Die Ethik des Atomausstiegs

Auf Frank Knight, dem Pionier der Informationsökonomik, geht die heutige Unterscheidung zwischen Ungewissheit (uncertainty) und Risiko (risk) zurück. Wenn es um die Einschätzung von möglichen künftigen Schadensfällen geht, so gilt bei Risiko: Man kennt zwar die Höhe der Schäden im Vorhinein nicht, aber man kennt einen Mittelwert (den Erwartungswert), mit dem in einem bestimmten Zeitraum Schäden auftreten, und man kennt die im Mittel zu erwartenden Abweichungen von diesem Mittelwert (die Varianz). Für die Bestimmung von Erwartungswert und Varianz gibt es zwei Quellen: theoretische Zusammenhänge oder systematische Beobachtung über eine möglichst große Zahl an vergangenen Zeiträumen. Steht weder das eine noch das andere zur Verfügung, dann kennt man Erwartungswert und Varianz nicht. In diesem Falle spricht man seit Frank Knight von Ungewissheit. Oft ist es ein Segen, dass man Erwartungswert und Varianz eines Schadensfalls nicht kennt, denn es bedeutet in der Regel, dass er selten aufgetreten ist – wie etwa die Kernschmelze in einem Atomkraftwerk oder ein Flugzeugabsturz bei einer bestimmten Fluggesellschaft. Umgekehrt bedeutet dies aber, dass man beispielsweise aus der Unfallstatistik der gängigen Fluggesellschaften keine vernünftigen Rückschlüsse auf deren Sicherheitsstandards ziehen kann. Würden die Flugzeuge – statistisch betrachtet – „hinreichend häufig“ abstürzen, dann könnte man daraus Wahrscheinlichkeiten eines Absturzes bei diesem oder jenem Carrier berechnen und sein Verhalten daran ausrichten.

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Gastbeitrag:
Energiewende: Mehr Ordnung im Instrumentenkasten!

Der Energiesektor in Deutschland ist durch vielfältige, sich teilweise widersprechende staatliche Eingriffe gekennzeichnet. Fast  alle Energieträger werden zugleich subventioniert. Die tragischen Ereignisse in Japan haben in Deutschland die energiepolitische Debatte angeheizt. Die Bundesregierung sollte die Energiewende als Chance begreifen, das Konzert der Staatseingriffe auf ein wirksameres und kostengünstigeres Maß zu reduzieren und den Wettbewerb im Sinne der Verbraucher weiter zu stärken.

Gastbeitrag:
Energiewende: Mehr Ordnung im Instrumentenkasten!“
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Fukushima und der deutsche Atomenergieausstieg

Die Katastrophe in Fukushima lässt wohl keinen Beobachter unbeeinflusst. Viele Menschen empfinden eine Mischung aus Entsetzen über das erlittene Leid und Angst davor, ähnliches selbst erleben zu müssen. Es kann daher nicht verwundern, dass inzwischen erneut über den Ausstieg aus der Kernenergie diskutiert wird. Die Art und Weise, wie dies derzeit erfolgt, ist allerdings befremdlich. Anstatt den Versuch zu unternehmen, die hinreichend bekannten Fragen sachbezogen zu hinterfragen, werden durch eine hysterisch anmutende Berichterstattung vorrangig Emotionen geschürt. Dies geht so weit, dass schon die verbale Befürwortung der Kernenergie als Verstoß gegen die politische Korrektheit angesehen wird. Man denke dabei nur an die mediale Behandlung des RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann.

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