Ordnungsruf
Wettbewerb ist unfair
Warum müssen die Bayern immer gewinnen?

Von Rainer Hank am 27. Mai 2013
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Ich habe von Fußball keine Ahnung und jetzt habe ich auch noch ein Gerechtigkeitsproblem: Da sind die Bayern schon deutscher Meister. Und jetzt haben sie auch noch die Champions League gewonnen. Ist das nicht der beste Beweis dafür, dass der Wettbewerb ein unfaires Zuteilungsverfahren ist? Wäre es nicht fair, wenn jetzt einmal Dortmund zum Zug gekommen wäre? Das hätte jedenfalls mein Gefühl für Reziprozität, ausgleichende Gerechtigkeit, besser zufrieden gestellt (oder noch besser natürlich eine Mannschaft aus einem anderen Land). Wie gesagt, als Nichtfußballer, der Spiele immer nur guckt, wenn sie zu gesellschaftlichen Ereignissen werden, hatte ich für keine der beiden Mannschaften besondere Sympathien. Aber warum hat eigentlich niemand Mitleid mit den Dortmundern?

Wäre das Ganze nicht auf dem Feld des Sports, sondern irgendwo in der sozialen Welt passiert, hätten wir längst eine große Debatte. Ausgleichsszenarien wären ersonnen worden, wie man verhindert, dass ungerechterweise die Bayern immer gewinnen. Denkbar wären alle Formen von Quote, Handicap etc.: So könnte man sich vorstellen, dass die Bayern nur mit 9 Spielen hätten antreten dürfen, dass ihr Tor ein bisschen größer gebaut würde als das der Dortmunder oder – mein Favorit – dass bei ihnen immer nur jedes zweite Tor zählt. Dann wäre Robbens Schuss nicht gewertet worden und die Dortmunder hätten in der Nachspielzeit noch eine gute Chance bekommen. Die eklatante Gerechtigkeitslücke ergibt sich nicht zuletzt dadurch, dass die Bayern sich mit ihrem dicken Geldbeutel die besten Spieler einkaufen können und damit nur beweisen, dass das schnöde Geld Tore schießt: ein Circulus Vitiosus, der dazu führt, dass sie immer mehr Geld bekommen und noch mehr Starkicker von den Gegnern wegkaufen können, um sie zu schwächen. Zumindest diesen unfair erworbenen Wettbewerbsvorteil gälte es zu kompensieren. Sonst haben die anderen ja nie mehr eine Chance. Aus Gründen der Chancengleichheit hätte man also diese strukturelle Benachteiligung des BVB ausgleichen müssen. Dagegen scheint mir das Level Playing Field in Wembley von hartgesottenen Marktradikalen gebaut worden zu sein, die kalt und immun auf solche Fragen der (Un)gerechtigkeit reagieren. Und keiner stört sich daran. Noch nicht einmal die Dortmunder Fans haben sich beim Sportminister beschwert. Warum nur nehmen wir im Fußball Härten hin, die wir sonst nimmer bereit sind zu akzeptieren?

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4 Reaktionen zu “Ordnungsruf
Wettbewerb ist unfair
Warum müssen die Bayern immer gewinnen?

  1. 5 vor 10: China, Bernanke, Fußball, Papst, Krugman | INSM Blog

    […] Warum müssen die Bayern immer gewinnen? (wirtschaftlichefreiheit.de, Rainer Hank) Das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und […]

  2. Escartin

    Man merkt, dass Herr Hank dem Fußball nicht regelmäßig folgt. Sonst hätte er die große Debatte um „spanische“ oder sogar „schottische“ Verhältnisse im deutschen Fußball sicher mitbekommen. Ändern wird sich leider nichts. Aber in der Tat wäre die Transferpolitik des FCB ein dringender Fall für das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen.

  3. Falk

    Den Ausgleichmechanismus gibt es: Über die Fernsehgelder. Sie werden nach einem bestimmten Schlüssel verteilt, der dafür sorgt, dass auch die Letzplatzierten immer noch circa ein Drittel der Summe bekommen, die der Meister erhält. Das ist ausgeglichener als in England oder Spanien (Wo es diesen Mannschaftsfinanzausgleich nicht gibt, sondern jeder selbst kassiert, quasi neoliberal). Wir haben also durchaus eine soziale Fußballmarktwirtschaft. Und Championsleague: Die Dortmunder bekommen von der UEFA für die Niederlage 60 Mio, die Münchner nur 10 Mio mehr. Das geht doch noch. Und ist gerechter als etwa die Preisgelder im Tennis.

  4. Rayson

    Als Ergänzung zu den Vorkommentatoren: In den USA wird übrigens im Profi-Sport noch viel drastischer umverteilt, von Salary Caps bis zu Draft-Rechten. Denn dort hat man zu Recht erkannt, dass nicht immer dieselben gewinnen dürfen – weniger aus Gerechtigkeitserwägungen, sondern um Langeweile vorzubeugen. Die Analogie zum Wirtschaftsleben: Es dürfen nicht immer dieselben oben bleiben, sondern es muss Durchlässigkeit nach oben und nach unten geben.

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