Nobelpreis 2022
Banken und ihre Rolle in Finanzkrisen
Zum Nobelpreis für Ben Bernanke, Douglas Diamond und Philip Dybvig

Im Film „Mary Poppins“ gibt es eine Szene, in der ein kleiner Junge die „Fidelity Fiduciary Bank“ besucht und von dem knorrigen Bankmanager im Backoffice bedrängt wird, sein Taschengeld anzulegen. Der Junge ist verängstigt, und als der Angestellte ihm seine Twopence Münze aus der geöffneten Hand entnehmen will, ensteht ein Handgemenge, in dem er „Give me back my money“ ausruft. Dies hören andere Kunden im Schalterraum, die aufgeschreckt ihre Einlagen zurückverlangen. Die Konsequenz ist ein spekulativer Bank Run, der zur Zahlungseinstellung und zur Schließung der Bank führt. Der Junge kann sein Geld retten.

Was hier persifliert wird, ist Sinnbild für Instabilitäten von Banken, die sich zu Finanzkrisen mit hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten ausweiten können. Um diese zu vermeiden, muss man verstehen, warum Banken existieren, weshalb sie scheitern und wie sich Instabilitäten im Finanzsektor auf die Realwirtschaft übertragen. Diese Fragen behandeln die Arbeiten der diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, wobei der Preis jeweils zu einem Drittel an Ben S. Bernanke (Brookings Institution, New York), Douglas W. Diamond (University of Chicago) und Philip H. Dybvig (Washington University in St. Louis) geht. Aus Sicht des Nobelpreiskomitees haben ihre Arbeiten das Verständnis der Rolle der Banken in der Wirtschaft, insbesondere während Finanzkrisen, erheblich verbessert, wobei Diamond und Dybvig sich mit einzelwirtschaftlichen Aspekten und Bernanke mit makroökonomischen Implikationen befassen.

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Banken und ihre Rolle in Finanzkrisen
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Am aktuellen Rand
Finanzmarktwaffen gegen Russland
Hat Wladimir Putin die Folgen unterschätzt?

Mit der russischen Invasion in der Ukraine hat eine internationale Welle der Solidarität eingesetzt, die Finanz- und Waffenhilfe für die Ukraine, den Abbruch von Geschäftsbeziehungen mit Russland sowie Finanzmarktsanktionen gegen Russland umfasst. Da viele westliche Industrieländer von russischen Rohstoffen abhängig sind, liegt der Schwerpunkt der Sanktionen nicht auf den Rohstoff-, sondern den Finanzmärkten. Dies fügt sich in den Trend, dass die Finanzmärkte eine wachsende Bedeutung für die wirtschaftliche Stabilität gewonnen haben. Inzwischen spricht man von „Finanzmarktwaffen“.

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Finanzmarktwaffen gegen Russland
Hat Wladimir Putin die Folgen unterschätzt?
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Fliege, Spinne, Kapitalmarktaufsicht
Was lehrt Wirecard?

Es steht zu befürchten, dass die Vorgänge um Wirecard die ohnehin geringe öffentliche Akzeptanz von Kapitalmärkten und deren Wirken reduzieren. Das wird es der Politik erleichtern, die Rolle der Marktmechanismen in der Marktkontrolle noch weiter zurückzudrängen. Ausgerechnet Regierungs- und Aufsichtsversagen wird man zum Anlass einer weiteren Ausweitung solcher nicht-marktlicher Kontrollmechanismen nehmen. Dabei wäre es an der Zeit, nicht nur über Finanzaufsicht und die Kontrolle von Finanzmärkten durch eine gestärkte BaFin, sondern über die Stärkung der Kontrolle durch Marktmechanismen zu diskutieren. Die BaFin war jedenfalls im Fall Wirecard nicht die Spinne, die das Netz webt, in dem sich unseriöse Investoren verfangen, sondern die Fliege, die sich in ihren eigenen und von privaten Investoren und Politik gesponnen Netzen verheddert hat.

„Fliege, Spinne, Kapitalmarktaufsicht
Was lehrt Wirecard?
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