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Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld

Von Thorsten Polleit und Michael von Prollius am 30. Juni 2010
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Geld erweitert die Tauschmöglichkeiten und fördert die produktive und friedvolle Kooperation zwischen den Menschen. Das gilt allerdings nur für gutes Geld, also Geld, das im Einklang mit dem freien Markt produziert wird. Schlechtes Geld, also Geld, dessen Produktion gegen die freien Marktprinzipien verstösst, zerstört früher oder später das arbeitsteilige Gemeinwesen und damit Wohlstand und Frieden. Um das zu verstehen, ist die Kenntnis über die Funktion(en) des Geldes unverzichtbar.

Die Funktion(en) des Geldes

Die Geldwirtschaft ist zum Normalzustand geworden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Güter und Dienstleistungen gegen Geld getauscht werden: Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Die Tauschmittelfunktion ist die einzige Funktion, die Geld ausübt. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis, weil meist zusätzlich auch Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion genannt werden, die das Geld erfüllt.

Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion nicht eigenständig, sondern lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion des Geldes sind. Darauf wies der Ökonom und Gesellschaftsphilosoph Ludwig von Mises (1881 – 1973), der bedeutendste Vertreter der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre, bereits ausdrücklich im Jahre 1912 hin.

Die Tauschmittelfunktion ist die unmittelbar ersichtliche Funktion des Geldes: Ware wird gegen Geld und Geld wird gegen Ware getauscht. Mit der Verwendung von Geld zum Tauschen erweitern sich die Tauschmöglichkeiten ganz erheblich gegenüber den Möglichkeiten, die eine Naturaltauschwirtschaft bietet, in der Güter gegen Güter getauscht werden. Geld ist so gesehen ein produktiver Segen.

Die Recheneinheitsfunktion bedeutet, dass die Güterpreise in Form eines Gutes, nämlich des Geldes, ausgedrückt werden. Kostet beispielsweise ein Apfel €1 und eine Birne €2, so bedeutet das, dass zwei Äpfel im Tausch gegen eine Birne aufzuwenden sind; dass sich also eine halbe Birne gegen einen Apfel eintauschen lässt. Mit Geld lässt sich die Vielzahl der Tauschrelationen, die zwischen einzelnen Gütern existieren, und die man ja kennen muss, um richtige Entscheidungen treffen zu können, stark vermindern.

Mit der Wertaufbewahrungsfunktion ist gemeint, dass Geld über einen gewissen Zeitraum hinweg „Kaufkraft speichern“ kann. Die Wertaufbewahrung erlaubt dem Geldhalter, seinen Wünschen entsprechend das Einkommen über die Zeit zu verteilen. Die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes beschreibt damit gewissermaßen eine „Tauschfreiheit im Zeitablauf“. Das gilt natürlich nur dann, wenn Geld seine Zahlungsmittelfunktion im Zeitablauf nicht (vollständig) einbüßt.

Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind jedoch, wie gesagt, keine eigenständigen Funktionen des Geldes. Sie sind Ausdruck der Tauschmittelfunktion des Geldes. In der Recheneinheitsfunktion kommt die Tauschmittelfunktion des Geldes zum Ausdruck, und die Wertaufbewahrungsfunktion steht für die zeitliche Verlagerung des Tauschens von der Gegenwart in die Zukunft. Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung für die Beantwortung der Frage, die häufig gestellt wird: Wie viel Geld braucht eine Volkswirtschaft?

Wie viel Geld braucht die Volkswirtschaft?

Mainstream-Ökonomen – also die Vertreter der herrschenden Mehrheitslehrmeinung – sind sich darin einig, dass eine wachsende Wirtschaft eine wachsende Geldmenge benötigt. So fordern beispielsweise Anhänger der Quantitätstheorie wie die Monetaristen, deren bekanntester Vertreter Milton Friedman (1912 – 2006) ist, die Geldmenge solle – vereinfachend gesprochen – in Übereinstimmung mit der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion wachsen. Wächst die Volkswirtschaft zum Beispiel um 3 Prozent pro Jahr, so wäre aus monetaristischer Sicht ein „angemessenes“ Geldmengenwachstum 3 Prozent pro Jahr.

