Sen and safe
Sind „safe spaces“ mit dem Liberalismus vereinbar?

Seit einigen Jahren lässt sich in den USA und auch im Vereinigten Königreich beobachten, dass im universitären Raum (und auch an anderen Stellen) sog. „safe spaces“ gefordert und auch eingerichtet werden. Bei einem „safe space“ handelt es sich um einen „Raum, der vor Konfrontation mit Äußerungen schützen soll, die als verletzend oder angreifend empfunden werden und ein Missbehagen zumindest bei bestimmten Gruppen von Personen auslösen können“ (Froese 2018, 480). Durch diese „safe spaces“ werden „Lehrende und Forschende zu einer ganzbestimmten Konformität gezwungen. Die Studierenden sollen vor unorthodoxen und als missliebig angesehenen Gedanken geschützt werden. In diesem Zusammenhang hört man oft die Begriffe ,safe spaces‘ und ,micro-aggression‘“ Frey (2020).

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Gastbeitrag
Wissenschaft, Medien und Politik aus ökonomischer Perspektive

Bild: Unsplash

Wissenschaft und Medien

In der medialen Berichterstattung bezüglich aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen wird sich oftmals auf Forschungsergebnisse berufen, dies zeigt sich vor allem in besonders komplexen Fragen wie dem Klimawandel oder der derzeitigen Pandemie. Auch in der deutschen Talkshow-Landschaft sind Wissenschaftler regelmäßig als Experten präsent, deren Autorität und Unabhängigkeit zur Versachlichung der oftmals durch parteipolitische Interessen dominierten Debatte beitragen soll. Dabei wird seitens der medialen Akteure häufig simplifizierend von der Wissenschaft als Institution gesprochen. Dies mag im allgemeinen Sprachgebrauch gerechtfertigt sein, sobald wissenschaftliche Positionen in ihrer Allgemeinheit jedoch der Untermauerung von Argumenten dienen und ein Absolutheitsanspruch verbreitet wird, sollte der aufmerksame Zuschauer respektive Leser hellhörig werden.

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Wissenschaft, Medien und Politik aus ökonomischer Perspektive“
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Junge Autoren
Werturteile in der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung

Bild: Pixabay

Bereits im Jahr 1909 verkündete Max Weber, dass das „Hineinmengen eines Seinsollens in wissenschaftliche Fragen (…) eine Sache des Teufels“ sei, und auch unter den heutigen Ökonomen fühlen sich viele der Aufforderung verpflichtet, dass Forschung und das Beschreiben wirtschaftlicher Zusammenhänge keiner persönlichen Wertung bedürfe und somit subjektive Werturteile abzulehnen seien. Doch nicht nur Ökonomen, sondern auch Journalisten, andere Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit bestehen darauf, dass wissenschaftliche Untersuchungen werturteilsfrei sein sollten (Kitcher 2013). So werden Werturteile und Wissenschaft wie „Öl und Wasser“ (Longino 1983) als zwei Elemente angesehen, die nicht miteinander vermischt werden sollen.

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Politischer Paradigmenwechsel
Thomas Kuhn, Deutschland und Europa

1. Thomas S. Kuhns Paradigma

In Deutschland dämmert es, in Europa auch: Die gewohnten politischen Paradigmen zerfallen zusehends, neue Ideen kommen in die politische Arena. Es war der US-amerikanische Physiker und Wissenschaftstheoretiker Thomas S. Kuhn, der 1962 in seinem epochemachenden Werk über die „Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ den Begriff des Paradigmas und damit auch des Paradigmenwechsels in die (zunächst) wissenschaftliche Diskussion eingeführt hat. Er erklärt den wissenschaftlichen Fortschritt mit einer revolutionären Ablösung eines alten durch ein neues Paradigma. Ein Paradigma ist ein System an Grundüberzeugungen, die die Vertreter einer Disziplin oder „Schule“ verbinden, also die gemeinsamen Wertvorstellungen, Vorurteile, Urteile, Methoden und Ausdrucksmittel. Das nennt Kuhn die „Normalwissenschaft“. Außerhalb des Paradigmas der Normalwissenschaft existieren andere Grundüberzeugungen als „Anomalien“, als abweichende Randpositionen ohne allgemeine Akzeptanz. So dominiert und verdrängt die Normalwissenschaft als paradigmatisches Kartell der „normalen“ Wissenschaftsanbieter die „Anomalien“ der Außenseiter. Innerhalb dieses etablierten Anbieterkartells gibt es im Rahmen des allgemein akzeptierten Paradigmas durchaus Wettbewerb der Ideen, also Projektrivalitäten, jedoch auch Coopetition, also Kooperation im Wettbewerb.

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Fakten, Fakten, Fakten?

Moden gibt es überall, wo Menschen miteinander interagieren und kommunizieren. Manche sind auf eine komplexe Weise mit den Tatsachen der Welt verknüpft. Andere haben mit den Tatsachen wenig zu tun, dominieren aber dennoch hartnäckig unser Denken. Gegen sie scheint kein Kraut gewachsen zu sein und schon gar nicht das der Aufklärung über die Fakten. Gegenwärtig scheint es allerdings neben der Epidemie der „fake news“ eine breite Strömung zu geben, Fakten zur Kenntnis zu nehmen bzw. ein entsprechendes Verhalten etwa unter dem Titel „factfulness“ (Roslings 2018) zu propagieren. Wer dies aus erster Hand mit Bezug auf grundlegende Fakten weltweiter Entwicklungen selbst tun möchte kann, kaum besseres tun, als https://ourworldindata.org/ aufzusuchen.

