Euro-, Länder- oder Finanzkrise?

Die „Eurokrise“ nimmt kein Ende. Der permanente Euro-Rettungsschirm hat das Vertrauen des deutschen Bürgers in die gemeinsame Währung weiter erschüttert. Auch wenn weiter unklar bleibt, welche Kosten über den Rettungsschirm, Abschreibungen auf den Wertpapierbestand der Europäischen Zentralbank oder Inflation realisiert werden, zeichnen sich diese deutlicher ab und könnten am Ende in der Größenordnung der deutschen Wiedervereinigung liegen. Die Kritik an der gemeinsamen europäischen Währung gewinnt an Fahrt und die Flucht in Sachwerte hat eingesetzt. Doch retten wir mit dem Bailout von Griechenland, Irland und Co. den Euro oder unser Finanzsystem? Und wäre es mit der guten alten DM besser gelaufen?

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Varianten des Kapitalismus
Keynes war gestern – oder doch nicht?
Fiskalpolitik in der Krise

„Unter den vier bedeutenden Wirtschaftsmodellen, die es in der EU gibt, sind nur das nordische und das angelsächsische Modell effizient, aber allein ersteres kann Gleichheit mit Effizienz verbinden“. (André Sapir)

Für den ökonomischen Mainstream war die Weltfinanzkrise ein typisch keynesianischer Betriebsunfall. Finanzinstitute hatten sich verzockt, die finanzielle Blase platzte, Panik griff um sich, alles flüchtete in Liquidität. Die ökonomische Schulmedizin rät in solchen Fällen zu mehr staatlicher Verschuldung. Der Staat muss die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke schließen, koste es was es wolle. Nachfrage ist Nachfrage, egal wie und wo. Eine kleine Schar österreichisch denkender Ökonomen ist anderer Ansicht. Eine zu expansive Geldpolitik störte den Seismographen der Märkte, den Mechanismus der relativen Preise. Knappe Ressourcen wurden so in unproduktive Verwendungen gelockt. Als die Blase platzte, wurde die Fehlallokation offenkundig. In diesem Fall helfen auch mehr Geld und staatliche Verschuldung nicht mehr. Flexible relative Preise und mobile Produktionsfaktoren sind der Schlüssel zur effizienten Reallokation. Unterschiede in Konjunktur und Struktur sind mögliche Gründe, weshalb die Staaten unterschiedliche Wege einschlugen, die Krise zu bekämpfen.

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Keynes war gestern – oder doch nicht?
Fiskalpolitik in der Krise
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BlogDialog
Henkel über Krisen und Geschäftsmodelle
Der frühere BDI-Präsident im Interview

Herr Henkel, welches Datum wird – unabhängig von der Chronologie – weiter vorne in den Geschichtsbüchern stehen: Der 15. September 2008 oder der 20. Oktober 2009?

Hans-Olaf Henkel: Sie meinen die Pleite von Lehman Brothers und…

…den Tag des Geständnisses der Griechen, dass das laufende Defizit nicht fünf, sondern 12,7 Prozent des BIP beträgt. Mittlerweile wurde es sogar auf 13,6 Prozent heraufgesetzt.

Henkel: Ich halte ein anderes Datum für viel entscheidender: Den Tag, an dem der ehemalige französische Staatspräsident Jacques Chirac und unser Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder beschlossen haben, der Europäischen Union die disziplinarischen Maßnahmen gegen ein Budgetdefizit in ihren eigenen Ländern aus der Hand zu schlagen. So konnten beide die Neuverschuldungsgrenze von drei Prozent brechen, übrigens ohne jede Finanz- und Wirtschaftskrise. Das war das erste entscheidende Datum, an dem der Euro aufgeweicht wurde. Das zweite ist die ebenfalls von Chirac und Schröder zu verantwortende Aufnahme Griechenlands in die Eurogruppe, wohlgemerkt gegen die Empfehlung der Europäischen Zentralbank. Kurz nach der Jahrtausendwende wurden also die ersten Grundlagen für die jetzige Krise gelegt.

Anfang dieses Jahres ist fast keine Woche vergangen, in der Griechenland die Kapitalmärkte nicht in Atem gehalten hat. Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen der Ernst der Lage bewusst?

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Henkel über Krisen und Geschäftsmodelle
Der frühere BDI-Präsident im Interview
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Ist Deutschland ein Sonderfall?

Vor dem Hintergrund der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise werden Länder hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur auf den Prüfstand gestellt. Dies gilt nicht nur für Deutschland. Auch in anderen Volkswirtschaften hat die Industrie im Jahr 2009 im Durchschnitt in einem nahezu gleichen Ausmaß wie hierzulande die gesamtwirtschaftliche Entwicklung abgebremst.

