Metapher statt Prophetie
Was Ökonomen von Geisteswissenschaftlern lernen können

Der Anforderungskatalog, den John Maynard Keynes für gute Ökonomen aufstellte, hat es in letzter Zeit (auch in diesem Blog) zu einiger Berühmtheit gebracht. Keynes schreibt über seinen Lehrer Alfred Marshall (und kennt in seiner eigenen Person gewiss zumindest noch einen Ökonomen, auf den all das zutrifft): „Er (i.e. ein Meisterökonom) muss einen hohen Standard in mehreren verschiedenen Richtungen erreichen und Talente miteinander kombinieren, die man nicht oft zusammen findet. Er muss Mathematiker, Historiker, Staatsmann, Philosoph sein – bis zu einem gewissen Grad. Er muss Symbole verstehen und in Worten sprechen. Er muss das besondere im Zusammenhang mit dem Allgemeinen begreifen, und Abstraktes wie Konkretes im selben Gedankengang ertasten. Er muss die Gegenwart im Lichte der Vergangenheit studieren für die Zwecke der Zukunft. Kein Teil der menschlichen Natur oder seiner Institutionen darf sich völlig außerhalb seines Blickes befinden.“

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Retten oder nicht retten?
Anmerkungen zur Keynesianischen Vertrauens-Theologie

„Arbeitsplätze liquidieren, Vorräte liquidieren, die Farmer liquidieren, Immobilien liquidieren, die Fäulnisse aus dem System waschen“, so lautete das Credo von Andrew Mellon, dem amerikanischen Finanzminister in der Frühzeit der Großen Depression unter Präsident Herbert Hoover. Dieser Auffassung liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Krise eine Chance zur Katharsis, zur Reinigung ist. Diese These vertrat schon in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die österreichische Schule der Nationalökonomie. Zyklen im Wirtschaftsleben entstehen danach vor allem durch eine verfehlte Geldpolitik (zum Beispiel zu niedriger Zinsen). Das wiederum führt dazu, dass sich die Produktionsstruktur ändert (zum Beispiel zu kapitalintensiv wird, oder, wie jetzt, einen Immobilienbubble produziert). Einer solchen verfehlten Politik könnte nichts Besseres passieren als eine Rezession, damit sich die Produktionsstruktur wieder anpasst. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Rezession sich austoben kann. „Man muss alle Versuche, die Auswirkungen der Marktpreise auf die Produktion zu unterbinden, unterlassen.“ (Ludwig von Mises)

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Nichts gegen die Investmentbanker: Sie sind die besten Freunde der Kunst

An jenem denkwürdigen 15. September 2008, einem Montag, als die Regierung Bush die Investment Bank Lehman Brothers in die Pleite schickte, hielt das Auktionshaus Sotheby’s in London einen Auktion ab. Der Künstler Damian Hirst, dessen Vermögen auf rund 200 Millionen Pfund geschätzt wurde, versteigerte seine gesamte Jahresproduktion – eine in Formaldehyd eingelegte Kuh zum Beispiel oder regelmäßig angeordnete farbige Punkte auf Leinwänden – und erlöste dafür 111 Millionen Pfund. Das war der Höhepunkt einer globalen Preisblase am Kunstmarkt.
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Von wegen “Die Mitte schrumpft”
Weltweit wachsen die Mittelschichten. Und die Ungleichheit nimmt ab.

Mittelschichten explodieren: Bis zum Jahr 2030 werden zwei Milliarden Menschen mehr auf der Welt ein bürgerliches Leben führen. Und die weltweite Ungleichheit wird zurück gehen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs.

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Entmachtet die Privilegierten!
Warum Liberale gute Linke sind

Liberale – vor allem, wenn sie „Wirtschaftsliberale“ sind – gelten hierzulande (und andernorts) als kalt, materialistisch und unsozial: Effizienz geht ihnen vor Gleichheit und Wachstum vor Gerechtigkeit. Lieber prassen sie mit den Reichen als dass sie Mitleid hätten mit den Armen. Sie sind „Pro Business“ und „Gegen Gewerkschaften“; sie wählen lieber CDU als SPD. Sie singen das Lied der Globalisierungsgewinner und ignorieren den Schmerz der Globalisierungsverlierer. Liberale, in der öffentlichen Wahrnehmung, sind im Zweifel „rechts“. Das macht sie für bestimmte gesellschaftliche Milieus – insbesondere für die Zirkel der Intellektuellen – nur schwer tolerierbar.

