Zukunft der Europäischen Union: Wettbewerb oder Zentralisierung?
Europa geht entschieden zu weit
weiterlesen

Die öffentlichen Finanzen der MOE-Länder: weiterhin eine Erfolgsgeschichte?

„Osteuropa reformiert, Südeuropa beklagt sich“ titelte Spiegel Online, als dort neulich ein Interview mit dem bulgarischen Finanzminister Simeon Djankov veröffentlicht wurde.  Ähnlich äußert sich auch Bulgariens Präsident Rossen Plevneliev in seinen Gesprächen mit deutschen Medien,  wobei die Aussagen stets in einem Punkt kulminieren: solide Staatsfinanzen als Markenzeichen erfolgreicher Transformation. Ist diese These von den MOE-Ländern als fiskalische Musterschüler stichhaltig?

„Die öffentlichen Finanzen der MOE-Länder: weiterhin eine Erfolgsgeschichte?“ weiterlesen

Gastbeitrag
Spanien-Krise, noch beherrschbar?

Nach Griechenland, Irland und Portugal ist Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum, zum Notfall geworden und benötig massive EU-Hilfen. Das Land befindet sich im Teufelskreis von Bankenkrise und Staatsschuldenkrise. Ende Juni hat der Rat der Europäischen Staats- und Regierungschefs dem Antrag der Rajoy-Regierung vom 25. Juni auf finanzielle Unterstützung für die notwendige Bankensanierung (insbesondere Sparkassen) stattgegeben und beschlossen, aus den bestehenden europäischen Rettungsfonds (EFSF und ESM) Kredite mit einem Volumen von bis zu 100 Mrd. Euro zu sanften Zins- und Tlgungskonditionen bereitzustellen. Der Deutsche Bundestag hat die erforderliche Zustimmung zur Gewährung der notwendigen deutschen Bürgschaften erteilt.

Gastbeitrag
Spanien-Krise, noch beherrschbar?“
weiterlesen

Wirtschaftsverfassung statt Wirtschaftsregierung!

Die perfide List der politischen Vernunft

Die Geschichte des Euro ist auch eine Geschichte politischer List – nicht nur auf Seiten griechischer Politiker. Eine Lesart ist folgende: politische Eliten, vor allem in Deutschland und Frankreich, wünschten sich schon immer eine „politische Union“ – nur war diese manchen ihrer Kollegen und selbst ihren eigenen Bürgern damals nicht zu vermitteln. Damit war auch die „Krönungstheorie“ (erst politische Union und Wirtschaftsregierung, dann gemeinsame Währung) als Königsweg versperrt. Deshalb wagte man die Währungsunion gemäß der „Lokomotivtheorie“. Diese hat etwa Edmund Stoiber jüngst so beschrieben: „Wir beginnen mit dem Euro, und er wird die Europäische Union zusammenschweißen, er wird die politische Union erzwingen“ (siehe hier). Rückblickend ist es billig festzustellen, dass der Euro die Union ganz und gar nicht zusammengeschweißt hat: „Was Mörtel sein sollte und uns als solcher angepriesen worden ist, hat sich in der Tat als Dynamit erwiesen“ (so Wilhelm Röpke 1959 im Hinblick auf die Blockbildung der EWG[1]). Vorausblickend scheint es freilich tatsächlich so, dass die „Rettung des Euro“ eine Art politischer Union „erzwingen“ könnte, wenn sich die Losung durchsetzen sollte: „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.

„Wirtschaftsverfassung statt Wirtschaftsregierung!“ weiterlesen