Die Diskussion um das sogenannte Geschäftsmodell Deutschland, das sich kurz gesprochen durch einen vergleichsweise hohen Industrieanteil und eine starke Weltmarktorientierung kennzeichnen lässt, hat Tradition und findet in wechselnden Gewändern statt:

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Die „Vernunft von Regeln“ nach der Finanzkrise

Die Finanzkrise scheint vorüber zu sein. Die Staatsschulden, die sie uns hinterlassen hat, sind beträchtlich. Die bedeutendste Langzeitfolge wir allerdings möglicherweise nicht finanzieller, sondern institutioneller Natur sein. Die Überzeugung einer größeren Allgemeinheit, dass die unsichtbare Hand des Eigeninteresses, die auf Märkten wirksam wird, sich der sichtbaren Hand des Regierungshandelns als überlegen erweisen kann, ist stark erschüttert. Deregulierung als Politikempfehlung ist unpopulär und Regulierung wieder populär geworden. Obwohl klarerweise Reformen notwendig sind, wäre es äußerst bedenklich, wenn sie die Form von politischen Einzelfallinterventionen annehmen würden. Sollten wir der allgemeinen Neigung der Politik zu Einzelfallinterventionen mit Bezug auf Finanzmärkte nachgeben, so könnte das auf lange Sicht gravierendere Folgen als die Steigerung der Staatsschulden mit sich bringen. Angesichts dieser Gefahr scheint es angemessen, an die Vorteile regelbasierter Politik und Ethik zu erinnern.

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Pest oder Cholera!
Die schwierige Notoperation des Finanzsektors

“Die Lage war noch nie so ernst.” (Konrad Adenauer)

Die wirtschaftliche Lage spitzt sich bedrohlich zu. Weltweit gerät die reale Wirtschaft ins Trudeln. Das Gespenst der großen Depression geht um. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, das wirtschaftliche Wachstum fällt ins Bodenlose, die soziale Balance gerät ins Wanken. Was tut die Politik? Mit einer Orgie von Konjunkturprogrammen hält sie dagegen. Viel helfen wird das allerdings nicht. Solange der Finanzsektor nicht stabilisiert ist, verpuffen selbst gigantische staatliche Ausgabenprogramme. Was bleibt ist ein Haufen Schulden. Die Politik weiß das seit den negativen Erfahrungen, die Japan in den 90er Jahren ein verlorenes Jahrzehnt beschert haben. Mehr als akute Notfallhilfe hat sie allerdings bisher nicht geleistet. Kein Wunder, dass der Finanzsektor von einem Schwächeanfall zum nächsten taumelt. Gelingt es nicht endlich, den Finanzkreislauf zu stabilisieren, droht ein Desaster.

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Finanzkrise, Rettungsschirme und Geisterfahrer
Finanzprotektionismus ist keine Lösung

„Die Absterbeordnung gehört zur Marktwirtschaft wie die Freiheit.“ (Olaf Sievert)

Die deutsche Politik ist sich einig: Doping im Sport ist des Teufels. Der sportliche Wettbewerb wird verzerrt, die Gesundheit der Athleten aufs Spiel gesetzt, der Jugend ein schlechtes Vorbild gegeben. Gefordert wird ein weltweites Verbot von Doping. ARD und ZDF werden politisch bearbeitet, Veranstaltungen „dopingverseuchter“ Sportarten, wie den Radsport, nicht mehr zu übertragen. Das alles war gestern. Heute, in Zeiten der Finanzkrise, gibt es wieder einen breiten politischen Konsens. Der Staat müsse einen finanziellen Schutzschirm über möglichst viele Branchen aufspannen. Flächendeckendes finanzielles Doping ist wieder hoffähig.

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Kopflose Ökonomen, coole Politiker?
Warum Peer Steinbrück recht hat

Die wirtschaftlichen Einschläge kommen näher. Eine weltweit tiefe Rezession scheint unausweichlich. Lange hatten die Ökonomen den Ernst der Lage nicht erkannt. Nun fordern viele von ihnen hektisch schnelle, umfangreiche und schuldenfinanzierte nachfrageseitige Gegenmaßnahmen. Fast überall in der Welt lässt sich die Politik von der Hektik anstecken, nur nicht in Deutschland. Die Bundesregierung will das konjunkturpolitische Pulver trocken halten. Vor allem der Finanzminister leistet entschiedenen Widerstand gegen alles, was zu einer überbordenden staatlichen Verschuldung führt und zukünftige Generationen noch stärker belastet. Vor seiner bisweilen ätzenden Kritik sind weder opportunistische Ökonomen noch englische Premierminister sicher.

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Lollipop-Politik in der Finanzkrise? Nein danke!

Die Welt der Wirtschaftspolitik wird gerade auf den Kopf gestellt. Alte Regeln werden über Bord geworfen. Wirtschaftspolitische Glaubenssätze von gestern ersetzen tradiertes Wissen. Der neue Nobelpreisträger Paul Krugman hat es kürzlich so formuliert: Tugend wird zum Laster, Vorsicht zum Risiko, Klugheit zur Dummheit. In einer Depressions-Ökonomie würden bisherige Rezepte nicht mehr helfen. Märkte hätten ihre Selbstheilungskräfte verloren. Helfen könne nur noch der Staat mit einer expansiven Fiskalpolitik. Dabei dürfe es nicht nur ein bisschen mehr sein, es müsse viel mehr sein. Der Staat müsse klotzen, nicht kleckern. Nur so lasse sich die Misere bekämpfen.

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