Equal Pay Day und das Leid mit der Prozentrechnung

Auch in diesem Jahr wurde wieder der sogenannte Equal Pay Day mit vielen Veranstaltungen begangen. Er fiel dieses Mal auf den 21.März und fand ein großes mediales Echo. Über die Aussagekraft dieser Aktionen soll an dieser Stelle nicht näher diskutiert werden. Stattdessen möchten wir diskutieren, was der Equal Pay Day eigentlich ist und wie man zu dem Datum kommt; denn  darüber herrscht in den Medien einige Verwirrung vor. Laut Pressemitteilungen von BPW (Business and Professional Women) e.V. Germany vom 8. Mai 2013 bzw. noch einmal am 18. März 2014 aktualisiert heißt es:

Seit 2009 errechnet sich das Datum des Equal Pay Day symbolisch aus den jeweils aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Der Equal Pay Day ist demnach symbolisch der Tag, bis zu dem Frauen im Schnitt länger arbeiten müssen, um genauso viel Geld verdient zu haben wie Männer bereits am Ende des Vorjahres.

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied von aktuell 22 Prozent (Zahlen des Statistischen Bundesamts). Umgerechnet ergeben die 22 Prozent 80 Tage. Frauen arbeiten also 80 Tage umsonst.[1]

Diese Darstellung wurde in den meisten Medien so oder ähnlich übernommen.

Es lohnt jedoch, diese Aussagen ein wenig näher zu betrachten: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes beträgt der Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen momentan etwa 22 %; Frauen verdienten pro Stunde 15,56 €, Männer 19,84 €. Die Frage, wie viel länger Frauen also arbeiten müssen, um das gleiche Gehalt wie Männer zu kommen, ist jetzt einfache Prozentrechnung: Da Frauen 78% des männlichen Gehalts haben, müssen Sie für ein männliches Einkommen rechnerisch 1/0,78 = 128 % der Zeit arbeiten. Auf ein Jahr umgelegt sind das also etwa 1 Jahr und 102 Tage. Der Equal Pay Day müsste nach dieser Rechnung also eigentlich am 12. April liegen.

Wie kommt man dann aber auf den 21. März als Datum für den Equal Pay Day? Hier wurden einfach die 22 % Entgeltunterschied direkt auf das Jahr „umgelegt“. 22 % von 365 Tagen sind etwa 80 Tage, so dass man den 80. Tag des Jahres – den 22. März – als Datum für den Equal Pay Day angesetzt hat. Wie oben gesehen, passt das aber keineswegs zur Erklärung, was der Equal Pay Day ist: Da die Durchschnittsfrau ja auch im neuen Jahr noch weniger verdienen als ihr männliches Pendant, reicht es natürlich nicht „nur“ 22 % länger zu arbeiten.

Der hier gemachte Denkfehler ist ganz typisch, obwohl es sich um einfache Prozentrechnung handelt: Der Kern ist, dass Prozentzahlen immer relativ zu sehen sind. Wer an einem Tag 50 % an der Börse verliert und am nächsten Tag 50 % gewinnt, hat  eben nicht sein Ursprungskapital zurückgewonnen, sondern nur 50 % * 150 % = 75 %.



[1] http://www.equalpayday.de/fileadmin/epd/Dokumente/Presse/EPD_2014/130508-PM-TerminankuendigungEPD-final.pdf

http://www.equalpayday.de/fileadmin/epd/Dokumente/Presse/EPD_2014/20140318_PM__Aktion_Berlin.pdf

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Eine Antwort auf „Equal Pay Day und das Leid mit der Prozentrechnung“

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