Der amerikanische Ökonom und Gesellschaftsphilosoph Murray N. Rothbard (1926 – 1995) betonte hingegen, aufbauend auf den Arbeiten von Ludwig von Mises, dass jede gerade momentan vorhandene Geldmenge ausreichend ist, weil Geld nur eine Funktion ausübt: die Tauschmittelfunktion. Eine Volkswirtschaft braucht also nicht notwendigerweise eine wachsende Geldmenge, wie dies von Mainstream-Ökonomen gefordert wird. Ob eine wachsende Geldmenge wünschenswert und akzeptabel ist oder nicht, hängt vielmehr davon ab, wie das Geld produziert und in Umlauf gebracht wird – über diesen wichtigen Aspekt wird später noch genauer zu sprechen sein. Dass aber ein Ansteigen der Geldmengen in der Volkswirtschaft zwangsläufig bedeutet, dass der Tauschwert des Geldes abnimmt, ist keine leichtfertige und vage Aussage, sondern sie lässt sich formal-logisch herleiten: und zwar durch das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens.

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens

Wie bestimmt sich der (Tausch-) Wert des Geldes, das ja auch ein Gut ist? Um die Frage zu beantworten, ist es wichtig, sich zwei Erkenntnisse vor Augen zu führen. Erstens: Der Wert eines Gutes ist stets subjektiv, das heißt er hängt stets von der Einschätzung des individuellen Betrachters ab. Zweitens: Geld ist ein Gut wie jedes andere Gut auch; es hebt sich nur dadurch von anderen Gütern ab, dass es dasjenige Gut ist, das sich am leichtesten gegen andere Güter eintauschen lässt. Folglich unterliegt Geld, wie jedes andere Gut auch, dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens.

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahezu zeitgleich von den Ökonomen Carl Menger (1840 – 1921), William Stanley Jevon (1835 – 1882) und Leon Walras (1834 – 1910) entdeckt, die jedoch unabhängig voneinander arbeiteten. Es ist in der Volkswirtschaftslehre das mittlerweile allgemein anerkannte Gesetz zur Wertbestimmung eines jeden Gutes geworden. Damit gilt es gleichermaßen auch für die Wertbestimmung des Gutes Geld. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens besagt, dass die erste Gütereinheit, die konsumiert wird, einen höheren zusätzlichen Nutzen (deswegen: Grenznutzen) hat als die zweite, dritte und jede weitere konsumierte Gütereinheit. Mit anderen Worten: Der Konsum eines Gutes stiftet mit zunehmender Verbrauchsmenge einen immer geringeren Zusatz- beziehungsweise Grenznutzen. Zum Beispiel stiftet das erste Glas Wasser dem Durstigen den größten Nutzen, das zweite Glas hingegen einen etwas geringeren und das dritte Glas einen noch geringfügigeren Zusatznutzen.

Das Gesetz hat in gleicher Weise Gültigkeit für das Gut Geld. Die erste Geldeinheit, die verdient wird, stiftet dem Empfänger einen größeren Zusatznutzen als die zweite, dritte und jede weitere verdiente Geldeinheit. Denn die erste Geldeinheit kann eingesetzt werden, um das dringendste Bedürfnis zu stillen. Jede weitere Geldeinheit kann ausgegeben werden, um jedes weitere, nunmehr aber weniger dringende Bedürfnis zu stillen. Je mehr Geld also ein Marktakteur erhält, desto geringer wird der Wert, also der Grenznutzen, der zusätzlich erhaltenen Geldeinheit sein.

Der Wert des Geldes kann sich aus Sicht des Geldhalters natürlich auch ohne eine Geldmengenausweitung verändern. Denn in einer Marktwirtschaft entstehen laufend neue Produkte, und auch die Bedürfnisse und Vorlieben der Konsumenten wandeln sich fortwährend. Produkte, denen gestern noch ein hoher Wert beigemessen wurde, sind heute bereits deutlich im Wert gesunken, weil neue Produkte entstanden sind, die sich besser eignen, die Anforderungen der Konsumenten zu erfüllen. Dieser fortwährenden Wertschätzung unterliegt auch das Gut Geld. Es gibt folglich kein wertstabiles Geld.

