Vor 40 Jahren schloss Amerika das „Goldfenster“

Alan Greenspan, Chairman der amerikanischen Federal Reserve von 1988 – 2006, schrieb in seinem Aufsatz “Gold and Economic Freedom“ in 1966:

„In the absence of the gold standard, there is no way to protect savings from confiscation through inflation. There is no safe store of value. (…) The financial policy of the welfare state requires that there be no way for the owners of wealth to protect themselves.

This is the shabby secret of the welfare statists’ tirades against gold. Deficit spending is simply a scheme for the confiscation of wealth. Gold stands in the way of this insidious process. It stands as a protector of property rights. If one grasps this, one has no difficulty in understanding the statists’ antagonism toward the gold standard.“

Der 15. August 2011 markierte die 40. Wiederkehr des Tages, an dem die Vereinigten Staaten von Amerika die letzten Überbleibsel des (Dollar-)Goldstandards beendeten: Vor vier Dekaden verkündete der amerikanische Präsident Richard Nixon in einer Fernsehansprache das Schließen des „Goldfensters“. Damit wurde nicht nur weltweit ein wahrungsgeschichtlich einzigartiges Geldregime etabliert, wie Milton Friedman (1912-2006) anmerkte: alle wichtigen Wahrungen wurden zu nicht einlösbarem Papier- oder Fiat-Geld. Es war vor allem auch eine bedeutende Zäsur in der amerikanischen Wahrungshistorie.

Ein Ruckblick: Durch das Münzgesetz vom 2. April 1792 (,,Coinage Act“˜“˜) wurde der Dollar zur amerikanischen Währungseinheit. Fortan entsprach der Dollar 371,25 Gran Feinsilber (480 Gran = 1 Feinunze = 31,1034 Gramm) oder 24,75 Gran Feingold. Das Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold entsprach folglich 15 : 1. Das Münzgesetz gab den Vereinigten Staaten damit einen ,,Bimetallismus“˜“˜: Silber und Gold waren das gesetzliche Zahlungsmittel. Weil aber der Marktpreis des Silbers im Vergleich zum Gold schon bald über 15 : 1 stieg, stellte sich eine Überbewertung von Silber gegenuber Gold ein. Das Grasham’sche Gesetz zeigte Wirkung. Das schlechte (überbewertete) Geld verdrängte das gute (unterbewertete) Geld: Silbermünzen liefen um, nicht aber Goldmünzen. Die Änderung des Münzgesetzes im Jahr 1834 hob dann das Austauschverhältnis auf 16 : 1. Fortan entsprach eine Feinunze Gold 20,6718 Dollar. Das jedoch führte nun aber zu einer Überbewertung von Gold gegenuber Silber. Das relativ billige Gold verdrängte das teure Silber als Geld, und Amerika war de facto auf einem Goldstandard. Während des Bürgerkrieges (1861-1865) wurden dann jedoch ,,Greenbacks“ ausgegeben, Dollar, die keine Silber- oder Golddeckung hatten, und es kam zu hoher Inflation.

Eine politische Bewegung, das Geldwesen neu zu ordnen, führte zum Münzgesetz von 1873. Hierin wurde Silber als Geld demonetisiert: Fortan galt nur noch Gold als Geld, weshalb die Silberanhänger vom „Verbrechen von 1873“ sprachen. Als die generelle Goldeinlosepflicht für den Dollar am 1. Januar 1879 wieder eingeführt wurde, hatte Amerika endgültig den Goldstandard offiziell eingeführt. Anders als viele andere Länder hielt das Land auch wahrend des ersten Weltkriegs (1914-1918) daran fest; lediglich von 1917 bis 1918 gab es ein Goldexportverbot. Ab dem Jahr 1933 wertete dann aber Präsident Franklin D. Roosevelt (1882-1945) den Dollar schrittweise gegenuber dem Gold ab und setzte ihn Anfang 1934 auf 35 Dollar pro Feinunze. Gleichzeitig hatte die US-Zentralbank Federal Reserve ihre Goldeinlagen an das Schatzamt zu übergeben. Gold zirkulierte da schon nicht mehr, weil Roosevelt bereits am 5. April 1933 den privaten Goldbesitz unter Strafe verboten hatte (der Goldbesitz für Amerikaner wurde erst 1974 wieder erlaubt).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der US-Dollar im System von Bretton Woods, welches das internationale Finanzsystem ordnen sollte, zur Weltankerwahrung. Der Dollar war an das Gold gebunden. 35 Dollar entsprachen weiterhin einer Feinunze, und alle übrigen Wahrungen waren mit einem festen Wechselkurs an den Dollar gebunden, und so hingen auch sie (indirekt) am Gold. Doch nachdem die Vereinigten Staaten Ende der 50er Jahre begannen, eine inflationäre Geldpolitik zu betrieben, sie vermehrten die Dollargeldmenge über ihre Goldbestande hinaus, begann sich der Marktpreis zusehends vom offiziellen Preis in Hohe von 35 Dollar pro Feinunze abzulösen, weil eine Abwertung des Dollar gegenuber dem Gold erwartet wurde.

