Gastbeitrag
Bewertung der Wirtschaftspolitik durch Event Studies?

Immer öfter tauchen Studien auf, die wirtschaftspolitische Entscheidungen oder Programme anhand der Reaktion von Börsenkursen mit Hilfe sog. Event Studies bewerten wollen. So werden beispielsweise regionale Freihandelsabkommen (Moser & Rose: Hiring the Stock Market as an Advisor; deutsche Version), Fusionskontrollentscheidungen (bspw. Duso et al. 2011) oder Regulierungsregimes (Dnes et al. 1998) anhand der Börsenreaktion bewertet. Der vorliegende Beitrag mahnt allerdings zur Skepsis gegenüber Versuchen, die Qualität von Wirtschaftspolitik anhand von Börsenkursen zu messen.

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Der Primat der Politik und die Verschuldungskrise

Angesichts der politisch-ökonomischen Verwerfungen der Verschuldungskrise mehren sich in diesen Tagen besorgte Stimmen angesichts der vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahr, die Demokratie könne auf dem Altar „ökonomischer Sachzwangsideologie“ geopfert werden. Der Souverän über Haushaltsfragen muss, so stellt es beispielsweise Frank Schirrmacher in der FAZ fest, allein das Volk sein, entweder direkt oder vertreten durch das Parlament (Frank Schirrmacher, „Demokratie ist Ramsch“, FAZ, 1.11.2011). Während es darüber in der Tat heute wie morgen keinen Zweifel geben darf, so fangen die Missverständnisse gleich im nachfolgenden Gedanken an. Denn Schirrmacher hält es ebenso wie viele andere für undemokratisch, wenn die Haushaltsentscheidungen überschuldeter Länder von Gläubigern und EU-Institutionen nach Maßgabe finanzökonomischer Vernunft „diktiert werden“, statt allein dem souveränen Volkswillen Ausdruck zu verleihen. Das klingt zunächst einmal wie eine zwingende Folge der beim Volk zu verortenden Haushaltssouveränität, und so glaubte Schirrmacher damit auch der „finanzökonomischen Ideologie“ zugunsten des Primats des Politischen über das Ökonomische die Stirn geboten zu haben. Altmeister Jürgen Habermas sekundierte sogleich und führte die Gedanken in einem eigenen FAZ-Artikel weiter aus (Jürgen Habermas, „Rettet die Würde der Demokratie“, FAZ, 4.11.2011). Weitere mehr und manchmal weniger prominente Kämpfer wider die Diktatur der Ökonomie sind leicht zu finden.

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Wie sinnvoll ist der Ökonomie-Nobelpreis?

Wieder ist der „Nobelpreis“ für Wirtschaftswissenschaften verkündet worden, und wieder ist die Aufregung groß. Ausgezeichnet wurden ausgerechnet Vertreter einer Makroökonomie „rationaler Erwartungen“, die Paul Krugman (Preisträger 2008) als “spectacularly useless at best, and positively harmful at worst“ (http://www.economist.com/node/14030288) bezeichnet hat.

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Schreit sie nieder: Trier, Singer, Kevorkian!

Natürlich muss man davon ausgehen, dass Medien jede Chance ergreifen, Skandale zu erzeugen und auszunutzen, um Aufmerksamkeit für sich selbst zu erzeugen. Trotzdem überraschen im „Fall von Lars von Trier“ Art und Ausmaß, in dem auch von Seiten öffentlich geförderter Medien gefälscht wird. Der eigentliche Skandal liegt hier und nicht bei Trier. Als Herr von Trier Opfer einer massiven Verfälschung von Nachrichten durch Auslassung wurde, waren die öffentlichen Medien ebenso unzuverlässig wie die anderen. Wenn die Herde rennt, sollten aber die öffentlich besoldeten Redakteure nicht einfach mit laufen. Wir bezahlen sie dafür, auch abweichende Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Wir hoffen, dass sie aufgrund ihrer größeren finanziellen Unabhängigkeit plural und fundiert zu berichten vermögen. Wenn sie das nicht tun, verliert ihre Förderung ihre Berechtigung.

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Ist Gier schlecht?
Warum Egoismus nicht unser größtes Problem und homo oeconomicus immer noch quicklebendig ist

Homo oeconomicus in der Theorie

Seit zehn, fünfzehn Jahren hat homo oeconomicus es nicht mehr so leicht wie früher. Die Verhaltensökonomie fordert ihn immer wieder heraus. Sie zeigt, beispielsweise im Experiment, immer wieder daß Menschen sich gar nicht so verhalten wie sie es täten, wenn sie homines oeconomici wären.

