Klimawandel: Einen kühlen Kopf bewahren

Von Manuel Frondel am 22. November 2017
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Manuel Frondel
RWI Essen und Ruhr-Universität Bochum

Einen Effekt haben die jährlichen Weltklimakonferenzen definitiv: Regelmäßig erreicht das Thema Klimawandel in diesen Zeiten seinen Siedepunkt. Apokalyptische Weltuntergangsbilder haben dann Hochkonjunktur. Dass sich das Weltklima ändert, ist indessen ebenso unbestreitbar wie unspektakulär: Das Klima hat sich seit jeher und immerzu verändert; es konservieren zu wollen, wäre ein irrtümliches Ansinnen.

Änderungen des Klimas sind zudem nicht ausschließlich negativ. Vielmehr gingen damit in den vergangenen Jahrtausenden auch positive Auswirkungen einher. So haben die häufig als optimal bezeichneten klimatischen Bedingungen zu Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrtausends zur Besiedelung Grönlands geführt. Die sogenannte kleine Eiszeit im Mittelalter hatte hingegen Hungersnöte und großen Wanderungsbewegungen zur Folge.

Entgegen der oftmals einseitigen Darstellung in den Medien ist es in der Wissenschaft umstritten, welche Ursachen die jüngeren Änderungen der klimatischen Bedingungen haben, wie groß der Anteil des Menschen daran ist und welches Ausmaß der Klimawandel in Zukunft annehmen wird. Gesicherte Erkenntnisse sind rar. Klar ist lediglich, dass der Mensch nicht der alleinige Verursacher des Klimawandels ist.

Noch am wenigsten gesicherte Kenntnisse gibt es über die mit dem Klimawandel verbundenen Schäden und die daraus in Zukunft erwachsenden Kosten. Von den dazu kursierenden Schadenssummen sollte man sich schon allein deshalb nicht beeindrucken lassen, weil sie eine Präzision vorgeben, die es aufgrund der Unsicherheit infolge des damit verbundenen langen Zeithorizonts von 50 und mehr Jahren niemals geben kann.

Eines ist jedoch auch hier gewiss: Während die Kosten für heute durchgeführte Klimaschutzprophylaxe sofort anfallen und klar zu beziffern sind, ist der Ertrag daraus nicht nur höchst unsicher. Vielmehr kann er ‒ wenn überhaupt ‒ erst Jahrzehnte später eingestrichen werden.

Aktionismus wäre angesichts dieser Asymmetrie und des offenbar langsam voranschreitenden Klimawandels ebenso wenig angemessen wie dessen völliges Ignorieren und das sich daraus ergebende Nichtstun. Vielmehr gilt es, mit kühlem Herzen und klarem Verstand zu überlegen, welche Rolle Maßnahmen zur Anpassung an das sich verändernde Klima spielen können − wie etwa der Bau von Deichen, ohne die sich die Niederlande heute weitgehend unter Wasser befänden − und in welchem Ausmaß bzw. in welcher Art unverzügliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels getroffen werden sollen.

Vernünftig wäre beispielsweise, die Subventionierung des Energieverbrauchs und des Abbaus fossiler Brennstoffe weltweit drastisch zu reduzieren. Eine pragmatische Vorgehensweise, bei der wirtschaftliche Maßnahmen getroffen werden, die in erster Linie anderen Zielen dienen, etwa Effizienzverbesserungen zur Reduzierung der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten, und dabei gleichzeitig Klimaschutz ermöglichen, ist einem Laissez-faire ebenso vorzuziehen wie politischen Aktionismus.

Dabei ist es – der hohen Aufmerksamkeit in den Medien zum Trotz – wichtig, nicht zu vergessen, dass es neben dem Klimawandel andere, weitaus drängendere Probleme zu lösen gibt, wie etwa eine Milliarde Menschen ohne Trinkwasser und der Mangel an Nahrungsmitteln in großen Teilen Afrikas verdeutlichen. Es wäre falsch, dem Klimawandel die ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und zu dessen Bekämpfung unverhältnismäßig umfangreiche finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die dann für andere Zwecke mit eventuell erheblich größerem Nutzen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Schließlich ist zu bedenken, dass alle noch so großen Anstrengungen selbst einer Staatengemeinschaft wie der EU vergeblich wären, wenn die USA und China — mit einem Anteil von rund 45% die weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen — nicht ihrerseits Maßnahmen ergreifen, um den Ausstoß von Klimagasen erheblich zu senken. Bislang allerdings gibt es besonders in China wenig Anzeichen dafür. Im Gegenteil: 2016 lag der jährliche Klimagasausstoß Chinas um etwa das Dreifache über dem Niveau von 1990.

Weitaus wichtiger als alle derzeit in Europa diskutierten Klimaschutzmaßnahmen wäre es demnach, Länder wie China mit Nachdruck zu einem Umdenken zu bewegen. Dazu bedarf es allerdings effektiverer Klimaschutzabkommen als dem Kyoto-Protokoll, das nach Meinung vieler Experten nur symbolische Wirkung entfaltet hat. Ohne ein effektives Weltklimaabkommen werden sich die globalen Klimagasemissionen in absehbarer Zeit kaum verringern.

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