Keine Frage: Dieser Sommer hat uns richtig eingeheizt. Die hohen Temperaturen sorgten prompt für viele Medienberichte über die Klimakrise, wie die globale Erwärmung dann gerne alarmierend betitelt wird. Zugegeben: Bei der Hitze fällt es schwer, kühlen Kopf zu bewahren.
Dennoch kann nüchtern festgestellt werden: Heiße Sommer wie diesen hat es immer wieder gegeben, zum Beispiel 1947, wie Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen. Damals verzeichnete zum Beispiel die Stadt Karlsruhe von Mai bis September 44 Hitzetage, also Tage mit Temperaturen über 30 Grad, in Frankfurt und Stuttgart waren es mit 42 und 38 Tagen kaum weniger. Der Jahrhundertsommer 1947 kann mit dem Sommer 2026 mithalten. Dies zeigt: Ein heißer Sommer allein ist noch kein Indiz für den Klimawandel.
Die globale Erwärmung zeigt sich vielmehr an der zunehmenden Zahl an Hitzetagen. So gab es zwischen 1991 und 2020 im Mittel 8,9 Hitzetage pro Sommer, von 1961 bis 1990 waren im Schnitt hingegen nur 4,2 heiße Tage pro Jahr zu verzeichnen. Seit der Jahrtausendwende gab es 12 Sommer mit jährlich mehr als zehn Hitzetagen, darunter der bisherige Jahrhundertsommer 2003, in den 50 Sommern vor dem Jahr 2000 war das nur dreimal der Fall: 1976, 1994 und 1995.
Diese Zahlen zeigen: Es ist höchste Zeit, sich besser an den Klimawandel anzupassen. Wäre dies früher geschehen, wären auch die Folgen von Niedrigwasser in Flüssen weniger gravierend. Bereits im Verkehrswegeplan von 1992 war die Vertiefung der Fahrrinne des Rheins vermerkt. Diese Maßnahme ist bis heute unterblieben — ebenso wie viele andere Infrastrukturinvestitionen, die den Wohlstand in Deutschland erhöhen könnten.
Es würde sehr helfen, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen, anstatt ihn zu dämonisieren. Geradezu kontraproduktiv wäre aber Klimaaktivismus: Wenn Deutschland bereits morgen treibhausgasneutral wäre und Europa übermorgen, bedeutete dies für Deutschland und Europa den wirtschaftlichen Ruin, ohne dass es den globalen Treibhausgasausstoß nennenswert verändern würde.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien in kürzerer Form in der Kolumne „Geld und Leben“ am 28. August 2026 in der Rheinischen Post.
Podcast zum Thema:
Hitzewelle und Klimapolitik. Anpassung an den Klimawandel
Dr. Jörn Quitzau (Bergos AG) und Prof. Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespräch.
Hitzewelle und Klimaschutzziele. Kühlen Kopf bewahren
Dr. Jörn Quitzau (Bergos AG) im Gespräch mit Prof. Dr. Manuel Frondel (RWI)
Blog-Beiträge zum Thema:
Norbert Berthold (JMU, 2026): Weniger nationale Vermeidung, mehr lokale (regionale) Anpassung. Subsidiarität, fiskalische Äquivalenz, Gemeinschaftsaufgabe
Norbert Berthold (JMU, 2026): Wärme, Wasser, Waldbrände. In der Klimapolitik wird die Anpassung vernachlässigt
Norbert Berthold (JMU, 2026): Industrie und Klima. Eine verhängnisvolle (deutsche) Beziehung?
Norbert Berthold (JMU, 2026): Die (deutsche) Energiewende. Macht oder ökonomisches Gesetz?
Norbert Berthold (JMU, 2025): Klima im Wandel. Wende in der (europäischen) Klimapolitik?
- Zwischenruf
Trotz Hitze
Bei der Klimapolitik kühlen Kopf bewahren! - 16. Oktober 2026 - Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie
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