“We can look forward … not precisely to a 1929-type depression, but to an inflationary depression of massive proportions.“ (Murray N. Rothbard (1926 – 1995))

Nach dem fulminanten Kursfeuerwerk, das es seit Anfang 2009 auf vielen Aktienmärkten gegeben hat, sind die Anleger vorsichtig(er) geworden. Verständlich. Denn die Bäume wachsen nun einmal nicht in den Himmel, und über der Weltkonjunktur zeigt sich mittlerweile doch die ein oder andere Wolke. Jüngst warnte Robert J. Shiller vor einem herannahenden Aktienmarkt-Crash.

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Shiller, der im Jahr 2013 zusammen mit Eugene F. Fama und Lars P. Hansen den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat, ist vor allem auch bekannt geworden durch seine treffsicheren Prognosen: Er sah frühzeitig in 2000, dass die Übertreibungen an den Aktienmärkten in einem Kurssturz enden werden. Und er sagte auch in 2005 voraus, dass der US-Immobilien-Boom in einem Debakel enden würde. Mit beiden Einschätzungen lag Shiller richtig.
Angesichts der aktuellen Bewertungen hält Shiller einen Kursrutsch beim Dow-Jones-Index von 33 bis 40 Prozent für möglich. Mit Blick auf das bisherige Auf und Ab des Indexes wäre das beträchtlich: Von Mai 2001 bis Oktober 2002 fiel der Index in der Spitze um etwa 36 Prozent, von Oktober 2007 bis März 2009 brach er um 53 Prozent ein.

Für langfristig orientierte Anleger ist jedoch nicht so sehr das mitunter heftige kurzfristige Auf und Ab bedeutsam, sondern die Frage: Wird sich der langfristige Aufwärtstrend in den Aktienkursen, der seit Jahrzehnten zu beobachten ist, fortsetzen? Für die Antwort spielt die Geldpolitik eine wichtige Rolle.

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Mit ihrem großangelegten „Bail-out“ des US-Finanzsystems ab Ende 2008 hat die US-Zentralbank (Fed) eine Richtungsentscheidung getroffen. Man kann jetzt davon ausgehen, dass sie alles daran setzt, den Kollaps der Finanzmärkte – ein Deflationieren der Finanzmarkt- beziehungsweise Vermögenspreise – zu verhindern. Denn käme es dazu, wäre das einer der größten anzunehmenden Unfälle für den Banken- und Finanzapparat – der auch die Ersparnisse der Bürger pulverisieren würde.

Das Politik-Motto der Fed, dem mittlerweile allen großen Zentralbanken der Welt folgen, lautet: Finanzmarkt-Crashs – was auch immer die Ursache ist – werden mit Zinssenkungen und dem Einschuss von neuem Geld „bekämpft“. Auf den Finanzmärkten ist die Botschaft längst angekommen. Dort geht man davon aus, dass es so etwas wie 2008/2009 – also ein drohender „Credit Event“ für das Weltfinanzsystem – nicht mehr geben wird.

Die Zentralbanken werden, wenn nötig, die elektronische Notenpresse anwerfen, um systemgefährdende Kreditausfälle zu verhindern. Als Monopolisten der Geldproduktion haben sie nicht nur die Macht, sondern auch den Willen. Aus diesem Grunde haben sich die Kreditausfallsorgen zerstreut – wie beispielsweise die gesunkenen Preise für Kreditausfallversicherungen (die sogenannten CDS Spreads) zeigen.

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Für das Fiat-Geldsystem spielt der Kredit eine ganz entscheidende Rolle, auch für den Aktienmarkt. In der kurzen Frist scheint der Verbund zwischen Kredit und Aktienkursen zwar recht „lose“ zu sein. In der langen Frist zeigt sich jedoch ein positiver Zusammenhang: Das Ausweiten der Kredit- und der dadurch geschaffenen Geldmenge geht mit steigenden Aktienkursen einher.

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Nicht, dass die Geldmengenvermehrung die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften erhöhen würde. Aber eine wachsende Geldmenge sorgt für Preissteigerungen: Die Preise fallen höher aus im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht erhöht wird. In den letzten Jahrzehnten hat sich die inflationäre Wirkung der Geldmengenausweitung in den Aktien- beziehungsweise Vermögensmärkten stärker gezeigt als beispielsweise in den Konsumgüterpreisen.

Solange die Zentralbanken dafür sorgen, dass das volkswirtschaftliche Kredit- und Geldangebot anschwillt, dürfte ein „Großer Crash“ à la 1929, der die Aktienkurse ins quasi Bodenlose fallen ließ und sie dort lange Zeit hielt, auf sich warten lassen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass in einem Fiat-Geldsystem die Zentralbanken ein fortgesetztes Schrumpfen der Kredit- und Geldmengen zulassen werden.

Aktienkursrückschläge wird es weiterhin – und künftig vermutlich in verstärkter Weise – geben. Aber unter den herrschenden Geldpolitiken dürften sie zeitlich begrenzt bleiben – wie in 2008/2009. Diese Einschätzung schmälert Shillers Crash-Warnung in keiner Weise. Sie ermutigt vielmehr, eine Börsenweisheit beherzt anzuwenden: „Be fearful when others are greedy, and be greedy when others are fearful.“

Thorsten Polleit
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5 Antworten auf „Crash-Sorgen“

  1. „Endspiele“ gibt es seit Jahrhunderten. Stützungen mögen im begrenzten Umfang hilfreich sein, doch irgendwann kippt das Vertrauen und dann Helfen noch so große Eingriffe nichts.
    Es hilft alles nicht, so lange die Ursachen außen vor bleiben.

  2. Heißt das denn jetzt, dass wir Gold kaufen sollten? Oder wird der Goldkurs auch von der Schuldgeldpolitik aufgeblasen? Seit 2011 ist ja schon ein bisschen Luft raus – entgegen so mancher Prognose. Aber wer weis, es könnte ja noch weiter gehen. Was rät da der kompetente Goldverkäufer?

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