Das Weltfinanzsystem im Umbruch

I.

Verfolgt man die Wortbeiträge zur internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise aufmerksam, so scheint im Zuge der Krisenlösungsbemühungen auch eine Debatte über eine Reform der internationalen Währungsordnung in Gang gekommen zu sein. Für diesen Eindruck seinen drei Beispiele genannt.

Im Februar 2011 forderte der Internationale Währungsfonds (IWF) „a wide-ranging reform of the international monetary system“. Im November 2010 sprach sich der Präsident der World Bank, Robert Zoellick, für eine Nachfolge des – wie er es nannte – Systems von „Bretton Woods II“ aus – also des internationalen Währungssystems, dass seit den frühen 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts de facto auf dem US-Dollar fußt. Er forderte dabei unter anderem: „The [currency] system should also consider employing gold as an international reference point of market expectations about inflation, deflation and future currency values.“ Am deutlichsten hat der Governor der Peoples’ Bank of China im März 2009 seine Reformforderung formuliert: „The desirable goal of reforming the international monetary system … is to create an international reserve currency that is disconnected from individual nations and is able to remain stable in the long run, thus removing the inherent deficiencies caused by using credit-based national currencies.“ Bevor diese Vorschläge – ihre Wirkungen und Erfolgsaussichten – gewürdigt werden (können), ist es hilfreich, eine sachgerechte Diagnose der Krisenursache voranzustellen. Was also ist die Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise?

II.

In der Öffentlichkeit scheint die Meinung vorzuherrschen, die Krise sei die Folge von ungezügelten Kapitalmärkten, unzureichender Regulierung, überzogener Risikospekulation und fehlerhaften Risikomodellen. Mit anderen Worten: Marktversagen hat zur Krise geführt. Doch bei genauer Betrachtung scheinen die beklagten Missstände nur Symptome zu sein, nicht aber die eigentliche Ursache. Diese Schlussfolgerung drängt sich auf, wenn die Struktur der heutigen internationalen Geldordnung näher betrachtet wird. Was zeichnet diese Geldordnung aus? Milton Friedman schrieb im Jahre 1992: “(…) a world monetary system has emerged that has no historical precedent: a system in which every major currency in the world is … on an irredeemable paper money standard (…). The ultimate consequences of this development are shrouded in uncertainty.“ Professor Friedman macht darauf aufmerksam, dass alle wichtigen Währungen der Welt – ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, das Britische Pfund oder auch der Schweizer Franken – derzeit nicht einlösbares Papiergeld darstellen (also Fiat-Geld sind, wobei das lateinische Wort fiat „es soll so sein“ bedeutet).

Das Fiat-Geld hat eine Reihe von Eigenschaften. Erstens: Fiat-Geld ist intrinsisch wertloses (Zwangs-)Geld, das unter dem staatlichen Geldangebotsmonopol von Zentralbanken produziert wird – in Form von beliebig vermehrbarem Papier, vor allem aber in Form von Einträgen auf Computerfestplatten („Bits and Bytes“). Zweitens: Fiat-Geld entsteht durch „Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts“: Vergibt eine Bank einen Kredit, wird nicht etwa vorhandenes Geld vom Sparer zum Investor transferiert, sondern vielmehr wird die Geldmenge dadurch um ein Vielfaches der Ersparnis ausgeweitet. Und drittens: Das Fiat-Geldsystem sorgt für sogenannte „Boom-und-Bust“-Zyklen und führt die Volkswirtschaften in die Überschuldung. Bevor diese dritte Eigenschaft des Fiat-Geldsystems näher erläutert wird, soll ein kurzer Blick auf Entstehung und Verbreitung des Fiat-Geldes geworfen werden.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs sollte das System von Bretton Woods (benannt nach dem Ort im US-amerikanischen New England, an dem die internationale Währungskonferenz im Jahr 1944 stattfand) das internationale Geldsystem auf eine solide Grundlage zurückführen, um die internationale Arbeitsteilung, Handel und Wohlstand zu fördern. Kernelement des Systems von Bretton Woods war die Konvertibilität des US-Dollar in Gold, und zwar entsprachen 35 US-Dollar einer Feinunze Gold (also etwa 31,1035 Gramm). Die übrigen Währungen (wie etwa der französische Franc, das Britische Pfund oder die D-Mark) waren mit einem festen (wenn auch veränderbaren) Wechselkurs an den US-Dollar gebunden und waren dadurch – indirekt – auch in Gold eintauschbar.