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Machtbewusste Unverbindlichkeit
Angela Merkel – oder der Mythos von der Reformkanzlerin

Es gab einmal Leute in Deutschland, die nannten Angela Merkel eine Neuauflage von Margaret Thatcher. Das war von den wenigsten sehr freundlich gemeint. Denn die meisten Deutschen haben die ehemalige britische Premierministerin nie gemocht. Kalt, kapitalistisch und  ohne jeglichen Humor: Der Inbegriff jener angelsächsischen Fremdheit, die hierzulande die Wärme des Wohlfahrtsstaates bedroht. Der Vergleich Merkels mit Thatcher war immer schon dazu angetan, die ehrgeizige deutsche Politikerin aus dem kommunistischen Osten zu beschädigen: Als neoliberal und dem rheinischen Kapitalismus zutiefst abhold. Kein Wunder, dass Merkel sich stets davor hütete, selbst vom Thatcher-Vergleich Gebrauch zu machen. Allenfalls im Stillen mag sie sich daran erfreut haben, als Eiserne Lady zu gelten, die die Polit-Männern das Fürchten lehrt. „Machtbewusste Unverbindlichkeit
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Liberal und konservativ – ob das wohl gut geht?
Warum es sich lohnt, Wilhelm Röpke zu lesen

Auf die Frage, welche drei Bücher er den Skeptikern des Liberalismus als Bekehrungslektüre empfehle, hat Otto Graf Lambsdorff einmal folgende Antwort gegeben:

„Ganz vorne steht Adam Smith. Denn der schottische Moralphilosoph zeigt mit bestechender Logik und einfacher Sprache, wie der Eigennutz des Menschen dafür eingesetzt werden kann, dem Gemeinwohl zu dienen. An zweiter Stelle nenne ich Friedrich Hayeks ,Weg zur Knechtschaft’, das den Sozialisten in allen Parteien gewidmet ist. Für meine eigene Biographie augenöffnend war Wilhelm Röpkes ,Jenseits von Angebot und Nachfrage’. Dieses Buch, 1958 erschienen, kommt mir heute wegen des quasireligiösen Pathos merkwürdig fremd vor.”

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Sanfter Paternalismus

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihr ziemlich chaotisches Büro aufräumen und hätten die Wahl, entweder am 20. Februar sechs Stunden oder am 1. März sieben Stunden zu schuften. Wie würden Sie entscheiden? Keine Frage: Die meisten Menschen würden die ungeliebte Beschäftigung am 20. Februar erledigen; immerhin sparen sie eine Stunde stupider Arbeit.

Das ändert sich freilich, je näher der 20. Februar rückt. Stellen Sie sich vor, Sie würden am 20. Februar gefragt, ob Sie lieber heute, also am 20. Februar, sechs Stunden oder am 1. März sieben Stunden aufräumen wollen. Die Mehrheit, so belegen Befragungen, wählt in diesem Fall den 1. März, entscheidet sich mithin für den zeitlichen Aufschub, wiewohl dieser eine Stunde mehr Rackern bedeutet.

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Die kapitalistische Haltung.
Müssen wir zurück zu Max Weber?

Warum gibt es Reichtum und Armut auf der Welt? Das ist die entscheidende moralische Frage der Menschheitsgeschichte. Wer heute, bedingt durch den Zufall der Geburt, in Deutschland, Amerika oder Singapur wohnt, lebt im Wohlstand. Wer in Afrika auf die Welt kam, bleibt arm.

So war es nicht immer. Dass zwischen reichen und armen Ländern eine gigantische Einkommenslücke klafft, ist historisch ein relativ neues Phänomen. Mehr oder weniger bis zum Jahr 1800 sah die Verteilung des bescheidenen Wohlstands unter der Weltbevölkerung über Jahrtausende hinweg in nahezu allen Ländern gleich aus. Während eine kleine Elite ein behagliches Leben führte, verharrte die große Masse in bitterer Armut. Ohne Chance auf Wohlfahrtsgewinne.

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Müssen wir zurück zu Max Weber?“
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Bildungspflicht ist besser als Schulzwang

In Deutschland dürfen Eltern ihre Kinder nicht selbst erziehen. Das Monopol des Staates unterdrückt die Freiheit. Und schadet der Bildung.

Schule ist in Deutschland eine Sache des Staates. Wer eine private Schule aufmachen will, muss mit großen Schwierigkeiten rechnen. Wer seine Kinder gar selbst unterrichtet oder zu einem Hauslehrer schickt, bekommt es mit der Polizei zu tun. Denn er begeht eine Ordnungswidrigkeit.

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