Monatsarchiv für April 2009

“Nicht der Doper ist pervers, sondern die Bedingungen, unter denen er lebt!”

Donnerstag, den 30. April 2009

1. Entschuldbares Doping

Nehmen Sie an, Sie wären einer der dominanten Fahrer im Feld der Tour de France. Bei einer der großen Bergetappen zieht ein Fahrer, den Sie sonst immer kontrollieren konnten, an Ihnen vorbei und realisiert eine an dem betreffenden Anstieg nie erreichte Traumzeit (z.B. Marco Pantani). Ähnliches, so wollen wir weiter annehmen, widerfahre Ihnen [...]

Keine Strukturpolitik – aber Politik für den Strukturwandel!

Montag, den 27. April 2009

Im Gefolge des wahrscheinlich stärksten Wirtschaftseinbruchs in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland werden mittlerweile Staatseingriffe exekutiert, die vor nicht allzu langer Zeit nicht diskutabel waren. Dazu gehören direkte staatliche Hilfen für in Not geratene Unternehmen. Mittlerweile gehen die Rettungsmaßnahmen über die notwendige Stabilisierung des Finanzsystems hinaus. Vor dem Eindruck, dass die Finanzmärkte versagt haben, wird [...]

Über Staatsgeld, Experten und Krisen

Donnerstag, den 23. April 2009

„Stets findet Überraschung statt, da wo man’s nicht erwartet hat“, so schrieb schon Wilhelm Busch (1832 – 1908). Damit hat er dem „Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenz“ – ein unverzichtbarer Begleiter der umsichtigen Ökonomik – gewissermaßen ein dichterisches Denkmal gesetzt. Schon Frédéric Bastiat (1801 – 1850) schrieb, dass ein schlechter Ökonom sich in seiner Analyse auf [...]

Wählerstimmenkauf ermöglichen

Montag, den 20. April 2009

Der politische Prozeß in Demokratien zeichnet sich dadurch aus, daß sich die Politiker als Anbieter um die Gunst der Wähler bemühen, der Sanktionsmechanismus der Wahl jedoch nur eingeschränkt wirkt. Diese verhaltene Wirkung des Sanktionsmechanismus Wahl resultiert zunächst aus institutionellen Besonderheiten Zum einen führt das Sanktionsinstrument Wahl insbesondere zu einer zeitlichen und funktionellen Undifferenziertheit, die sich [...]

Die politische Ökonomie des Ausnahmezustands

Donnerstag, den 16. April 2009

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“. Dies schrieb der ebenso berühmte wie berüchtigte Staatsrechtler Carl Schmitt in seiner „Politischen Theologie“ 1922. Heute herrschen, wieder einmal, Ausnahmezustände weltweit: auf den Weltfinanzmärkten, im Welthandel – und in der Wirtschaftspolitik. „Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, wobei der Ausnahmezustand seine eigenen Superlative zumindest rhetorisch schafft. So greift man [...]

Pest oder Cholera!
Die schwierige Notoperation des Finanzsektors

Montag, den 13. April 2009

“Die Lage war noch nie so ernst.” (Konrad Adenauer)

Die wirtschaftliche Lage spitzt sich bedrohlich zu. Weltweit gerät die reale Wirtschaft ins Trudeln. Das Gespenst der großen Depression geht um. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, das wirtschaftliche Wachstum fällt ins Bodenlose, die soziale Balance gerät ins Wanken. Was tut die Politik? Mit einer Orgie von Konjunkturprogrammen hält [...]

Abwrackprämien und kein Ende

Donnerstag, den 9. April 2009

Werfen Sie bloß nichts mehr weg. Vor wenigen Monaten riet ich meiner damals besten Freundin, sich von ihrem 25 Jahre alten Auto zu trennen und sich dafür einen schicken, schadstoffarmen und verbrauchsgünstigen Neuwagen zuzulegen. Sie hat mich jetzt auf 2600 Euro Schadensersatz verklagt – 2500 Euro für die entgangene Abwrackprämie und 100 Euro, die sie [...]

Ein regulierter Markt für Organe

Montag, den 6. April 2009

Tagtäglich sterben Menschen, weil keine Organe für sie vorhanden sind. So warteten beispielsweise 2006 etwa 8.500 Patienten auf eine neue Niere, während zur gleichen Zeit etwas 2.800 Nieren transplantiert wurden. Angesichts dieser Knappheit beschäftigt sich der Ökonom mit der Frage, wie dieser Organmangel behoben werden kann. Das Optimum wäre, wenn durch Spenden genügend Organe bereitgestellt [...]

Von Konkursen, Enteignungen und ordnungspolitischen Konstruktionsmängeln

Donnerstag, den 2. April 2009

Die Hypo Real Estate Bank (HRE) wäre längst pleite, wenn es mit rechten Dingen zuginge. Geht es aber nicht. So wurden ihre Aktien am 26. März 2009 zu einem Preis von immerhin 1,16 € an der Börse gehandelt. Bei gut 211 Mio. Aktien summiert sich das für die gesamte Bank auf immerhin 245 Mio. €. [...]