Die dominante Rolle des US-Dollar im System von Bretton Woods erklärte sich aufgrund der wirtschaftlichen Stärke der Vereinigten Staaten von Amerika am Ende des Zweiten Weltkrieges. Die amerikanischen Goldreserven beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf etwa 17848 Tonnen und damit auf 63% Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Doch die inflationäre Kredit- und Geldvermehrung in den Vereinigten Staaten von Amerika im Zuge des Korea- und Vietnamkriegs in den 50er und 60er Jahren veranlasste dann eine Reihe von Dollar-Besitzer, ihre Greenbacks in Gold umzutauschen. Sie erkannten nämlich, dass die Amerikaner mehr Dollar ausgaben, als Gold zur Deckung vorhanden war. Um den Goldabfluss aus den Vereinigten Staaten zu stoppen – bis 1971 waren die amerikanischen Goldbestände bereits auf 9070 Tonnen oder knapp 25% aller offiziellen Goldreserven abgeschmolzen –, beendete der amerikanische Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 endgültig die (bis dahin schon stark begrenzte) Goldeinlösepflicht des US-Dollar.

(Aller)Spätestens mit dieser Entscheidung der amerikanischen Administration wurden alle wichtigen Währungen – gewissermaßen mit einem Schlag durch den unilateralen Beschluss der Amerikaner – zu nicht einlösbarem Papiergeld, zu Fiat-Geld.

III.

Wohl kein anderer Zweig der Volkswirtschaftslehre hat sich so intensiv mit dem Fiat-Geldsystem, seiner Rolle für den Konjunkturzyklus, Inflation und politische Entwicklungen befasst, wie die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Sie ist mit Namen verbunden wie insbesondere Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek (der für seine Arbeiten insbesondere zur monetären Konjunkturtheorie den Wirtschaftsnobelpreis im Jahre 1974 erhielt).

Aus den umfangreichen Arbeiten der Österreicher zum Fiat-Geld sollen an dieser Stelle drei nur Erkenntnisse herausgestellt werden, und zwar: (1) das Fiat-Geld sorgt für Boom-und-Bust-Zyklen; (2) das Fiat-Geldsystem führt in eine Verschuldungs- bzw. Überschuldungskrise, und (3) das Fiat-Geldsystem zerstört die freie Gesellschaftsordnung.

Ad (1): FIAT-GELD FÜHRT ZU BOOM-AND-BUST-ZYKLEN. Das Ausweiten der Fiat-Geldmenge erfolgt – wie bereits angedeutet – durch Bankkreditgewährung. Die Ausweitung des Kreditangebots senkt den Marktzins unter das Zinsniveau, das bestehen würde, wären die Kredit- und Geldmengen nicht künstlich ausgeweitet worden.

Der künstlich gesenkte Zins regt nun Investitionen an, die ohne das Absenken des Zinses nicht angegangen worden wären, und deren wirtschaftlicher Erfolg davon abhängt, dass die Zinsen künstlich tief gehalten werden.

Das Absenken des Zinses führt gesamtwirtschaftlich dazu, dass die Ersparnis sinkt, der Konsum steigt, und zusätzlich die Investitionsnachfrage steigt. Die Geldausweitung überdehnt die monetäre Nachfrage relativ zum Güterangebot, weil die mit Kredit geschaffene Fiat-Geldmenge die verfügbare Ersparnis übersteigt.

Der gesunkene Zins veranlasst die Unternehmen, die – wie Eugen von Böhm-Bawerk (1851 – 1914) es nannte – Umwegsproduktion auszuweiten. Mit anderen Worten: Im Zuge der Fiat-Geldmengensweitung per Kredit wird die Kapitalgüterproduktion ausgeweitet zu Lasten der Konsumgüterproduktion.

Die gesamtwirtschaftliche Produktionsstruktur entspricht nun nicht mehr der eigentlichen Nachfrage; und früher oder später zeigt sich, dass sich die Produktionsleistung bei gegebenen Preisen nicht absetzen lässt. Unternehmen machen Verluste, und sie kürzen Produktion und Beschäftigung.

