Hayek versus Keynes Reloaded

Von Gunther Schnabl und Kristina Spantig am 24. Juni 2011
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Econstories hat einen neuen Videoclip mit dem Titel „Fight of the Century: Hayek versus Keynes Round Two“ produziert. Der etwa zehnminütige Clip, der dem Clip „Fear the Boom and Bust: A Hayek vs. Keynes Rap Anthem“ folgt, stellt mit Blick auf die noch schleichende globale Krise den dominierenden keynesianischen Therapieansätzen eine hayekianische Kritik gegenüber. Visuell wird das Duell der Giganten als Boxkampf umgesetzt und akustisch mit einem Rap unterlegt. Hayek bringt mit einem wuchtigen Schlag den Favoriten Keynes zu Boden. Dennoch wird Keynes – selbst überrascht – zum Sieger erklärt, während sich Ben Bernanke, umringt von attraktiver weiblicher Begleitung, mit Dollarscheinen Zigarren ansteckt. Die Aussage ist klar: Keynes dominiert zwar das wirtschaftspolitische Handeln, doch sollte man sich mehr auf Hayek besinnen.

Die Anzahl der Klicks – nach Youtube-Statistik ca. 850.000 seit April 2011 – zeigt ein auflebendes Interesse an den Theorien von Hayek, Mises und anderen Ökonomen der Österreichischen Schule. Dies ist aus zwei Gründen nötig: Erstens, die Theorien der Österreichischen Schule sind aus den Lehrbüchern der Ökonomiestudenten weitgehend verschwunden. Zweitens, wäre es durchaus hilfreich eine langfristigere Sicht in der Wirtschaftspolitik zu etablieren. Denn die seit den 90er Jahren praktizierte expansive, asymmetrische Geld- und Fiskalpolitik (Hoffmann und Schnabl 2011) hat nicht nur dem keynesianischen Rettungsinstrumentarium weitgehend die Schlagkraft genommen. Die Welt ist auch mit Liquidität überschwemmt, zittert vor neuen Finanzmarktblasen und steckt in der Schuldenfalle.

Während im Videoclip Keynes weiterhin staatlichen Nachfrageprogrammen huldigt und dazu auffordert, Geld auszugeben, ermahnt Hayek, nüchtern zu werden und sich auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zurückzubesinnen. Eine Diskussion, die von beiden Ökonomen schon im Verlauf der Weltwirtschaftskrise geführt wurde und heute mehr denn je Aktualität besitzt, lebt im Refrain „We are going back and forth for a century“ wieder auf.
Der Clip soll jungen Menschen deutlich machen, dass wie in den 1930er Jahren keynesianische Krisentherapien dominieren. In der Weltwirtschaftskrise konnten sich Forderungen nach kreditfinanzierter staatlicher Nachfrage und Zinssenkungen gegenüber den bis dahin vorherrschenden klassischen Wirtschaftstheorien durchsetzen. Die tiefen wirtschaftlichen und sozialen Einschnitte der Weltwirtschaftskrise erschütterten den Glauben an die bestehenden klassischen Wirtschaftstheorien und die Selbstheilungskräfte der Märkte, während Keynes‘ Werke eine Perspektive boten.

Der Clip zeigt anschaulich, dass die Unterschiede in der Krisentherapie auf unterschiedliche Annahmen über die Ursache von Krisen zurückgehen. Bei Keynes werden Boom und Krise mit einem dem Menschen inhärenten irrationalen Verhalten – den sogenannten Animal Spirits – begründet. Deshalb kann die Krise im Vorfeld nicht erkannt und verhindert werden. Sie kommt zufällig. Einzige Lösung ist das schnelle Eingreifen des Staates. Hingegen macht Hayek eine zu expansive Geldpolitik für die Krise verantwortlich, die volkswirtschaftliche Strukturen verzerrt. Durch eine zurückhaltende Geldpolitik im Aufschwung würden nach Hayek Fehlentwicklungen vermieden und zukünftige Krisen verhindert. Bei Keynes hingegen begleitet eine expansive Geldpolitik die fiskalische Offensive, um die aggregierte Investitionsnachfrage zu beleben.

