Säkulare Stagnation (1)
Nachfragemangel schwächt langfristiges Wachstum
Gute Idee oder heiße Luft?

„Secular stagnation, we have learned, is an economist’s Rorschach Test. It means different things to different people.” (Barry Eichengreen)

“Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Dieser Spruch von Mark Twain hat was, auch für die Ökonomie. Es ist bald schon ein Jahrzehnt her, dass die Finanzkrise ausbrach, die weltweit größte Krise seit der „Großen Depression“. Ökonomen sprechen von der „Großen Rezession“. Nach wie vor ist die wirtschaftliche Entwicklung enttäuschend. Die Arbeitslosigkeit ist noch immer meist höher als zuvor. Das wirtschaftliche Wachstum ist weiter anämisch. Auf den ersten Blick ähnelt die Entwicklung heute der nach der „Großen Depression“. Das ist die Zeit der Pessimisten, damals wie heute. Alvin Hansen sprach im Jahre 1938 von „Säkularer Stagnation“. Heute sehen prominente Ökonomen eine ähnliche Entwicklung heraufziehen. Das wirtschaftliche Wachstum stockt. Der Harvard-Ökonom Lawrence Summers bemängelt die unzulängliche gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Robert Gordon von der Northwestern University eine rückläufige Rate der Innovation. Die historische Entwicklung hat den Pessimisten allerdings nicht Recht gegeben. Eine „Säkulare Stagnation“ fand nicht statt. Wird die Entwicklung dieses Mal anders verlaufen?

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Nachfragemangel schwächt langfristiges Wachstum
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Gastbeitrag
Konjunktur: Ein Phänomen zwischen Realität und Fiktion

“Well, I´ve often seen a cat without a grin, but a grin without a cat is the curious thing I ever saw in my life.“ (Lewis Carroll, 1984)

Es ist erstaunlich, wie eine Vermutung über ein ökonomisches Phänomen, welches über ein Jahrhundert hinweg von vielen in Politik, Wirtschaft und in den Medien so genutzt wird, als ob es Realität wäre, also zum gesicherten Bestand des Wissens gehörte: das Phänomen Konjunktur. Bei genauerer Betrachtung ist es zwischen Realität und Fiktion angesiedelt und kommt einer Fiktion nahe. Einige Verdikte von Hayek begründen, warum die Konjunkturpolitik und ihr gesetzlicher Rahmen kritisch überprüft werden sollten: (1) „die Irrtümer der Makroökonomik“, (2) „der keynesianische Traum“ und (3) „die Anmaßung von Wissen“. In der nachstehenden Analyse wird das Phänomen auf seinen empirischen Gehalt und seine analytische Qualität geprüft.

Gastbeitrag
Konjunktur: Ein Phänomen zwischen Realität und Fiktion”
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Die Euro-Zone wird sich gesundschrumpfen müssen

Es ist klug, sich auf den baldigen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ökonomisch und politisch vorzubereiten. Es ist gut, daß man dies inzwischen nüchtern feststellen und fordern  kann, ohne daß man der Europafeindlichkeit verdächtigt wird. Es ist rational, nicht zu erwarten, daß die Exit-Option aus der Euro-Zone allein bei Griechenland hängenbleibt. Es ist vielmehr weitsichtig, davon auszugehen, daß weitere Krisenländer über kurz oder lang Griechenland folgen werden. Es ist deshalb vernünftig, für die mittlere und längere Frist zu erwarten, daß die Euro-Zone zusammenschrumpft auf einen Kern von Mitgliedern, die willens und in der Lage sind, die notwendigen Regeln für eine funktionsfähige Euro-Währungsunion zu erfüllen.  Es wäre erfreulich, diese Entwicklung nicht als Schwächung, sondern im Gegenteil als Stärkung des verbleibenden Euro-Währungsclubs zu klassifizieren. Es ist deshalb sachdienlich zu erkennen, daß ein solcher Euro  dann überhaupt keinen „Rettungsschirm“ welcher Art auch immer benötigt. Schließlich ist es ehrlich zuzugestehen, daß – wie die Erfahrung seit der Euro-Einführung 1999 zeigt – politischer Währungskonstruktivismus gegen marktliche Fundamentalprinzipien nicht erfolgreich ist: in der Vergangenheit nicht, heute nicht, zukünftig nicht.

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Hayek versus Keynes Reloaded

Econstories hat einen neuen Videoclip mit dem Titel „Fight of the Century: Hayek versus Keynes Round Two“ produziert. Der etwa zehnminütige Clip, der dem Clip „Fear the Boom and Bust: A Hayek vs. Keynes Rap Anthem“ folgt, stellt mit Blick auf die noch schleichende globale Krise den dominierenden keynesianischen Therapieansätzen eine hayekianische Kritik gegenüber. Visuell wird das Duell der Giganten als Boxkampf umgesetzt und akustisch mit einem Rap unterlegt. Hayek bringt mit einem wuchtigen Schlag den Favoriten Keynes zu Boden. Dennoch wird Keynes – selbst überrascht – zum Sieger erklärt, während sich Ben Bernanke, umringt von attraktiver weiblicher Begleitung, mit Dollarscheinen Zigarren ansteckt. Die Aussage ist klar: Keynes dominiert zwar das wirtschaftspolitische Handeln, doch sollte man sich mehr auf Hayek besinnen.