Beginnen sich die Konjunkturen abzuschwächen – droht also der mit Fiat-Geld angestoßene Boom in einen Bust umzuschlagen –, werden in der Öffentlichkeit Rufe laut, die Zentralbank solle die drohende Rezession (die eigentlich eine Bereinigung ist) mit noch tieferen Zinsen „bekämpfen“. Unter dem öffentlichen Meinungs- und Politikdruck senkt die Zentralbank die Zinsen, und das Kredit- und Geldangebot steigt noch weiter an, und um das ein oder andere Mal mag es so durchaus gelingen, einen Abschwung in einen neuen Aufschwung umzumünzen.

Doch genau wie der Aufschwung zuvor muss auch der neue Scheinaufschwung früher oder später in sich zusammenfallen. Eine Geldpolitik, die mit noch mehr Fiat-Geldausweitung die Krise zu bekämpfen trachtet, die sie durch ein Ausweiten der Fiat-Geldmenge verursacht hat, lässt die Volkswirtschaften von Konjunkturhoch zu Konjunkturtief taumeln, von Krise zu Krise, von Boom zu Bust.

Ad (2): DAS FIAT-GELDSYSTEM FÜHRT IN EINE VERSCHULDUNGS- BZW. ÜBERSCHULDUNGSKRISE. Die Boom-und-Bust-Zyklen, für die das Fiat-Geldregime sorgt, lassen die Verschuldung der Kreditnehmer stärker steigen, als ihre Einkommen zunehmen. Dies ist deshalb so, weil nicht alle der mit Fiat-Geld finanzierten Investitionsobjekte ihre erwartete Rendite erwirtschaften können – weil sie ja aufgrund eines fehlerhaften Kalküls – und zwar in Form eines künstlich abgesenkten Marktzinses – angeregt wurden.

Wenn sich herausstellt, dass sich die Investitionen nicht rechnen – also die erwarteten Gewinne der Unternehmer sich nicht einstellen –, werden die eigentlich unprofitablen Investitionen nicht liquidiert, sondern die Zinssenkungen der Zentralbanken sorgen dafür, dass die fälligen Kredite, mit denen sie finanziert wurden, mit noch tieferen Zinsen refinanziert werden.

Zusätzlich dazu werden weitere Investitionen aufgrund des gesenkten Zinses angelockt, die wiederum nicht die an sie gestellten Gewinnerwartungen erfüllen werden. In der Konsequenz wächst die Schuldenlast relativ zum Einkommen immer weiter an; es ist der Weg in die Überschuldung. Vor allem aber sorgt das Fiat-Geldsystem für ein besonders starkes Ausweiten der Staatsschulden. In einem Fiat-Geldsystem wird die steigende Kreditnachfrage der öffentlichen Hand mit einer Ausweitung der Geldmenge finanziert. Der Refinanzierungszins kann gemäß politischem Kalkül tief gehalten werden. Der Anreiz zur Verschuldung nimmt zu.

Ad (3): DAS FIAT-GELDSYSTEM ZERSTÖRT DIE FREIE GESELLSCHAFTSORDNUNG. – Die Boom-and-Bust-Zyklen untergraben das Vertrauen der Öffentlichkeit in ein freiheitliches Wirtschaftssystem. Die Schwingungen der Konjunktur verschärfen die empfundene Arbeits- und Einkommensunsicherheit für weite Teile der Bevölkerung. Ludwig von Mises schrieb im Jahr 1940: „Nichts hat die liberalen Wirtschaftsideen und das kapitalistische Wirtschaftssystem ärger kompromittiert als der wiederkehrende Wechsel von fieberhafter Haussespekulation, dramatischem Zusammenbruch der Konjunktur und langanhaltender Depression.“

In der Öffentlichkeit werden die Missstände von Boom-und-Bust – wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und steigenden Schuldenlasten –dem freien Marktsystem angelastet, nicht aber dem staatlich geführten Kredit- und Geldsystems. Marktversagen, nicht Staatsversagen wird als Krisenursache diagnostiziert. Die Folge dieser Fehldeutung ist, dass der Ausweg aus der Krise in noch mehr staatlicher Intervention erblickt wird – zu Lasten der verbliebenen Marktkräfte.

Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek erkannten die Gefahr für die gesellschaftliche Freiheit, die aus den Schäden rührt, für die das Fiat-Geldsystem sorgt. So schrieb zum Beispiel Hayek, im Bestreben, die Wurzel der Finanz- und Wirtschaftskrisen klar zu benennen: “The past instability of the market economy is the consequence of the exclusion of the most important regulator of the market mechanism, money, from itself being regulated by the market process.“

IV.

Hayeks Worte leiten zurück zur Diskussion über mögliche Reformansätze der internationalen Geldordnung. Auf der einen Seite sind die Reformvorschläge zu finden, die den Einfluss des Staates im Kredit-, Geld und Finanzsystem ausweiten wollen. Auf der anderen Seite finden sich Vorschläge, die auf eine Marktlösung abzielen.

Stellvertretend für eine „Fiat-Geldreform“ sei auf den Vorschlag der G-20 verwiesen (die 2011 unter dem französischen Vorsitz steht). Gefordert wird, das internationale Währungssystem solle nicht mehr nur auf dem US-Dollar fußen, sondern der „Reservestatus“ sollte von mehren Währungen wahrgenommen werden. Sonderziehungsrechte (SZR), so die Überlegung, könnten die Rolle einer internationalen Reservewährung übernehmen. SZR wurden im Jahr 1969 vom IWF geschaffen, und sie wurden den IWF-Mitgliedsländern zugeteilt in 1970-72, 1979-81 und 2009. SZR geben den Regierungen einen Anspruch auf Fremdwährungsguthaben. „Zieht“ ein Land seine SZR, so muss die nachgefragte Währung von den IWF-Mitgliedsländern bereitgestellt werden – und zwar durch die jeweilige nationale Zentralbank. SZR wurden daher auch als „Helikoptergeld für den Globus“ bezeichnet.

Ursprünglich war ein SZR definiert als 0,888671 Gramm Feingold – und entsprach damals einem US-Dollar. Nach dem Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods wurden SZR im Jahr 1973 „umdefiniert“. Seither repräsentierten sie nicht mehr Gold, sondern einen Korb von Währungen, der sich derzeit zusammensetzt aus US-Dollar, Japanischem Yen, Euro und dem Britischen Pfund. Doch sind SZR das „bessere Geld“? Diese Schlussfolgerung drängt sich nicht auf, denn SZR sind de facto Fiat-Geld. Die im Korb enthaltenen Währungen werden alle durch Kreditvergabe „aus dem Nichts“ geschaffen, und dies lässt sich ja – aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – als Kernursache für die immer schwerer werdenden Finanz- und Wirtschaftskrise identifizieren. Der Vorschlag, SZR als Reservewährung etablieren zu wollen, würde daher die Probleme, die das staatliche Fiat-Geld verursacht hat, nicht lösen, sondern lediglich auf eine „höhere Ebene“ verlagern.

Die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie haben eine Reihe von marktorientierten Reformvorschlägen vorgebracht. Diese Vorschläge zielen darauf ab, das Geldsystem – und dabei insbesondere die Geldproduktion – so zu organisieren, dass es den ökonomischen und ethischen Ansprüchen einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung genügt. In den frühen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erarbeitete Ludwig von Mises (1881 – 1973) einen Mehr-Stufen-Vorschlag, um den US-Dollar (stellvertretend für das Fiat-Geld) wieder im Gold zu verankern. Sein Schüler Murray N. Rothbard (1926 – 1995) stellte nachfolgend eine ganz ähnliche Strategie vor.

In einem ersten Schritt werden, so Mises und Rothbard, die Fiat-Geldmengen in einem festen Umtauschverhältnis an die Goldbestände angebunden, die noch in den Kellern der Zentralbanken lagern. Das Fiat-Geld erhält so einen Anker, der einer beliebigen, nicht marktkonformen Vermehrung (durch Kreditvergabe) entgegensteht. In einem zweiten Schritt wird das Bankensystem in ein „Free Banking“ überführt. Das Bankgeschäft erfordert dann – aufgrund eigentumsrechtlicher Anforderungen – eine 100% Reservedeckung sowie eine rechtliche Trennung zwischen dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft. Die Zentralbanken werden abgeschafft.