Wie wir wissen, wurde die in den 30er Jahren entstandene Theorie von Keynes in den 50er und 60er Jahren formalisiert und von einer vorwiegend asymmetrisch angedachten Krisenpolitik in eine symmetrische antizyklische Konjunkturpolitik transformiert. Der wiederum in der wirtschaftspolitischen Praxis asymmetrische Gebrauch in Form von schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen in Krisenzeiten gepaart mit expansiver Geldpolitik führten in die Stagflation der 70er Jahre. Mit der Erkenntnis, dass mehr Regeln als diskretionäres Handeln auch in der Geldpolitik nötig seien, läutete Milton Friedman Mitte der 60er Jahre die monetaristische Gegenrevolution ein. Um ein stabiles Wirtschaftswachstum zu gewährleisten sollte sich die Geldpolitik verstetigt werden. Zentralbanken wurden institutionell unabhängig, Regeln für geldpolitisches Handeln wurden konstituiert und in der Europäischen Union Obergrenzen für die Verschuldung etabliert.

Dennoch hat seit den 80er Jahren das keynesianische Gedankengut in Form einer diskretionären Geldpolitik zurück in den geldpolitischen Handwerkskasten gefunden. Aufgrund nachhaltig niedriger Inflationsraten und einem scheinbar nicht nachweisbaren Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation wurde ausgehend von Japan und den USA die Geldpolitik verstärkt als konjunkturpolitisches Stabilisierungsinstrument eingesetzt (Hoffmann und Schnabl 2011). Zinssenkungen hatten, im Gegensatz zu Keynes’ schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen den Vorteil, dass sie schneller einsetzbar waren und keine Kosten im Form von steigender Staatsverschuldung erzeugten. Der Einsatz der Geldpolitik als konjunkturpolitischer Stabilisator schien auch deshalb opportun, weil Krisen vermehrt von den Finanzmärkten ausgingen und deshalb schnelles Handeln nötig wurde. Allerdings waren die graduellen Zinssenkungen nur versteckte keynesianische Konjunkturprogramme und mit Erreichen der Nahe-Nullzins-Grenze sprang die Verantwortung für das Krisenmanagement auf die Fiskalpolitik zurück. Das Ergebnis sind in den meisten Industrieländern sprunghaft ansteigende Staatsverschuldungen und erste Länderschuldenkrisen, die bisher nur von Aufstrebenden Volkswirtschaften bekannt waren.

Ein Paradebeispiel für ein solches geld- und fiskalpolitisches Handlungsmuster keynesianischer Prägung ist Japan nach dem Platzen der Immobilienblase Anfang der 1990er Jahre. Die Wirtschaft sollte mittels staatlicher expansiver Nachfrageprogramme flankiert von Zinssenkungen stabilisiert werden. Das Ergebnis war die schleichende Verstaatlichung des Bankensektors und der Investitionstätigkeit. Das Resultat der japanischen Krise ist hinlänglich bekannt. Seit mehr als zwei Dekaden leidet das Land unter Stagnation. Die von der Nullzinspolitik der Bank of Japan getriebenen Kapitalexporte tragen zu Boom- und Krisenzyklen in anderen Teilen der Welt bei. Aus dem Videoclip ließe sich Hayek’s Diagnose der japanischen Krisenpolitik wie folgt zusammenfassen: Die Produktionsstrukturen sind durch den keynesianischen top down-Ansatz verzerrt, das menschliche Handeln wird ignoriert, Preise und Zinsen haben die Signalfunktion verloren, Anreize sind pervertiert.

Bleibt die Frage nach dem Exit aus dem Dilemma. Keynes empfiehlt im Videoclip, ihn als Held zu huldigen und weiter staatliche Nachfrageprogramme zu fahren. Dies entspricht der Auffassung wie sie auch beispielsweise von Nobelpreisträger Paul Krugman vertreten wird, dass das eventuelle Versagen keynesianischer Konjunkturprogramme nur der Tatsache geschuldet ist, dass sie nicht ausreichend groß dosiert waren. Hayek kritisiert im Clip eine solche Politik als konjunkturpolitisches Gelage, das mit dem vereinfachenden Fokus auf die aggregierte Nachfrage nur Verlierern hilft und überkommene Strukturen zementiert. Je früher wir uns auf das Gedankengut von Hayek besinnen, desto geringer werden die ohnehin schon sehr stark angewachsenen Anpassungskosten der strukturellen Verzerrungen sein. Vielleicht werden sich mit Hilfe von Econstories auch noch mehr junge Leute auf Hayeks Werke besinnen.

Literatur:

Hoffmann, Andreas / Schnabl, Gunther (2011): A Vicious Cycle of Manias, Crises and Asymmetric Policy Responses – An Overinvestment View. The World Economy, Volume 34, Issue 3, 382-403.

 

Hinweis: Kristina Spantig ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Leipzig.

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