Die Inflation und die geheimnisvolle Untätigkeit von Christine Lagarde

Die Zweifel an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wachsen. Nachdem im März 2022 die offiziell gemessene Inflationsrate auf 7,5% weit über das Inflationsziel von 2% hinausgeschossen ist, kündigte die EZB (2022) keine entschlossene geldpolitische Straffung an. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verlor sich vielmehr in Aussagen zu Krieg und Pandemie, und ließ sich alle Optionen für die Zukunft offen. Die nebulösen Aussagen folgen auf Beteuerungen, dass die Inflation nur vorübergehend sei. Immer noch gehen die Inflationsprognosen der EZB davon aus, dass die Inflation im Jahr 2023 zurück zum 2%-Ziel kommen wird.

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Am aktuellen Rand
Finanzmarktwaffen gegen Russland
Hat Wladimir Putin die Folgen unterschätzt?

Mit der russischen Invasion in der Ukraine hat eine internationale Welle der Solidarität eingesetzt, die Finanz- und Waffenhilfe für die Ukraine, den Abbruch von Geschäftsbeziehungen mit Russland sowie Finanzmarktsanktionen gegen Russland umfasst. Da viele westliche Industrieländer von russischen Rohstoffen abhängig sind, liegt der Schwerpunkt der Sanktionen nicht auf den Rohstoff-, sondern den Finanzmärkten. Dies fügt sich in den Trend, dass die Finanzmärkte eine wachsende Bedeutung für die wirtschaftliche Stabilität gewonnen haben. Inzwischen spricht man von „Finanzmarktwaffen“.

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Vorsicht vor dem Bitcoin? – Vorsicht vor dem Euro?*

Otmar Issing – ehemaliger Chef-Volkswirt der EZB – und Klaus Masuch  – Principal Adviser in der EZB – haben am 9. Oktober in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu „Vorsicht vor dem Bitcoin“ geraten. Anlass ist ein neues Gesetz, das es deutschen Investmentfonds erlaubt in Bitcoin anzulegen. Die Autoren verweisen auch auf einen weiteren kritischen Beitrag zu Bitcoin der EZB-Mitarbeiter Ulrich Bindseil und Jürgen Schaaf mit dem Titel „Nicht von Bitcoin narren lassen“. Als Gefahren nennen die Autoren einen fehlenden intrinsischen Wert von Bitcoin, Risiken für die Finanzmarktstabilität, den Gebrauch bei der Finanzierung organisierter Kriminalität, einen hohen Energieverbrauch sowie die Gefahr, dass die Steuerzahler für Finanzrisiken haften müssen. Es ist gut, dass die Autoren vor möglichen Risiken schützen wollen, doch sei in den genannten fünf Punkten ein Vergleich zwischen Bitcoin und Euro erlaubt.

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Zentralbankfinanzierte Staatsausgaben kosten nichts?
Japan zeigt das Gegenteil!

In der Corona-Krise haben in ganz Europa die Regierungen riesige schuldenfinanzierte Ausgaben- und Kreditprogramme auf den Weg gebracht. Die Europäische Zentralbank  (EZB) flankiert die staatlichen Hilfen mit immensen Ankäufen von Staats- und Unternehmensanleihen sowie subventionierten Krediten an Banken und Unternehmen. Schon wird für Dezember die nächste Aufstockung des Pandemischen Notfallaufkaufprogramms erwartet. Unter Christine Largarde hat sich die EZB damit noch stärker hin zum kooperativen Geldgeber für hoch verschuldete Staaten entwickelt. Ein wichtigstes Argument für diese Politik ist, dass die Finanzierung von Staatsausgaben über den Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank quasi kostenlos ist, weil die Konsumentenpreise nicht steigen (Ehnts 2017).

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Exit-Szenarien für die Corona-Krise

Bild: Edwin Hooper on Unsplash

Weltweit tobt die Corona-Krise, beginnend mit der Nachricht, dass aufgrund einer Coronavirus-Epidemie in China die internationalen Lieferketten unterbrochen werden könnten. Wenig später führten die Beschlüsse vieler Regierungen Geschäfte und Produktionsstätten zu schließen zu einer wirtschaftlichen Zäsur, die weltweit mit dem Kollaps der Börsenkurse einher ging (siehe Abbildung).

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Die Zentralbanken, die Immobilienpreise und der Unmut der Bürger

Der starke Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland um über 50% seit dem Jahr 2010 hat eine kontroverse Diskussion über die Rolle der Europäische Zentralbank für steil steigende Immobilienpreise und Mieten ausgelöst. Ähnliche Debatten gibt es in vielen Ländern. Haben die Zentralbanken maßgeblich zu den Verwerfungen auf den Immobilienmärkten beigetragen?

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Eine grüne Geldpolitik ist nicht zwingend nachhaltig!

Bild: Unsplash

Mit der Bewegung Fridays for Future und dem Weltklimagipfel in Madrid ist der Klimaschutz in aller Munde. In Europa hat sich die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde an die Spitze der Klimabewegung gesetzt, indem sie mit Nachdruck die Beteiligung der EZB an der Klimarettung in die Diskussion gebracht hat. Es geht um zwei Punkte: Erstens sollen klima- und umweltfreundliche Unternehmen bei den Wertpapieraufkaufprogrammen der EZB bevorzugt werden. Zweitens sollen Klimarisiken für die Finanzmarktstabilität berücksichtigt werden.

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Die Ära Mario Draghi (1)
Mario Draghi und der Umbau der Europäischen Geldpolitik

Bild: Unsplash

Am 31. Oktober 2019 endete die Amtszeit von Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Sein Wirken war durch eine einschneidende Krise und ein entschlossenes Krisenmanagement geprägt. Für letzteres wurde er als Magier gefeiert. Andere beklagten die Überdehnung des Mandats („Whatever it takes.“). Draghi nutzte seine Autorität, die gemeinsame europäische Geldpolitik, die nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank in den europäischen Verträgen verankert worden war, umzubauen. Stück für Stück näherte er die Geldpolitik dem ehemals italienischen Muster an, bei dem die Finanzierung der Staatsausgaben im Vordergrund steht.

Die Ära Mario Draghi (1)
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Negativzinsen unterwandern die marktwirtschaftliche Ordnung und das Vertrauen in den Staat

Bild: Pixabay

Am 12. September 2019 gab die Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere Lockerung der Geldpolitik bekannt. Der Negativzins auf Einlagen der Banken bei der EZB wird auf -0,5% abgesenkt. Die Anleihekäufe werden mit einem monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro wieder aufgenommen. Bei den langfristigen Refinanzierungsgeschäften für Banken werden die Anreize zur Kreditvergabe an Unternehmen verstärkt.

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Die EZB und die Regulierung treiben die Konzentration im Banken- und Unternehmenssektor voran

10 Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise zeichnet sich eine wachsende Konzentration im Wirtschaftsleben ab (DeLoecker und Eeckhout 2017, Gutiérrez und Philippon 2017). Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat kommentiert, dass in den USA die Marktmacht steige, wo man hinsehe. Gleichzeitig signalisieren die Zentralbanken mit Blick auf die nahende Rezession weitere Zinssenkungen und neue Ankäufe von Vermögenswerten. Auch die Regulierung nimmt zu, obwohl beide Faktoren ein wichtiger Treiber für die Monopolisierung sind.

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