Noch ist der Winter nicht vorbei. Doch frieren, weil die Gasspeicher leer sind, müssen Haushalte, die mit Erdgas heizen, wohl nicht mehr. Das ist gut, denn etwa die Hälfte aller Haushalte heizt mit Erdgas. Befürchtungen, dass die Gasspeicher leer sind, ehe der Winter zu Ende geht, wurden von vielen Seiten und durch einige Kälteperioden befeuert.
Auch die Medien nehmen sich des Themas gerne an: Der Füllstand der Gasspeicher gehört oft zu den täglichen Meldungen wie die Wetternachrichten. Dabei gibt es seit dem russischen Angriff auf die Ukraine eine weitere Versicherung gegen Gasmangel: Terminals für den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG, liquified natural gas). Vier LNG-Terminals sind derzeit in Brunsbüttel, Mukran, Stade und Wilhelmshaven in Betrieb, weitere befinden sich im Bau. LNG-Importe deckten im Jahr 2025 rund 10 % des deutschen Gasbedarfs.
LNG-Terminals sind ein Baustein zur Sicherung der Versorgung, der zu Zeiten von Deutschlands allzu hoher Abhängigkeit von russischen Energieimporten vor dem Ukraine-Krieg gefehlt hat. Auch eine breitere Streuung der Importe auf mehr Herkunftsländer wurde zur Verbesserung der Versorgungssicherheit immer wieder angemahnt. So wurde in der im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums angefertigten Energieprognose 2009 und einem daraus resultierenden Artikel noch vor dem Bau der Nord-Stream-Pipeline vor einer allzu hohen Energieimportabhängigkeit von Russland gewarnt (Frondel, Schmidt 2009). Nach Inbetriebnahme der ersten beiden Röhren von Nord Stream erhöhte sich der Anteil Russlands an den Gasimporten Deutschlands auf rund 55 Prozent (Frondel et al. 2023). Und die Abhängigkeit von Russland wäre durch den Bau zweier weiterer Röhren der Nord-Stream-Pipeline wohl noch weiter erhöht worden, wenn deren Inbetriebnahme nach dem russischen Angriff im Jahr 2022 nicht gestoppt worden wäre.
Erst nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurde das Versäumte in höchster Eile nachgeholt — zu extrem hohen volkswirtschaftlichen Kosten: Im Sommer 2022 explodierte der Gaspreis an der Börse — siehe Abbildung — und die Politik sah sich gezwungen, die Folgen für Haushalte und Unternehmen mit milliardenschweren Energiepreisbremsen zu lindern. Bei einer besseren Risikovorsorge durch eine staatliche Unterstützung des Baus von LNG-Terminals bereits zu Friedenszeiten, der Etablierung einer strategischen Gasreserve ähnlich der staatlichen Erdölbevorratung für drei Monate und vor allem mit einer stärkeren Diversifizierung der Erdgasimporte auf mehr Importländer hätte die Politik das Ausmaß der Preisexplosion im Jahr 2022 zumindest abmildern können.

Seit Sommer 2022, als sich die Erdgaspreise an der Börse verzehnfachten und in der Spitze deutlich über 30 Cent je Kilowattstunde lagen, ist der Börsenpreis jedoch stark gesunken, auf aktuell wieder unter 3 Cent je Kilowattstunde. Der Gaspreis befindet sich damit deutlich unter dem vom Winter 2025/2026, als der Preis in der Spitze bei weit über 5 Cent lag. Von temporären Spitzen bei Kältephasen abgesehen befand sich der Gaspreis tendenziell immer weiter im Rückwärtsgang. Offenbar machte sich der Markt wegen sinkender Gasspeicherstände wenig Sorgen.
Dennoch sollte die Lehre aus den Erfahrungen der Vergangenheit und einer Studie von Frontier Economics für das Bundeswirtschaftsministerium zur Evaluierung der staatlichen Gasspeicherfüllstandsvorgaben vom Oktober 2025 sein, dass es künftig eine staatlich initiierte strategische Gasreserve geben sollte, die nur in zuvor klar definierten Krisenszenarien eingesetzt wird, um bei moderaten Zusatzkosten gegen Sabotageakte an Erdgaspipelines, Lieferschwierigkeiten bei LNG-Importen und andere Unvorhersehbarkeiten gewappnet zu sein. Privat betriebene Gasspeicher und LNG-Terminals reichen für einen ruhigen Winterschlaf offenbar nicht aus.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine deutliche Erweiterung meiner Kolumne für die Rheinische Post vom 27. Februar 2026 dar.
- Damit das Gas nicht ausgeht
Aufbau einer strategischen Gasreserve - 2. März 2026 - Beteiligungen an Windparks
Werden Bürger hinters Licht geführt? - 1. Januar 2026 - Erneuerbare Energien
Die Trittbrettfahrer bei der Energiewende - 20. Oktober 2025
