EZB-Politik: Wie einige wenige auf Kosten vieler gewinnen

„… soviel Geld läßt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.“

““Friedrich Schiller (1759 – 1805),

Kabale und Liebe, Fünfter Akt, Fünfte Szene, Miller.

Auf einer Konferenz erzählte mir ein Anleger (nennen wir ihn Herrn X) freudestrahlend, wie „wunderbar“ die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) doch sei. EZB-Präsident Mario Draghi sei sein „bester Freund“, er habe ihn „reich“ gemacht.

Und das kam so: Am 27. Juli 2012 erfährt Herr X über die Nachrichtenagenturen, Herr Draghi habe in London gesagt, die EZB werde alles tun, um den Euro zusammenzuhalten. Für Herrn X ist die damit verbundene “Botschaft“ klar.

Die EZB kauft bald Anleihen maroder Staaten, koste es, was es wolle. Also kauft Herr X diese Papiere, weil er damit rechnen kann, dass deren Kurse ansteigen werden. Er kauft die Schulden von Griechenland, Spanien, Portugal und natürlich auch von Italien.

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Übertriebene Deflationssorge

“Die Inflation kommt nicht über uns als ein Fluch oder als ein tragisches Geschick; sie wird immer durch eine leichtfertige oder sogar verbrecherische Politik hervorgerufen.” (Ludwig Erhard (2009 [1957])

Im Euroraum geht die Deflationssorge um – befördert durch den jüngsten Rückgang der Konsumentenpreise: Im Dezember 2014 fielen sie um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch deutet das wirklich schon auf Deflation hin?

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Die Schweizer Gold-Initiative: eine Goldene Regel

“Gold has always been accepted without reference to any other guarantee.“ (Alan Greenspan, Council on Foreign Relations, 29. Oktober 2014)

Die „Schweizer Gold-Initiative“ fordert: (1) Die Schweizer Nationalbank (SNB) darf kein Gold mehr verkaufen, (2) ihre Goldreserven müssen in der Schweiz gelagert werden, und (3) die SNB muss mindestens 20 Prozent ihrer Aktiva in Gold halten. Eine Volksabstimmung dazu findet am 30. November 2014 statt.

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“Keep it going!”
Geldpolitik betäubt Kreditausfallsorgen

„I have often been struck in the course of my life by the readiness and ease with which the rankest injustice can be clothed with the invulnerable robe of legislative and judicial authority.“ (Thomas Mellon (1813–1908), Thomas Mellon and His Times, S. 250)

Die meisten Volkswirtschaften rund um den Globus haben sich – glaubt man den offiziellen Statistiken – von den Erschütterungen der Jahre 2008 und 2009 erholt. Dafür war wohl ein Faktor ganz entscheidend: Die Zentralbanken, die mit ihren geldpolitischen Winkelzügen die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten vertrieben haben.

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Ich sehe was, was Du nicht siehst.
Oder: Wenn der Ökonom kontrafaktisch denkt.

„Die meisten bringen leichter das Opfer des Intellekts als das Opfer ihrer Tagträume.“ (Ludwig von Mises, 1933, Grundprobleme der Nationalökonomie, S. 187.)

„So wenig Logik und Mathematik aus der Erfahrung stammen, so wenig stammt das, was wir über das [menschliche] Handeln in seiner reinen Form wissen, aus der Erfahrung.“ (Ludwig von Mises, 1940, Nationalökonomie, S. 16.)

I.

Lässt man einen Stein fallen, so fällt er zu Boden. Man wäre überrascht, wenn das Ergebnis ein anderes wäre. Der Grund: Die Gravitation ist eine der vier Grundkräfte der Physik, und also solche ist sie eine allgemein bekannte und anerkannte Naturgesetzmäßigkeit.

Es ist das Wissen um eine Gesetzmäßigkeit, die uns sagt, welche Folge eine bestimmte Ursache haben muss. Um im Beispiel zu bleiben: Fällt der Stein nicht zu Boden, würde man sofort schlussfolgern, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, dass getrickst oder geschummelt wird. Zu wissen, was passieren muss, wenn der Stein fällt, entspringt dem kontrafaktischen Denken: dem Denken über nicht eingetretene Ereignisse.