Geld misst keine Werte

Häufig ist zu hören, dass die Preise, also die in Geld ausgedrückten Tauschverhältnisse von Gütern, die Werte der Güter anzeigen. Dass diese Auffassung jedoch falsch ist, soll folgendes Beispiel zeigen. Herr Meier kauft beim Obsthändler einen Apfel, für den er €1 bezahlen muss. Ist der Apfel Herrn Meier €1 wert? Nein, der Apfel ist Herrn Meier mehr wert als €1. Denn Herr Meier tauscht €1 nur dann gegen einen Apfel ein, wenn aus seiner Sicht der Apfel mehr wert ist als €1. Für den Obsthändler gilt genau das Umgekehrte. Aus seiner Sicht ist €1 mehr wert als ein Apfel.

Der Preis eines Gutes, also die Anzahl der Geldeinheiten, die für ein Gut hingegeben werden müssen, bildet also nicht etwa den Wert eines Gutes ab, sondern er zeigt lediglich an, dass zu diesem Preis eine Tauschtransaktion stattgefunden hat, und dass derjenige, der das Geld bezahlt hat, dem dafür erhaltenen Gut einen höheren Wert beigemessen hat als den dafür hingegebenen Geldbetrag. Bei seinem Handelspartner verhält es sich genau umgekehrt: Er schätzt den erhaltenen Geldbetrag höher ein als das Gut, das er dafür hingegeben hat.

Tauschtransaktionen kommen deshalb zustande, weil die Beteiligten unterschiedliche Wertvorstellungen hinsichtlich der zu tauschenden Güter haben und sich beide durch den Tausch besser stellen. Im obigen Beispiel war für Herrn Meier der Apfel wertvoller als €1, während der Obsthändler €1 einen höheren Wert beigemessen hat als dem Apfel. Es sind also gerade die gegenteiligen Wertvorstellungen, die Menschen zum Tauschen veranlassen. Diese Erkenntnis zeigt damit die friedenstiftende Funktion des Geldes auf.

Stabile Preise bedeuten nicht, dass der Geldwert stabil ist

Es wäre also trügerisch zu glauben, der Wert des Geldes bliebe unverändert, wenn die Preise in der Volkswirtschaft im Zeitablauf konstant bleiben. Denn der Preis zeigt nicht etwa den Wert an, den ein Marktakteur dem Gut zuweist und der ihn zum Handeln (oder Nichthandeln) verleitet. Der Preis zeigt lediglich die Tauschrelation zwischen Gut und Geld ( einheiten) an, zu der ein Tausch stattgefunden hat. Wie ist das Versprechen zu beurteilen, wenn die Zentralbanken erklären, den Geldwert stabil halten zu wollen? Ein solches Versprechen ist natürlich irreführend. Seine Umsetzung ist völlig unmöglich, und der Versuch es umzusetzen, löst unweigerlich schwere Störungen im Wirtschaftsleben aus.

In einem freien Marktsystem kann es kein stabiles Geld geben; und diese unumstößliche Erkenntnis wird auch nicht durch ein staatliches „Es-soll-sein“-Versprechen außer Kraft gesetzt. Der Wert des Geldes (also sein Grenznutzen) ändert sich aus der Sicht jedes Einzelnen fortlaufend; und zwar genau in der selben Art und Weise, wie sich auch der Wert aller anderen Güter verändert, weil sich die Wünsche und die Möglichkeiten der Marktakteure, bestehende Bedürfnisse zu decken, fortwährend verändern. Ein einfaches Beispiel soll das illustrieren.

Es sei angenommen, dass die Marktakteure auf einmal Geld höher wertschätzen gegenüber anderen Gütern als bisher; der Auslöser für diesen Bedürfniswandel kann zum Beispiel der Ausbruch einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise sein. Angesichts einer solchen Situation werden die Marktakteure nun verstärkt Güter gegen Geld eintauschen wollen, und das lässt die (Geld-) Preise der Güter absinken. Wenn die Zentralbank daraufhin die Geldmenge ausweitet, um das Absinken der Güterpreise zu verhindern, stört sie die Tauschrelation zwischen Gütern und Geld, die die Marktakteure aus freien Stücken anstreben, und sorgt so unweigerlich für falsche Entscheidungen der Marktakteure.

Das neu in Umlauf gebrachte Geld sorgt nämlich für eine Verzerrung der Preise. Der Preismechanismus, der volkswirtschaftlich so überlebenswichtige Koordinationsmechanismus, kann seine Aufgabe dann nicht mehr zufriedenstellend erfüllen. Die Marktakteure können zum Beispiel nicht mehr feststellen, welche Güter wirklich knapp sind, also bei welchen Gütern es sich lohnt, die Produktion auszudehnen, und welche Güter sich verbilligen und so signalisieren, dass ihre Produktion eingeschränkt werden soll. Das Wirtschaften wird erschwert, Fehlentscheidungen aufgrund falscher Preissignale mehren sich.

