Die Bank von Japan schafft ein monopolistisches Bankensystem

Von Taiki Murai und Gunther Schnabl am 3. April 2017
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13 japanische City-Banken stiegen in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre – beflügelt von einem Spekulationsboom – in die Gruppe der weltgrößten Banken auf. Im Westen machte sich Angst vor einer wirtschaftlichen Kolonialisierung breit. Mit dem Platzen der Blase folgte der Abstieg. Seitdem sind die City-Banken Getriebene der japanischen Geldpolitik.

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Mitte der 1980er Jahre senkte die Bank von Japan gezwungen in Reaktion auf eine starke Aufwertung des Yen die Leitzinsen stark, von 5% im Sept. 1985 auf 2,5% zwei Jahre später. Das billige Geld stabilisierte nicht nur das Wachstum. Es befeuerte auch einen Spekulationsboom auf den Aktien- und Immobilienmärkten, der von der immensen Kreditschöpfung der City-Banken getragen wurde (siehe Abbildung). Die schnell im Wert steigenden Immobilien dienten als Sicherheiten.

Mit dem Platzen der Immobilienblase zu Beginn der 1990er Jahre schlitterten die City-Banken in die Krise, weil sich viele Kredite als faul erwiesen. Die Bank von Japan half, indem sie die Zinsen von 6% (Juli 1991) auf 0,5% (Sept. 1995) senkte. Die drastischen Zinssenkungen verführten die City-Banken dazu, sich billig in Japan zu refinanzieren, um zu deutlich höheren Zinsen Kredite in den boomenden südostasiatischen Nachbarstaaten zu vergeben (siehe Abbildung). Der große Krach kam mit der Asienkrise (1997/98). Diese zog die japanische Finanzmarktkrise (1998/99) nach sich, weil die City-Banken nun neue faule Kredite realisierten.

Die riesige Hokkaido Takushoku Bank kollabierte. Die überlebenden City-Banken wurden mit 8,4 Billionen Yen (ca. 70 Mrd. Euro) zwangsrekapitalisiert und in Fusionen gezwungen. Es verblieben fünf City-Banken, von denen drei zusammen mit Wertpapierhäusern und Investmentbanken riesige Finanzkonglomerate („Mega-Banken“) formten. Dadurch, dass die Bank von Japan als Krisentherapie die ultralockere Geldpolitik forcierte, unterminierte sie das traditionelle Kreditgeschäft. Denn das billige Geld drückte die Finanzierungskosten der großen Unternehmen, so dass diese ihre Kreditnachfrage reduzierten. Zudem wurde die Marge zwischen Einlagen- und Kreditzinsen von 3,5 Prozentpunkten in den 1980er Jahren auf heute unter einen Prozentpunkt gedrückt.

Als Rettungsanker diente der Ankauf von Staatsanleihen, deren Anteil am gesamten Bilanzvolumen der City-Banken von 3,1% im Jahr 1999 auf 27,1% im Jahr 2011 wuchs.  Das war möglich, weil die japanische Staatsverschuldung stetig stieg. Insbesondere von 2008 bis 2011, als die Premierminister Aso, Hatoyama und Kan riesige keynesianische Konjunkturprogramme lancierten (siehe Abbildung).

Doch diesem Fluchtweg versperrt nun Premierminister Abe, der seit Januar 2013 die Bank von Japan aggressiv Staatsanleihen kaufen lässt, so dass deren Verzinsung gegen oder unter null gefallen ist. Der Bestand an Staatsanleihen in den Bilanzen der City-Banken geht entsprechend drastisch zurück (Abbildung). Die steigenden Einlagen der City-Banken bei der Bank von Japan, die aus den Verkäufen der Staatsanleihen entstanden sind, werden nicht oder sogar negativ verzinst. Die Folge: Es muss wieder ein neues Geschäftsmodell her!

Die letzte Zuflucht ist das Ausland. Denn die geldpolitische Krisenpolitik lähmt Investitionstätigkeit und Kreditvergabe im Inland (Schnabl 2012). Sehr viel mehr Staatsverschuldung ist aufgrund des bereits immensen Schuldenbergs (250% des BIP) einfach nicht mehr möglich. Wichtige Ziele der Kreditexpansion sind deshalb wieder Südostasien und die USA, wo die Wirtschaft noch besser läuft.

Zwar begrüßen wichtige Entscheidungsträger die Kapitalabflüsse. Denn die daraus resultierende Abwertung des Yen beschert den Exportunternehmen schnelle Profite und dem Premierminister kurzfristige Wachstumserfolge. Doch das Risiko steigt! Erstens gehen die japanischen City-Banken hohe Wechselkursrisiken ein. Wertet der Yen stark auf, wackeln die Bilanzen. Zweitens hat sich in dem globalen Niedrigzinsumfeld die Wahrscheinlichkeit von spekulativen Übertreibungen deutlich erhöht.

Sollte eines Tages eine große Blase platzen, dann steht eine neue japanische Finanzkrise bevor. Diese dürfte zu weiteren Fusionen führen, so dass Japans Bankenlandschaft in Zukunft von ein oder zwei Mega-Banken dominiert sein könnte. Ein monopolistisches Bankensystem verheißt nichts Gutes für das zukünftige Wachstum im Land der aufgehenden Sonne!

Literatur

Schnabl, Gunther (2012): Die Japanischen Lehren für die europäische Krise. Global Financial Markets Working Paper 36.

Eine Reaktion zu “Die Bank von Japan schafft ein monopolistisches Bankensystem”

  1. Kleine Presseschau vom 3. April 2017 | Die Börsenblogger

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