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Die Ökonomen und die Liebe zum Markt

Wenn ein Geologe sagt, daß er die Berge liebt, die er wissenschaftlich untersucht, dann wird ihm daraus niemand einen Strick drehen. Im Gegenteil, man wird die Aussage so verstehen, daß wir es mit einem hochmotivierten, von seinem Forschungsgegenstand begeisterten Wissenschaftler zu tun haben. Und das, obwohl wir alle wissen, daß Berge auch Probleme bereiten können. Murgänge können ganze Dörfer verschütten, Lawinen können Skifahrer töten, Steinschläge können Wanderer ins Grab bringen. Und noch bis vor hundert Jahren stellten die Berge ein schweres Hindernis für den europäischen Reiseverkehr dar, welches über die Jahrhunderte sicher tausende Italienreisende das Leben kostete. Die Schattenseiten der Berge sind also ziemlich ernst, aber dennoch: Einen Geologen, der die Berge liebt, wird niemand anstößig finden.

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Gastbeitrag
Verhaltensökonomische Politikberatung

Was kann die Verhaltensökonomik für die wirtschaftswissenschaftliche Politikberatung leisten? Mit dem spektakulären Erfolg des sogenannten „Libertären Paternalismus“ und seiner vieldiskutierten „Nudge“-Agenda gewinnt diese Frage immer mehr an Bedeutung. Während unter Ökonomen im deutschen Sprachraum die Skepsis zu überwiegen scheint, ist der Eindruck nicht von der Hand zu weisen, dass verhaltensökonomisch informierte Politikberatung – Stichwort „Behavioral public policy“ – im angelsächsischen Raum rasch an Einfluss gewinnt. Zwei spezialisierte Journals sind im vergangenen Jahr gegründet worden. Und in einer ganzen Reihe von Ländern beraten inzwischen „Nudge Units“ die Regierungen, und internationale Organisationen wie zuletzt die OECD schließen sich dem Trend an.

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Plurale Ökonomik (4)
Zum Elend der „Pluralismus-Debatte“
Und ein Vorschlag zur Güte

Wie geht es eigentlich unserer alten Bekannten, der Dauerdebatte um die „unzureichende Vielfalt in der Ökonomik“? Die Volkswirtschaftslehre, so lesen wir, ist auf Sinnsuche, und angeblich nimmt das nun auch der altehrwürdige Verein für Socialpolitik zur Kenntnis. Die VWL findet sich, so hören wir, wieder im Spannungsfeld zwischen kritischen Studierenden, renitenten Professoren und einer Öffentlichkeit, deren Vertrauen in die Profession schon einmal ausgeprägter war. Zugleich sinkt die Nachfrage nach einem VWL-Studium offenbar stetig – und das in einer Zeit, in der der Bedarf an ökonomischer Expertise größer ist denn je.

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Und ein Vorschlag zur Güte
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Plurale Ökonomik (3)
Die Sinnsuche in den Wirtschaftswissenschaften
Anmerkungen zum neuen Buch von Philip Plickert

Wie schon im Vorjahr so hat auch in diesem Jahr die Bundeskanzlerin bei der Übergabe des Sachverständigenrat-Gutachtens vor der Bundespressekonferenz stante pede, ohne eine einzige Zeile vorher gelesen zu haben, öffentlichkeitswirksame Kritik an zentralen Aussagen des Gutachtens geübt. Fünf gestandene Professoren der Wirtschaftswissenschaften wurden von einer promovierten Physikerin öffentlich in die Schranken gewiesen: Eine politische Anmaßung von (Besser-)Wissen und Kompetenz? Das erinnert stark an Helmut Schmidt: Wissen Sie, gestand er einmal, ich habe sowohl als Finanzminister als auch als Bundeskanzler nicht eine einzige Zeile des SVR-Gutachtens gelesen. „Mich hat das nie interessiert, was Wirtschaftsprofessoren so schreiben“. Und selbst die englische Queen zweifelte jüngst nach der internationalen Finanzkrise an den Fähigkeiten ihrer ökonomischen Professoren-Elite indem sie fragte: „Why did nobody see it coming“?. Diese Frage, die ja auch in Deutschland große Popularität genießt, würde man wohl kaum zwecks genereller Infragestellung ihrer gesamten Wissenschaftsdisziplin den Medizinern stellen, weil sie nicht in der Lage seien, für die Patienten den Ausbruch einer bestimmten Krankheit exakt zu vorauszusagen. Das trifft ganz sicher auch für die Ingenieurwissenschaften zu, deren Reputation in Gänze nicht infrage steht, nur weil irgendwo eine Brücke zusammengestürzt ist. Aber es gibt repräsentative Umfragen, die zeigen, dass rund 80 Prozent der Deutschen der Meinung sind, die Gesellschaft brauche keine Ökonomen, deren Wissenschaft sei überflüssig.

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Die Sinnsuche in den Wirtschaftswissenschaften
Anmerkungen zum neuen Buch von Philip Plickert
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