Friedrich August von Hayek, in seinem Buch Denationalisation of Money aus dem Jahr 1976, sprach sich für einen Währungswettbewerb aus. Er forderte, die Privilegien für das Staatsgeld abzuschaffen und ein gänzlich freies Angebot von und eine freie Nachfrage nach Geld zuzulassen. Das beste Geld, so Hayek, wird obsiegen. Hayeks Vorschlag hat wichtige Berührungspunkte zu den Vorschlägen, die Mises und Rothbard machten. Zum einen kann Hayeks Währungswettbewerb in Edelmetallgeld (also Gold- und/oder Silbergeld) münden – was dann der Fall ist, wenn die Marktakteure Edelmetalle als Geld wählen sollten.

Zum anderen besteht die Gefahr, und darauf wies Hayek hin, dass in einem Währungswettbewerb das ungedeckte Fiat-Geld, wenn es mit z. B. freigewähltem Goldgeld konkurriert, einen Totalverlust erleiden könnte. So gesehen ist der Goldanbindungs-Vorschlag von Mises und Rothbard gewissermaßen als Versicherungs-Maßnahme zu verstehen, der vor einer möglichen völligen Entwertung des Fiat-Geldes im Währungswettbewerb bewahren soll. Bei einer Anbindung des Geldes an das Gold ist nicht von der Hand zu weisen, dass es zu einem (ganz erheblichen) Verlust der Kaufkraft des Geldes kommen könnte. Denn gerade bei stark verschuldeten Volkswirtschaften mag der politische Anreiz groß sein, einen hohen Umtauschkurs von Gold zu Fiat-Geld zu wählen, durch den die gesamte Geldmenge einmalig ansteigt und das Geld abgewertet wird, so dass Schuldner auf Kosten der Gläubiger besser gestellt werden – darauf weist etwa der amerikanische Ökonom George Reisman hin.

Die Vorschläge, die Mises, Rothbard und Hayek erarbeitet haben, um den Weg zurück zu gutem Geld finden, sind politische Handlungsoptionen. Es ist aber auch denkbar, dass ein Marktreformprozess einsetzen könnte, der sich einer politischen Gestaltung entzieht: Wenn nämlich die Marktakteure zusehends dazu übergehen, ihr Fiat-Geld in Sachgeld (wie zum Beispiel Gold und Silber) zu tauschen – weil sie wachsende Sorge vor dem Wertverfall des Fiat-Geldes haben. Auf diesem Wege könnte dann die Kaufkraft des Fiat-Geldes im Extremfall gänzlich verfallen, wenn eben ein Unterlegen des Fiat-Geldes mit zum Beispiel Gold (wie es Mises und Rothbard empfohlen haben) ausbleibt.

V.

Die Diskussion zur Reform des internationalen Geldsystems, die nunmehr in Gang gekommen zu sein scheint, erfordert natürlich einen breiteren Raum, als sie im Rahmen eines kurzen Artikels einnehmen kann.

Dennoch mag es hilfreich sein, einen ersten Überblick über zumindest einige wichtige Lösungsvorschläge zu gewinnen, um dadurch auch die Diskussion über die Handhabung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zu bereichern. Denn diese „Krise“ kann nicht unabhängig von dem herrschenden Geldsystem verstanden und entschärft werden. Politik-ökonomisch mag man Verständnis aufbringen für die Bekämpfung der Krisensymptome, doch die Gesetze der Ökonomie werden es den Gesellschaften wohl letztlich nicht ersparen, die eigentliche Krisenursache zu beseitigen: das Fiat-Geld.

Hinweis: Der Beitrag basiert auf einem Vortrag anlässlich der WELT-Währungskonferenz am 27. Juni 2011 in Berlin

 

Thorsten Polleit

Thorsten Polleit

Universität Bayreuth
Thorsten Polleit

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4 Antworten auf „Das Weltfinanzsystem im Umbruch“

  1. “Das Aufgeben von Gold als Geld, von der Disziplin des Goldes, ist der wichtigste Grund, wenn nicht sogar die einzige Begründung dafür, warum unsere Welt ein sehr gefährlicher Ort geworden ist. Meiner Meinung nach ist es die größte Tragödie in der Geschichte der Welt… Aus der Geschichte wissen wir, wie Papiergeld endet. Zum ersten Mal in der Geschichte ist alles Geld der Welt von nichts mehr gedeckt. Das übelste System, das je vom Menschen erfunden wurde.”

    — Ferdinand Lips in einer Rede
    vom August 2005 in Dawson City, Kanada

    Siehe auch: http://www.lips-institute.ch

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