Der Autor war von 1976 bis 1989 ZK-Sekretär für Wirtschaft des Zentralkomitees der SED und verantwortete die ökonomische Gesamtleitung der DDR. Er meldet sich aus dem Jenseits zu Wort.
Ich gestehe offen: In meinen letzten Lebensjahren beschlichen mich bisweilen Zweifel. Hatten wir die objektiven Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung womöglich falsch interpretiert? War der Vorrang der staatlichen Leitung, die planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft, die zielgerichtete Konzentration der gesellschaftlichen Fonds auf die Schwerpunkte des wissenschaftlich-technischen Fortschritts am Ende doch ein Irrweg?
Heute weiß ich: Nein. Wir waren unserer Zeit lediglich voraus.
Mit aufrichtiger Genugtuung verfolge ich aus dem Jenseits die wirtschaftspolitische Entwicklung in den westlichen Ländern und besonders in der Bundesrepublik Deutschland. Was wir im sozialistischen Aufbau unter permanenter imperialistischer Bedrängnis und bei objektiv ungünstiger Ausgangsposition nur ansatzweise verwirklichen konnten, wird dort nun mit den nahezu unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten hochentwickelter Staatswesen zielstrebig fortgeführt.
Milliardenschwere Förderprogramme für die Schlüsseltechnologie Mikroelektronik, die planmäßige Entwicklung strategischer Industriezweige, politisch geleitete Investitionsentscheidungen im gesamtgesellschaftlichen Interesse, Transformationsfonds als Instrumente der Strukturpolitik, staatlich abgesicherte Maßnahmen zur Stabilisierung systemrelevanter Betriebe. Überall erkennt man die Handschrift verantwortungsbewusster volkswirtschaftlicher Leitungstätigkeit. Besonders erfreulich erscheint mir dabei die wachsende Selbstverständlichkeit, mit der wirtschaftliche Prozesse nicht länger dem blinden Spiel anarchischer Marktkräfte überlassen, sondern im Interesse der Werktätigen planmäßig gestaltet werden.
Gewiss, die Terminologie hat sich den veränderten Bedingungen angepasst. Was früher volkseigener Betrieb hieß, firmiert heute unter „Daseinsvorsorge“. Die gesellschaftliche Eigentumsform tritt hinter Begriffen wie „staatliche Beteiligung“ und „Sondervermögen“ etwas zurück. Doch jeder erfahrene Funktionär erkennt sofort den wesentlichen gesellschaftlichen Inhalt hinter den Begriffen.
Mit besonderem Interesse verfolge ich die Energiepolitik. Auch unsere Staatliche Plankommission arbeitete mit langfristigen Ziel- und Kennziffern, deren technisch-ökonomische Realisierbarkeit gelegentlich hinter ihre politische Notwendigkeit zurücktreten musste. Auch wir betrachteten bestimmte volkswirtschaftliche Strukturentscheidungen als alternativlos im Interesse des Gesamtsystems. Und selbstverständlich kannten auch wir jene Erscheinung, dass Teile der Bevölkerung trotz wachsender staatlicher Fürsorge Schwierigkeiten hatten, den gestiegenen gesellschaftlichen Aufwand in den Preisen ihrer Konsumgüter vollständig nachzuvollziehen.
Die gegenwärtige Subventionsintensität hätte selbst unter den Bedingungen unserer planmäßigen Volkswirtschaft Anerkennung gefunden. Wir kämpften um jedes Kombinat, um jede Tonne Rohbraunkohle, um jeden Arbeitsplatz in der Schlüsselindustrie. Der Klassenfeind warf uns damals vor, ökonomische Ineffizienz zu konservieren, notwendige Strukturveränderungen zu verzögern und volkswirtschaftliche Signale durch administrative Eingriffe zu überformen. Dieselben Einwände werden heute ebenfalls gelegentlich vorgetragen, allerdings in merklich gedämpfter Form. Offenbar verliert planmäßige Leitungstätigkeit ihren bedrohlichen Charakter erheblich, wenn sie demokratisch legitimiert erfolgt.
Ich will die fortbestehenden Unterschiede nicht verschweigen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern ist zweifellos auf hohem Niveau gesichert. Der Reiseverkehr bleibt weiterhin möglich. Und die modernen Verwaltungsapparate arbeiten mit einer Dokumentations- und Berichtspflichtdichte, die selbst in unserem Apparat Bewunderung hervorgerufen hätte.
Doch im Kern bleibt die entscheidende Erkenntnis bestehen: Der Glaube, staatliche Leitungsorgane könnten die volkswirtschaftlich wünschenswerten Produktions- und Investitionsstrukturen präziser bestimmen als dezentrale, anarchische Marktprozesse, ist ungebrochen. Die planmäßige Leitung der Volkswirtschaft verliert ihren Charakter schließlich nicht dadurch, dass sie parlamentarisch beschlossen wird.
