Warum gibt es eigentlich keine Konkurrenzliga zur Fußball-Bundesliga?

In den amerikanischen Major Leagues gab es stets Phasen, in denen Konkurrenzligen auftraten (Daumann, 2019, S. 236 f.). So entstand beispielsweise der National League im Baseball 1882 Konkurrenz durch die American Association, die sich, nachdem 1891 vier ihrer Teams in die National League aufgenommen wurden, wieder auflöste. 1901 trat die American League mit 8 Teams als Konkurrent auf den Plan und fusionierte 1903 mit der National League zur Major League Baseball. Ähnlich verhielt es sich im Basketball: Im Zeitraum von 1967 bis 1976 existierte die American Basketball Association (ABA). Auch hier führte das Abwerben von vier Teams durch die NBA zur Auflösung der ABA. Die NFL erhielt 1974 bis 1975 durch die World Football League (WFL) und 1983 bis 1985 durch die United States Football League (USFL) Konkurrenz. Der NHL entstand zwischen 1972 und 1979 Konkurrenz durch die World Hockey Association. Im amerikanischen System gab es also mehrere Versuche, Konkurrenzligen zu etablieren, die unterschiedlich erfolgreich verliefen.

Warum gab es seit Bestehen der Fußball-Bundesliga keinen derartigen Versuch? Ist der Markt nicht bestreitbar?

Die Bundesliga ist eine offene Liga, in die ein Club durch sportlichen Erfolg aufsteigen und aus der ein Club bei mangelndem sportlichen Erfolg wieder absteigen kann. Für den Aufstieg muß sich zudem ein Aufstiegskandidat einem Lizenzierungsverfahren unterziehen, in dem seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit geprüft wird. Darüber hinaus können weitere Auflagen an den Ligeneintritt geknüpft werden wie etwa das Hinterlegen einer Kaution, die Unterhaltung von einer bestimmten Anzahl an Amateur- und Jugendmannschaften und das Vorhandensein eines Stadions mit einer festgelegten Mindestgröße. Die Fußball-Bundesliga ist demnach ein saisonal offenes Kartell, dem ein Club nur unter der Erfüllung erheblicher Anforderungen beitreten kann (Parlasca 1993, S. 94).

Im Fußball haben die nationalen (im Fall der Bundesliga der Deutsche Fußball Bund – DFB) und internationalen Verbände (die UEFA – Union des Associations Européennes de Football und die FIFA – Fédération Internationale de Football Association) eine erhebliche Marktmacht, da sie zum einen wichtige Ressourcen kontrollieren und da sie zum anderen die bedeutendsten internationalen Spiele und Wettkämpfe (z. B. die Fußball-Weltmeisterschaft und die Fußball-Europameisterschaft) organisieren.

Das bedeutet, daß der DFB den Clubs einer neu entstehenden Liga den Zutritt zu untergeordneten Ligen verweigern könnte. M.a.W., eine neue Liga könnte entweder nur als geschlossene Liga etabliert werden mit entsprechenden Folgen für die Nachfrage, da Auf- und Abstieg wegfiele, oder aber, die neue Liga müßte sich einen entsprechenden kostspieligen Unterbau selbst schaffen (Daumann, 2019, S. 206 ff.).

Weiterhin können der DFB und die UEFA den Clubs der neuen Liga den Zugang zu weiteren Wettbewerben versperren. So fiele insbesondere das Erlöspotential des DFB-Pokals sowie der Champions League weg.

Schließlich verfügen die Verbände über die Möglichkeiten, Spieler aus den Clubs der neuen Liga von ihren Veranstaltungen auszuschließen. Das hätte wiederum erhebliche Nachteile für die Clubs der neuen Liga, Spieler zu rekrutieren. Etwaige gute Spieler müßten also entsprechend finanziell kompensiert werden, was die Kosten der Clubs der neuen Liga erhöhen würde. Freilich wäre auch ein Verzicht auf eine derartige Kompensation möglich, was aber eine geringere spielerische Leistungsfähigkeit der Clubs nach sich ziehen und damit die Qualität der Unterhaltungsdienstleistung vermindern würde mit entsprechenden Folgen für die Einnahmen.

Neben diesen erheblichen Marktzutrittsschranken besteht zudem – anders als im amerikanischen Major League System – nur ein geringer Anreiz für potentielle Investoren, eine neue Liga aufzubauen. So können potentielle Investoren weitgehend problemlos bei vorhandenen Clubs investieren (siehe etwa TSG 1899 Hoffenheim, RB Leipzig) und diese dann bei sportlichem Erfolg in die höchste deutsche Fußballiga führen. Im amerikanischen System ist der Zutritt dagegen nur über den Erwerb einer Lizenz möglich, der freilich nicht nur kostspielig ist, sondern oftmals auch abgelehnt wird.

Besteht hier aus ordnungsökonomischer Sicht Handlungsbedarf?

Die Möglichkeiten der Verbände, Clubs und Spieler einer neuen Liga zu behindern, führen zu erheblichen Marktzutrittsschranken. Vor diesem Hintergrund wäre sicherlich über ein Gleichbehandlungsgebot für die Clubs und Spieler der neuen Liga nachzudenken, das den Verbänden aufzuerlegen wäre. So wäre es sinnvoll, daß Clubs der neuen Liga – sofern sie die sportlichen Voraussetzungen erfüllen – auch an den Wettbewerben der Verbände (z. B. DFB-Pokal, Champions League) teilnehmen können. Ebenso müßten Spieler aus den Clubs der neuen Liga genauso wie Spieler der etablierten Ligen behandelt werden, was beispielsweise die entsprechende Berücksichtigung in der Nationalmannschaft erfordern würde. Würden also derartige Marktzutrittsschranken zumindest teilweise abgebaut, so könnten sich durchaus Initiativen für die Gründung einer neuen professionellen Fußballiga ergeben. Ob diese auch erfolgreich wäre, hinge weitgehend vom Zuschauer ab, ließe aber diesem zumindest die Wahl.

Literatur

Daumann, F. (2019), Grundlagen der Sportökonomie, 3. Aufl., München.

Parlasca, S. (1993), Kartelle im Profisport, Ludwigsburg, Berlin.

Blog-Beiträge zum Thema:

Norbert Berthold: Super League in Europa? Das letzte Wort haben die Fans

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