Steigen die Preise für die Güter nur deshalb, weil sie durch die neue Geldmenge in die Höhe getrieben werden, nicht aber, weil sie wirklich knapp sind, so erweisen sich die Investitionen, mit denen das Güterangebot ausgeweitet werden soll, bald als unrentabel. Früher oder später stellt sich nämlich heraus, dass die erhofften Güterpreise sich nicht erzielen lassen. Die gescheiterten Investitionen sorgen für Arbeitsplatzverluste, Rezession und Bankenpleiten. Entwicklungen, auf die in der Öffentlichkeit – aufgrund von Unkenntnis oder Ignoranz der eigentlichen Krisenursache – Rufe nach billigem Geld und Staatseingriffen laut werden.

Das Versprechen der Zentralbanken, das Geld stabil zu halten, ist also nicht erfüllbar, es erweist sich zugleich als Einfallstor für immer weiter um sich greifende Interventionen des Staates in das Wirtschaftsleben, die für immer mehr Störungen sorgen. Die Vorstellung, dass es stabiles Geld gibt, und die daraus abgeleiteten Politiken bringen die Volkswirtschaft auf einen unheilvollen Pfad.

Die friedenstiftende Funktion des Geldes

Eine freie Marktordnung zeichnet sich durch ein zentrales Element aus: Eigentumsrechte der Individuen. Eine funktionierende Eigentumsordnung gibt Anreize für eine arbeitsteilige Kooperation zwischen Menschen, die wiederum eine höhere Produktivität und damit höheren Wohlstand gegenüber der Eigenversorgungswirtschaft möglich macht. Um jedoch die Früchte der Arbeitsteilung nutzbar zu machen, sind Tausch und Handel notwendig.

Güter können zwar gegen Güter getauscht werden, wie es im Naturaltausch der Fall ist. Damit hier aber ein Tausch zustandekommt, muss derjenige, der zum Beispiel ein Ei haben will und dafür bereit ist, eine Birne zu geben, jemanden finden, der genau das Gegenteil will: der also ein Ei besitzt und es gegen eine Birne eintauschen will. Das ist nicht immer und überall gewährleistet, so dass in einer Naturaltauschwirtschaft die Menschen ihre Bedürfnisse häufig durch freiwilligen Tausch nicht befriedigen können.

Der Tausch wird erheblich vereinfacht, wenn die Marktparteien Güter gegen Geld tauschen. Dann kann nämlich derjenige, der ein Ei hat, das Ei zunächst gegen Geld eintauschen, und das Geld kann er dann gegen eine Birne tauschen. Damit in der Geldwirtschaft ein Tausch zustandekommt, ist es also nicht erforderlich, dass eine – wie es in der Fachsprache heißt – doppelte Koinzidenz der Wünsche vorliegt. Diese herbeizuführen ist entweder unmöglich oder aber benötigt viel Zeit und verursacht Kosten. Mit der Verwendung von Geld werden folglich die Möglichkeiten des Tauschens und damit auch der Arbeitsteilung ganz erheblich erweitert. Geld befördert so ein arbeitsteilig organisiertes Gemeinwesen und damit die friedvolle Kooperation zwischen Menschen.

Markttransaktionen, an denen die Beteiligten aus freien Stücken teilnehmen, sind für alle vorteilhaft. Wären sie es nicht, so würden sie nicht stattfinden. Der Tausch kommt ja gerade dadurch zustande dass, – und auch nur dann, wenn – die beteiligten Akteure entgegengerichtete Wertvorstellungen und Wünsche mit Blick auf die Güter haben, die getauscht werden. Herr Müller wird bereit sein, für eine Flasche Champagner €100 zu bezahlen, weil er den damit verbundenen persönlichen Nutzen höher einschätzt als den Besitz von €100. Die Tatsache, dass der Champagner-Verkäufer seine Flasche gegen €100 verkauft, zeigt, dass er den €100 mehr Wert beimisst als dem Besitz des Schaumweins.