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Die Verfassung der Freiheit und das Elend des ökonomischen Liberalismus

In Zeiten der Finanzmarktkrise hat der ökonomische Liberalismus einen schweren Stand. Und dies ist nicht ganz unverschuldet. Gleichzeitig hat der klassische Liberalismus einer ökonomisch gebildeten, aber weit ins Sozial- und Rechtsphilosophische ausgreifenden Art  wieder deutliche Aufmerksamkeit verdient. Hierfür stellvertretend steht die Haltung von Friedrich A. von Hayek, spätestens seit der vor genau 50 Jahren veröffentlichten „Verfassung der Freiheit“. Zumindest jenseits einer recht blamierten Schmalspurökonomik (meinen Eindrücken zufolge) hat diese Art von Liberalismus die ihm zukommende Aufmerksamkeit nun auch wieder erlangt. Außer Keynes sehe ich fast nur Hayek als einen Ökonomen, der nicht nur im 20. Jahrhundert, sondern wohl noch für viele Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Sozial- und Geisteswissenschaften auf sich ziehen dürfte. Für diese These kann ich hier nur vor allem Hayek und nur selektive Argumente kurz und hoffentlich provokant vorbringen.

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Finanz-Theorie-Herden?

Die gegenwärtige Finanzkrise, die hoffentlich ihren Höhepunkt überschritten hat, stellt der Theorie effizienter Märkte anscheinend ein schlechtes Zeugnis aus. Zumindest waren die Finanzmärkte nicht robust gegenüber Herdenverhalten. Irrationale Übertreibungen haben zunächst zu einer übertriebenen Sorglosigkeit und dann einer übertriebenen Scheu gegenüber Risiken beigetragen. Das scheint recht klar und wird allenthalben zum Besten gegeben. Weniger klar ist jedoch, ob wir uns in unserer theoretischen Verarbeitung des Geschehens nicht auch wie eine Art Herde verhalten. Doch sei es drum, hier ein paar weitere Bemerkungen zum Thema, das uns auch in 2010 begleiten wird.

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BücherMarkt:
Ökonomische Theorie als politische Ideologie?

Der Titel dieses Beitrages ist, allerdings ohne das Fragezeichen, zugleich der Titel eines Buches von Hans Albert. Die Erstausgabe, auf Hans Alberts Dissertation aufbauend, wurde bereits 1954 veröffentlicht, damals noch als Ökonomische Ideologie und Politische Theorie. Nun, 55 Jahre später, ist bei Mohr Siebeck die dritte Auflage erschienen. Dieser lange Zeitraum ist aus verschiedenen Gründen interessant. Einerseits, weil Hans Albert im Vorwort selbst darauf hinweist, daß er einige seiner früheren Positionen heute nicht mehr einnimmt. So stellt er klar, daß er damals (und dies betrifft nur den ersten Teil des vorliegenden Buches) von einem wissenschaftstheoretischen Standpunkt aus argumentierte, der mit dem kritischen Rationalismus, deren exponiertester Vertreter in Deutschland er später wurde, nichts zu tun hatte. Andererseits ist dieses Buch mit seiner langen Geschichte aber auch interessant, weil trotz allem einiges von seiner damaligen Kritik an der ökonomischen Theorie immer noch aktuell ist.

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Psychologische Fallstricke und Finanzkrisen

Rationale Finanzmärkte?

Wenn es nach Egon Sohmen (1930–1977) gegangen wäre, hätte es zu der aktuellen Finanzkrise gar nicht kommen können. Er war zutiefst überzeugt von der inhärenten Stabilität der Finanzmärkte und der grundsätzlich stabilisierenden Wirkung der Spekulation. Spekulative Blasen, wie wir sie in jüngster Zeit zunächst auf den Immobilienmärkten und anschließend auf den Aktien- und Rohstoffmärkten erlebt haben, wären in seinen Augen vorübergehende Störungen gewesen, die sich automatisch und geräuschlos zurückgebildet hätten.

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Wider die absolute Wahrheit
Das Konzept der Wirtschaftsstile

Wie kommt es, dass die einen überall nur Marktversagen wittern (vor allem vor und in der Krise) und andere ihre Aufmerksamkeit vor allem auf Staatsversagen (vor allem in und nach der Krise) richten? Warum fuhren viele Ökonomen vor noch nicht  allzu langer Zeit auf die Allwissenheit der Märkte („efficient market hypothesis“, EMH) ab, während andere offenbar ein anderes Menschenbild haben und die irrationalen Regungen („animal spirits“) der handelnden Akteure betonen? Warum galten Kartelle in Deutschland lange Zeit als Ausdruck erwünschter Kooperation zwischen Unternehmen, während Amerika darin eine Verschwörung auf den Rücken der Verbraucher erblickte?

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Das Konzept der Wirtschaftsstile
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