Ich sehe den weiteren Entwicklungen daher mit sozialistischer Gelassenheit entgegen. Unser System bestand unter deutlich angespannteren Bedingungen immerhin vier Jahrzehnte. Angesichts der heutigen Möglichkeiten, die europäische Gemeinschaftshaushalte, Zentralbankliquidität, Sondervermögen und kreditfinanzierte Transformationsprogramme bieten, dürften die objektiven Schranken wirtschaftlichen Handelns diesmal kein unüberwindbares Hindernis darstellen.
Die historischen Gesetzmäßigkeiten lassen sich nicht dauerhaft außer Kraft setzen. Darin liegt ihre Stärke.
Aufgezeichnet durch Jochen Zimmermann, Universität Bremen.

Wo er Recht hat, hat der Genosse Mittag auch nach bald 40 Jahren Recht. Ich hatte meine Freude dran.
Naturgemäß ist Mittag noch immer von der Vorstellung der Planbarkeit aller menschlicher Bedürfnisse gefangen. Die von ihm genannten geplanten Bereiche sind nur ein Teil davon, vor allem das, was wir als notwendige staatliche Aufgaben fiskalischer Natur anerkennen. Hier ist Planung und Festlegung durch den Start notwendig (zB. Festlegung der Autobahnführungen oder Schienennetze oder Wasserversorgung,) Aber die Durchführung sollte sich nur auf den hoheitlichen Bereich beschränken. Ein Beispiel: hoheitlich handelt ein Polizist nur in seiner Entscheidung zu schießen oder nicht oder auf Streife zu gehen! Das Auto, die Pistole und die Uniform können und sollten als fiskalischer Bereich privat zur Verfügung gestellt werden. Aber bitte maßgeschneidert und mit Enteignungs Regelung, falls der Lieferant seinen Vertrag nicht erfüllt und nicht so luschig falsch wie häufig auch aus Unkenntnis praktiziert! Hier ist erheblicher Nachholbedarf! Die Liste ist unendlich! Heute ist jeder staatliche Bereich davon betroffen und könnte völlig neu gestaltet werden. Aber der Frosch, dessen Tümpel man trocken liegen will, ist dafür der schlechteste Ratgeber! Deswegen hört man von solchen Ansätzen nie etwas oder nur die Kritik an den durchgeführten Fehlkonstruktionen.
Denn die Peitsche der Gewinn und Verlustrechnung eines privaten Anbieters und seine Freiheit, sein Personal einstellen oder entlassen zu können, neue Technologien zu probieren oder nicht, stehen im straffen Gegensatz zur Schwerfälligkeit (und vor allen Dingen auch gut in den Generationen begründeten) Hindernissen bei staatlichen Entscheidungen. Wir brauchen gut bezahlte Beamte, die auch nur schwer aus dem Job entlassen werden können mit hohen Pensionen, aber bitte nur in den hoheitlichen Bereichen. Die fast selbe Anwendung derer Lohnsicherheit und Schutzrechte gegen Entlassungen, auf alle fiskalisch tätigen Mitarbeiter, stehen im krassen Widerspruch zu den unternehmerischen Möglichkeiten! Mitarbeiter, die dort nicht richtig funktionieren, werden bei Unternehmen nicht künstlich auf Dauer erhalten, denn spätestens die G & V am Ende d.J. wird das offenbaren. Deswegen ist sie die Peitsche der Wahrheit, für jeden, und nur richtig, wenn es das Portmonaie am Ende von Privatpersonen trifft. Ein staatliches Portmonaie ist deswegen nicht hilfreich.
Alle anderen Produkte in einer Gesellschaft, also die nicht fiskalischen und vor allem nicht die hoheitlichen, können nur durch freie Unternehmer geliefert werden. Unternehmer, die sich ausrechnen, damit Geld verdienen zu können und die die Freiheit haben, diese Produkte anzubieten, zu verändern, oder deren Herstellung wieder einzustellen. Und was für die Produkte gilt, gilt auch für die Auswahl ihrer Mitarbeiter.
Und oh Wunder, das funktioniert sehr gut, denn schreckliche 10% Arbeitslosigkeit bedeuten ja 90% Beschäftigung vor allem bei freien Unternehmen (der Staat beschäftigt max. 2-5% total, max 1% hoheitlich)! Die Systemfrage Mittags stellte sich erst wenn wir langfristig eine Arbeitslosigkeit von 50-70% hätten!! Er darf alo noch etwas länger warten! Und Unternehmer bleiben staatlich gesehen die entscheidenden Lieferanten von Arbeitsplätzen freier Staaten, eingehegt durch staatliche Beschränkungen, für das was wir als Gemeinschaft nicht wünschen (Umweltauflagen, Emissionen etc)! Ausserdem sind sie die Gratis-Inkassodienstleister und Lieferanten des Staates für Mwst (ca.350 MRD), Lohnsteuer (ca.360 MRD) und Sozialkassen (1,34 Billionen 2025) und am Ende wenn es gut ging auch der Gewerbe-und Körperschaftsst (ca. 100Mrd)! Am Ende also von 80-100 % aller Einnahmen!
Der Artikel verdient eine Eins mit Stern. Aber nur, wenn er als Persiflage zu verstehen ist…