Bei freien Markttransaktionen handelt es sich also nicht um Nullsummenspiele, bei denen einer auf Kosten anderer gewinnt. Vielmehr stellen sich alle Beteiligten besser. Und so ist die Verwendung von Geld ein friedenstiftendes Element. Das gilt allerdings dann und nur dann, wenn das Geld, das zu Tauschzwecken verwendet wird, gutes Geld ist. Die Politisierung des Geldes – also insbesondere die Herrschaft des Staates über das Geld und das Geldwesen – bringt jedoch unweigerlich schlechtes Geld hervor, und folglich ist bei Staatsgeld nicht mehr gewährleistet, dass alle Beteiligten im Tauschprozess gleichermaßen profitieren und dass das Geld seine friedenstiftende Wirkung behält.

Macht mehr Geld eine Volkswirtschaft reich?

Die Meinung, dass es einer Volkswirtschaft mit mehr Geld besser geht, ist zwar weit verbreitet, sie ist allerdings falsch. Bei Konsum- und Investitionsgütern gilt, dass ihre Vermehrung den materiellen Wohlstand erhöht. Anders verhält es sich beim Gut Geld. Seine Vermehrung bewirkt genau das Gegenteil. Eine der vielen historischen Begebenheiten, die diese Wahrheit illustrieren, ist Hitlers Geldfälscherplan.

Im Zweiten Weltkrieg sannen die Nationalsozialisten darüber nach, wie die Kriegskräfte der Alliierten zu schwächen seien. Ein Plan, der bereits am 18. September 1939 im deutschen Finanzministerium vorlag, bestand darin, britische Pfundnoten zu fälschen und in Umlauf zu bringen. Millionen gefälschter britischer Banknoten sollten durch die Luftwaffe über Großbritannien abgeworfen, über Straßen und Dächern verstreut werden. Auf diese Weise sollte das Vertrauen in die Weltleitwährung Britisches Pfund zersetzt werden. Das In-Umlauf-bringen von gefälschtem britischem Geld würde, so kalkulierten die Nationalsozialisten, Inflation schüren und die Wirtschaft schwer schädigen.

Der Plan sah zudem vor, dass die Geldfälscherei zu einem bestimmten Zeitpunkt entdeckt und offengelegt werden sollte. Die Nachricht vom gefälschten Pfund Sterling sollte dann, unterstützt durch die erhofften Erschütterungen an den Weltbörsen, zum Zusammenbruch, zumindest aber zum schweren Vertrauensbruch in die britische Währung führen. Und sei, so das Kalkül der Geldfälscher, das Vertrauen in das Pfund Sterling erst einmal schwer geschädigt, wäre die Kriegsfinanzierung gestört, und letztlich könnte so die Deutsche Mark die Welt(finanz)märkte erobern.

Die deutsche Reichsbank sollte mit der Herstellung von gefälschten britischen Pfundnoten beauftragt werden. Doch das erwies sich als schwieriger als zunächst angenommen. Vor allem gelang es nicht, die britischen Pfundnoten in geeigneter Qualität zu fälschen. Das ganze Geldfälschungs- und Zerstörungsprojekt wurde schließlich aufgegeben. Eine Lehre aus dieser Episode ist in jedem Falle erwähnenswert: Die Nationalsozialisten trachteten danach, die britische Geldmenge auszuweiten, nicht zum Nutzen der Briten, sondern zu ihrem Schaden. Sie wussten sehr wohl, dass eine steigende Geldmenge eine Volkswirtschaft nicht reicher macht, sondern dass sie ihr schadet, und zwar auf eine höchst subtile und perfide Art.

Ironie der Geschichte: Es war die extrem inflationierte Deutsche Reichsmark, die im Zuge einer Währungsreform 1948 unterging, während das Britische Pfund noch heute existiert.

Hinweis: Dieser Blog-Beitrag ist ein Auszug (1. Kapitel: Was Geld ist) des Buches Geldreform (Lichtschlag-Buchverlag) unserer Autoren Thorsten Polleit und Michael von Prollius.

Eine Reaktion zu “BücherMarkt
Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld”

  1. J. Nolte

    Ein sehr interessanter Beitrag und leicht verständlich.
    Ich ziehe bald nach Deutschland um und hoffe wieder Englisch zu unterrichten. Mit Ihrem Beitrag kann ich Diskussionen anregen. Henry Hazlits „Economics in One Lesson“ wird auch ein Grundstein.

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