Geht uns in diesem Winter das Erdgas aus? Diese Frage stellt sich aus Gründen, für die die EU-Kommission mit verantwortlich ist.
Erstens untersagt sie ab dem 1. 1. 2027 den Flüssiggasimport aus Russland. Denn noch immer stammen etwa 15 % des holländischen und 30 % des belgischen Gases aus Russland. Da Deutschland rund 40 % seines Erdgases aus den Niederlanden und Belgien bezieht, fällt durch das Verbot eine Gasmenge weg, die bis zu 25 % der in Deutschland aktuell gespeicherten Gasmenge entspricht.
Zweitens geschieht dies zu einer Zeit, in der die heimischen Gasspeicher nur zu 61 % gefüllt sind — vor einem Jahr waren es 75 %.
Drittens soll am 1. 1. 2027 die EU-Methangasverordnung in Kraft treten. Danach ist es untersagt, Gas zu importieren, das hinsichtlich möglicher Leckagen bei der Förderung nicht den EU-Anforderungen entspricht. Dieses Verbot betrifft auch die Gasförderung in den USA, von wo im Jahr 2025 über 95 % unserer LNG-Importe stammten.
Als Reaktion auf die Methangasverordnung kündigten die USA und andere Gasförderländer an, ihr Gas künftig eher in andere Regionen zu liefern, anstatt nach Europa. Dies würde Erdgas hierzulande noch weiter verteuern. Dabei liegen die europäischen Großhandelspreise infolge des Irankrieges mit über 9 Cent die Kilowattstunde bereits drei Mal so hoch wie zu Beginn des Jahres.
Die Bundeswirtschaftsministerin plädierte deshalb im Verbund mit mehreren EU-Staaten für eine Verschiebung des Inkrafttretens der Verordnung um mehrere Jahre. Mit dem Argument, dass Europa über die notwendige Marktmacht verfügen würde, um die Standards der Methanverordnung global durchzusetzen, hält der Bundesumweltminister hingegen daran fest.
Europa bei Gas Marktmacht zu attestieren, ist jedoch eine fundamentale Fehleinschätzung. Umso wichtiger ist es, dass die EU-Kommission nun einen einjährigen Aufschub auf das Jahr 2028 vorgeschlagen hat. Es ist sehr zu hoffen, dass der Europäische Rat und das Europaparlament diesem Vorschlag noch rechtzeitig zustimmen, ehe das Gas noch knapper und teurer wird.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien in kürzerer Form in der Kolumne „Geld und Leben“ am 23. Oktober 2026 in der Rheinischen Post.
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