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Oder: Wenn der Ökonom kontrafaktisch denkt.
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QE und der Zim Dollar

“The government’s intervention into the monetary system is invariably inflationary.“ Murray N. Rothbard (1926 – 1995), Egalitarianism as a revolt against nature and other essays, 2000, S. 233.

I.

Im Euroraum sind die Preise der Lebenshaltung heute etwa 14 Prozent höher als Anfang 2007: Der Warenkorb, für den damals 100 Euro zu bezahlen war, kostet nun knapp 114 Euro. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Lebenshaltungskosten folglich nicht gefallen, sie sind vielmehr gestiegen.

Gleichzeitig liegt das reale Einkommen, wenn auch nur leicht, heute unter dem Niveau, das Ende 2007 erzielt wurde. Da die Lebenshaltungskosten aber um 14 Prozent gestiegen sind, können sich die meisten Euro-Bürger heute weniger leisten als noch 2007.

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Ordnungspolitische Denker heute (4)
Die Interventionismus-Falle

I.

Im Jahr 1929 veröffentliche Ludwig von Mises (1881 – 1973) seine Aufsatzsammlung Kritik des Interventionismus. Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsideologie der Gegenwart. Was meint Mises mit Interventionismus? Mises versteht darunter „ein System des durch Eingriffe der Regierung und anderer gesellschaftlicher Zwangsmächte (z. B. der Gewerkschaften) beschränkten, geregelten und geleiteten Sondereigentums. Die Wirtschaftspolitik, die diesem Ideal zustrebt, nennen wir Interventionismus, das System selbst die Gebundene Wirtschaft.“[1]

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Boom-and-Bust

„Sound money and free banking are not impossible; they are merely illegal.“
Hans F. Sennholz, Money and Freedom (1985), S. 83.

Die Stimmung auf den Finanzmärkten ist umgeschlagen. Zuversicht greift um sich, dass das Tal der Tränen nun durchschritten sei: Die Aktienkurse haben nicht nur die jüngsten Kursverluste aufgeholt, sondern sie erklimmen auch neue Höchststände; die Zinsen für strauchelnde Staats- und Bankschuldner fallen; und einige „harte“ Konjunkturzahlen in den großen Volkswirtschaften scheinen auf eine Verbesserung der Lage hinzudeuten.

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Trügerische Hoffnung auf den Einstieg in den Ausstieg

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ah!
Samuel Beckett (1906 – 1989), Warten auf Godot.

I.

Die Vertreter der amerikanischen Zentralbank (Fed) haben angedeutet, dass sie angesichts verbesserter Wirtschaftsdaten ihr Anleihe-Aufkaufprogramm möglicherweise im September des laufenden Jahres zurückfahren wollen. Die Politik der Anleihekäufe wird als „Quantitative Easing“ oder kurz „QE“ bezeichnet. Die Finanzmärkte haben reagiert: Seit Mai 2013 ist die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe von etwa 1,60 Prozent auf mittlerweile etwa 2,90 Prozent angestiegen.

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Die Zinsmanipulation der Zentralbanken legt die Saat für die nächste Krise

“[P]olitical economy pressures could make exit harder and work towards delaying it.” Bank for International Settlement, 83th Annual Report, S. 72.

I.

Ist die „Zinswende“ eingeläutet? Die Wortmeldungen aus der amerikanischen Zentralbank deuten darauf hin; die Kursverluste auf den internationalen Anleihe-, Aktien- und Rohstoffmärkten standen ganz offensichtlich im Zusammenhang mit Zinssteigerungserwartungen. Seit dem 1. Mai 2013 ist die 10-Jahresrendite der US-Staatsanleihen von 1,66 Prozent, ihrem bisherigen Rekordtief, auf mehr als 2,70 Prozent am 5. Juli 2013 geklettert.[1] Wenn man sich den Grund der derzeit immer noch tiefen Zinsen in Erinnerung ruft, so lassen sich durchaus Zweifel anmelden, ob denn die Zinsen wirklich noch viel weiter steigen werden.
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