Liberale oder autoritäre Marktwirtschaft: Hat das westliche Freiheitsverständnis ausgedient?

In China entwickelt sich derzeit ein marktwirtschaftliches Gesellschaftsmodell ganz eigenen Typs. Die chinesische Regierung spricht davon, dass sie die Mechanismen des Kapitalismus zum Aufbau des Sozialismus einsetzen will. Der wirtschaftlichen Freiheit wird demnach kein Selbstzweck beigemessen, sondern sie wird lediglich als Instrument zur Verwirklichung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ziele eingesetzt, nachdem alle anderen Instrumente bis zum Ende der 1970er Jahre versagt hatten.

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Gastbeitrag:
Rationalität auf dem Markt, Irrationalität in der Politik ?

Wenn man von den durchaus vorhandenen fachinternen Unterschieden mal absieht, dann gehen die meisten Wirtschaftswissenschaftler von der Rationalitätsprämisse aus, wonach Menschen versuchen, die Handlungsfolgen abzuschätzen und sich zumindest um Nutzenmaximierung bemühen. Ob sich die verhaltenstheoretische Psychologie mehr im Jargon oder auch in der Substanz von diesem Menschenbild unterscheidet, darüber kann man streiten. Klinische oder Tiefenpsychologen begegnen diesem Menschenbild mit einer Mischung aus Skepsis und Entsetzen über die Realitätsferne der Prämisse. Soziologen neigen dazu, die Einflüsse von sozialen Normen und Mitmenschen auf Handlungen hervorzuheben. Seit den späten 1950er Jahren kann man beobachten, dass das ökonomische Menschenbild vor allem in Amerika auf die benachbarten Sozialwissenschaften übergreift, zunächst mit der ökonomischen Demokratietheorie auf die Politikwissenschaft, später auch auf die Soziologie. Der immer noch anhaltende Siegeszug des ökonomischen Menschenbildes wird von der Merkwürdigkeit begleitet, dass experimentelle Studien Evidenz dafür geliefert haben, dass dieses Menschenbild nicht ganz stimmt und der Modifikation bedarf. Bisher sieht es allerdings so aus, als ob man einigermaßen unfassende sozialwissenschaftliche Theorien nur auf einem stark vereinfachten Menschenbild aufbauen kann. Der ,homo oeconomicus’ besticht durch die Einfachheit des Menschenbildes, das auf  Eigennutz und Maximierungsversuch aufbaut.

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Rationalität auf dem Markt, Irrationalität in der Politik ?“
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Entmachtet die Privilegierten!
Warum Liberale gute Linke sind

Liberale – vor allem, wenn sie „Wirtschaftsliberale“ sind – gelten hierzulande (und andernorts) als kalt, materialistisch und unsozial: Effizienz geht ihnen vor Gleichheit und Wachstum vor Gerechtigkeit. Lieber prassen sie mit den Reichen als dass sie Mitleid hätten mit den Armen. Sie sind „Pro Business“ und „Gegen Gewerkschaften“; sie wählen lieber CDU als SPD. Sie singen das Lied der Globalisierungsgewinner und ignorieren den Schmerz der Globalisierungsverlierer. Liberale, in der öffentlichen Wahrnehmung, sind im Zweifel „rechts“. Das macht sie für bestimmte gesellschaftliche Milieus – insbesondere für die Zirkel der Intellektuellen – nur schwer tolerierbar.

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Die Wahlperiode verlängern?!

Die Politische Klasse in Deutschland diskutiert schon seit Jahren die Frage, ob die Wahlperiode des Bundestages verlängert werden soll: von vier auf zum Beispiel fünf Jahre. Zugleich wird mancherorts argumentiert, die Zustimmung zu einer solchen Verlängerung müsse geknüpft werden an die Einführung zusätzlicher plebiszitärer Elemente in das Grundgesetz. Was ist davon zu halten? Erkenntnisse aus der Verfassungsökonomie – also dem Spektrum der ökonomischen Wissenschaft, das sich mit den wirtschaftlichen Anreizen und Folgen institutioneller Arrangements beschäftigt – zeigen, daß hier prinzipiell in die richtige Richtung gedacht wird.

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Politik(er)beratung (1)
Realistische Politikberatung

Der Ökonom kann Politiker, Bürokraten oder die Bürger beraten. Versucht er Politiker zu beraten, so stösst er auf Informations- und Anreizprobleme. Der Politiker hat wenig Zeit und versteht viele der Argumente nicht. Zudem hat er zum Teil ganz andere Interessen als die Bürger. So geht es dem Politiker weniger darum, vom Wissenschafter zu lernen, als Autoritätsbeweise vorzeigen zu können. Der Wissenschafter ist für ihn ein Schmuckstück, eine Feder am Hut. Er dient ihm wie der Laternenpfahl dem Betrunkenen: nicht zur Erleuchtung, sondern als Stütze. Da der Politiker solche Schmuckstücke sammelt, sind seine Beratungsgremien für eine wirkungsvolle Arbeit meist viel zu gross und zu heterogen. Sie können sich deshalb nur auf Binsenweisheiten einigen. Den Politiker stört das wenig; denn Binsenweisheiten versteht er, und an Neuem ist er kaum interessiert. Politik(er)beratung (1)
Realistische Politikberatung“
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