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Varianten des Kapitalismus
Keynes war gestern – oder doch nicht?
Fiskalpolitik in der Krise

„Unter den vier bedeutenden Wirtschaftsmodellen, die es in der EU gibt, sind nur das nordische und das angelsächsische Modell effizient, aber allein ersteres kann Gleichheit mit Effizienz verbinden“. (André Sapir)

Für den ökonomischen Mainstream war die Weltfinanzkrise ein typisch keynesianischer Betriebsunfall. Finanzinstitute hatten sich verzockt, die finanzielle Blase platzte, Panik griff um sich, alles flüchtete in Liquidität. Die ökonomische Schulmedizin rät in solchen Fällen zu mehr staatlicher Verschuldung. Der Staat muss die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke schließen, koste es was es wolle. Nachfrage ist Nachfrage, egal wie und wo. Eine kleine Schar österreichisch denkender Ökonomen ist anderer Ansicht. Eine zu expansive Geldpolitik störte den Seismographen der Märkte, den Mechanismus der relativen Preise. Knappe Ressourcen wurden so in unproduktive Verwendungen gelockt. Als die Blase platzte, wurde die Fehlallokation offenkundig. In diesem Fall helfen auch mehr Geld und staatliche Verschuldung nicht mehr. Flexible relative Preise und mobile Produktionsfaktoren sind der Schlüssel zur effizienten Reallokation. Unterschiede in Konjunktur und Struktur sind mögliche Gründe, weshalb die Staaten unterschiedliche Wege einschlugen, die Krise zu bekämpfen.

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Keynes war gestern – oder doch nicht?
Fiskalpolitik in der Krise
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Die Wirtschaftskrise im Widerstreit der Lager
Theoretische Positionen und wirtschaftspolitische Empfehlungen im Vergleich

Es gibt sie wieder: zwei wirtschaftspolitische Lager, die einander unversöhnlich gegenüberstehen und diametral entgegengesetzte Politikempfehlungen propagieren. Wie schon in der Fiskalismus-Monetarismus-Kontroverse des vergangenen Jahrhunderts steht erneut eine eher keynesianische Richtung der marktprozessorientierten, das heißt einer dem Wirkungsmechanismus der wettbewerblichen Preisbildung vertrauenden Position gegenüber.

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Theoretische Positionen und wirtschaftspolitische Empfehlungen im Vergleich
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Die Verfassung der Freiheit und das Elend des ökonomischen Liberalismus

In Zeiten der Finanzmarktkrise hat der ökonomische Liberalismus einen schweren Stand. Und dies ist nicht ganz unverschuldet. Gleichzeitig hat der klassische Liberalismus einer ökonomisch gebildeten, aber weit ins Sozial- und Rechtsphilosophische ausgreifenden Art  wieder deutliche Aufmerksamkeit verdient. Hierfür stellvertretend steht die Haltung von Friedrich A. von Hayek, spätestens seit der vor genau 50 Jahren veröffentlichten „Verfassung der Freiheit“. Zumindest jenseits einer recht blamierten Schmalspurökonomik (meinen Eindrücken zufolge) hat diese Art von Liberalismus die ihm zukommende Aufmerksamkeit nun auch wieder erlangt. Außer Keynes sehe ich fast nur Hayek als einen Ökonomen, der nicht nur im 20. Jahrhundert, sondern wohl noch für viele Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Sozial- und Geisteswissenschaften auf sich ziehen dürfte. Für diese These kann ich hier nur vor allem Hayek und nur selektive Argumente kurz und hoffentlich provokant vorbringen.

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Märkte sind unvollkommen. Nutzen wir sie!
Mehr Markt am Arbeitsmarkt

“No one spends someone else’s money as carefully as he spends his own.” (Milton Friedman)

Was seit langem befürchtet wurde, wird nun leider wahr: Die Wirtschaftskrise kommt auf den Arbeitsmärkten an. Ein schrumpfendes BIP lässt die Arbeitslosenquoten in die Höhe schnellen. Noch wird das wahre Ausmaß der Krise auf den Arbeitsmärkten verdeckt. Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, wie etwa die Kurzarbeit, verhindern offiziell das Schlimmste. Der  wahre Zustand auf den Arbeitsmärkten lässt sich aber nicht mehr lange verheimlichen. Kein Wunder, dass die Politik in Panik gerät. In den USA wird ein drittes Konjunkturprogramm gefordert. Explodierende Arbeitslosenzahlen werden auch hierzulande mit der Nähe zur Bundestagswahl ihre Wirkung auf  die Politik entfalten. Der industriepolitische Deutschland-Plan der SPD  gibt einen Vorgeschmack.  Vielleicht verhindert die Angst der Bevölkerung vor den inflationären Folgen einer weiteren staatlichen Verschuldung noch Schlimmeres.

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Der Lord und die Löhne
Krugman auf den Spuren von Keynes

„In the short run ideas are unimportant and ineffective, but in the long run they can rule the world“ (Lionel Robbins)

Geschichte wiederholt sich nicht. Das gilt allerdings nicht für Diskussionen, einige kehren immer wieder. Die Frage, wie Löhne die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen, ist heute genauso umstritten wie in den Zeiten der großen Depression. Es ist kein Zufall, dass gerade der Nobelpreisträger Paul Krugman dieses Thema immer wieder aufgreift. Ende letzten Jahres hat er Kritikern des New Deal unterstellt, dass sie keine Ahnung hätten, wenn sie befürchteten, dass steigende Nominallöhne in einer keynesianischen Situation die Lage auf den Arbeitsmärkten verschlimmerten. Anfang Mai hat er behauptet, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern würde, wenn Unternehmen und Konsumenten erwarteten, dass die Löhne in Zukunft weiter fielen. Dabei hat er sich explizit auf Keynes berufen. Damit stellt sich wieder einmal die altbekannte Frage: Was hat der Meister tatsächlich gesagt und was hat er wirklich gemeint?

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Krugman auf den Spuren von Keynes
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