Bereits 1961 hatten daher Amerika und sieben europäische Staaten vereinbart, den offiziellen Goldpreis zu verteidigen (,,London Gold Pool“˜“˜). Sie wickelten weiterhin untereinander Goldtransaktionen zum offiziellen Kurs ab. Doch die Spannungen wurden so groß, dass die Vereinbarung im Marz 1968 zusammenbrach. Ausländische Regierungen, die Dollar hielten, verlangten zusehends die Einlösung ihrer Dollarguthaben in Gold. Um den Goldabfluss zu beenden, verkündete Präsident Nixon am 15. August 1971, dass der Dollar fortan nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Mit diesem unilateralen Beschluss Amerikas gingen alle wichtigen Wahrungen der Welt auf einen nicht einlösbaren Fiat-Geldstandard über. Es folgte Inflation, Ausweiten des Staates zu Lasten der individuellen Freiheit, Kriege.

Die jüngste internationale Kreditmarktkrise ist eine Krise des Fiat-Geldsystems. Das Jahrzehnte währende Ausweiten der Kredit- und Geldmengen hat nicht nur in eine Überschuldung geführt, es hat auch die volkswirtschaftliche Produktionsstruktur deformiert: Es hat Unternehmensmodelle und Arbeitsplätze geschaffen, deren wirtschaftlicher Fortbestand von einer immer weiter steigenden Kredit- und Fiatgeldmenge abhängt, bereitgestellt zu immer tieferen Zinsen.

Thomas Paine (1737 – 1809) schrieb in “Dissertations on Government“ (1795): “Paper money is like dram-drinking, it relieves for a moment by deceitful sensation, but gradually diminishes the natural heat, and leaves the body worse than it found it. Were not this the case, and could money be made of paper at pleasure, every sovereign in Europe would be as rich as he pleased. But the truth is, that it is a bubble and the attempt vanity. Nature has provided the proper materials for money, gold and silver, and any attempt of ours to rival her is ridiculous.“ Greenspans und Paines Einsichten verschaffen sich in der Kreditmarktkrise, 40. Jahre nach dem Schließen des “Goldfensters“, Geltung.

Ein ähnlicher Beitrag wurde am 16. August 2011 in der Börsen-Zeitung veröffentlicht.

Thorsten Polleit

Thorsten Polleit

Universität Bayreuth
Thorsten Polleit

Letzte Artikel von Thorsten Polleit

(Alle anzeigen)

2 Antworten auf „Vor 40 Jahren schloss Amerika das „Goldfenster““

  1. Sagen wir mal so; ich sehe das Problem ja ebenso, aber man muss es auch wie folgt verstehen: durch dieses “System” ist es natürlich relativ einfach Transaktionen und Menschen zu lenken – das ist das perverse daran. Prinzipiell ist es natürlich so, dass niemand dazu gezwungen wird einen Kreditvertrag einzugehen. Jedoch hat das Individuum leider durch eben dieses Regierungsgeldsystem überhaupt keine andere Wahl, denn dieses Geld ist ja schon eine Schuld an sich ( bilanztechnisch ). Durch die Staatsverschuldung und Konglomeratsbildung in der Wirtschaft und ihren Anleihemärkten wird dies dann natürlich noch verstärkt, sodass jede Steuer eine Art Zwangskredit darstellt und unweigerlich in ein Abhängigkeitsverhältnis führt. Regierungen wissen dies natürlich nach ihrem Streben nach absoluter Macht – egal von welcher politischer Richtung.

    Wenn der freihe Geist des Denkens und Handelns in der Welt wieder Fuss fassen will muss dem ein Ende gesetzt werden. Zu einer friedlichen Zusammenkunft aller gehört die absolute, freie Meinungsäusserung in einem immer währenden Prozesses des Strebens und Vergebens. Dieser ist zur Zeit ( und schon lange ) gestört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.