Gastbeitrag
Alles Gute zum Geburtstag, USA!

Am 4. Juli feierten die USA ihren 250. Geburtstag. Wir gratulieren und nehmen das zum Anlass für einen Überblick über die langfristig sehr erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung dieser Nation.

Supermacht wegen des kräftigen Bevölkerungswachstums, …

Am 4. Juli 1776 erklärten die 13 britischen Kolonien in Amerika formell ihre Unabhängigkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatten die USA nur etwa 2,5 Mio Einwohner. Bereits zur ersten Volkszählung 1790 war die Bevölkerung auf knapp 4 Mio gestiegen. Seitdem gab es ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum auf 331 Mio bei der letzten Volkszählung 2020. Dabei hat das Tempo im Laufe der Zeit zwar nachgelassen, ist aber immer noch beträchtlich (Abb.1).

… das auch von der Einwanderung getrieben wurde, …

Vor allem in der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise trieb die Einwanderung die Bevölkerungszahl in die Höhe. Legale Einwanderer erhöhten die Bevölkerung um bis zu 1,6% pro Jahr (Abb. 2). Seit den 1930er Jahren spielt die legale Einwanderung eine geringere Rolle. Dafür hat die illegale Einwanderung zeitweise stark zugenommen, für die naturgemäß keine exakten Zahlen vorliegen. Schätzungen des CBO zufolge erreichte die gesamte Netto-Zuwanderung (also inklusive der illegal Eingewanderten) 2023 einen Rekordwert von 3,4 Mio, was damals rund 1% der Bevölkerung entsprach. Seitdem ist die Zuwanderung aufgrund verschärfter Kontrollen wieder deutlich gefallen.

Die Bevölkerung breitete sich dabei zunächst vor allem an der Ostküste aus, danach in Richtung Westen. Später kam noch ein Nord-Süd-Trend hinzu, weil viele die kalten und teilweise vom Niedergang der Industrie gebeutelten Staaten des Nordens zugunsten wärmerer und teils auch steuerlich attraktiverer südlicherer Staaten verließen. Ablesbar sind diese Entwicklungen an den von der Bevölkerungszahl abhängigen Zahl der Abgeordneten im Repräsentantenhaus der verschiedenen Bundesstaaten (Abb. 3). So dominierte New York früh, verlor aber nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Wichtiger wurden Staaten wie Kalifornien, Florida und Texas. In den letzten Jahren stagnierte die Bevölkerungszahl in Kalifornien, während sie in Texas und Florida weiter deutlich zunahm, womit diese Staaten Abgeordnete dazugewonnen haben.

… und wegen des kräftigen Fortschritts bei der Produktivität

Das starke Wachstum der Bevölkerung ging mit einem massiven Anstieg der wirtschaftlichen Leistung einher. Noch 1870 – kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg – lag die Wirtschaftsleistung in den USA auf einem ähnlichen Niveau wie diejenige Großbritanniens und Deutschlands. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1914 war die US-Wirtschaft schon größer als die deutsche und die britische Wirtschaft zusammengenommen. Der Abstand ist seither immer größer geworden, die US-Wirtschaft hat das 20. Jahrhundert dominiert. Der Höhepunkt der relativen wirtschaftlichen Macht der USA war am Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht, als die USA die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung auf sich vereinigte.

Für die Amerikaner maßgeblich ist nicht so sehr das Ranking im internationalen Vergleich, sondern es zählt die Entwicklung der Wirtschaftsleistung pro Kopf. Und hier zeigt das Wachstum in den zurückliegenden 250 Jahren eine bemerkenswerte Konstanz (Abb. 4). Das reale BIP pro Kopf hat langfristig um etwa 13/4% pro Jahr zugelegt. Die massivste Abweichung vom Trend war in den 1930er Jahren zu beobachten, als die Wirtschaft in der Depression stark einbrach, dann aber auch relativ schnell wieder auf seinen alten Trend zurückkehrte.

Das insgesamt stabile Wachstum ging allerdings mit einem fortwährenden Strukturwandel einher. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Bedeutung wichtiger Sektoren für die Gesamtbeschäftigung. Kurz nach der Gründung der Republik arbeiteten etwa 90% der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Dieser Anteil ging seitdem immer mehr zurück. In den 1920er Jahren überholte die Industrie die Landwirtschaft. Seit den 1950er Jahren nahm auch die Bedeutung der Industrie wieder deutlich ab, von etwa 25% der Beschäftigung auf zuletzt unter 10% (Abb. 5). Dieser stetige Wandel war zwar oft schmerzhaft, gleichwohl eine unumgängliche Begleiterscheinung einer Wirtschaft, die seit bald 150 Jahren die „technologische Grenze“ der Welt markiert.

Der Wert des Dollars erodierte durch Inflation …

Im Hinblick auf die Preisentwicklung zerfällt die US-Geschichte in zwei Teile. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zwar hin und wieder zu größeren Inflationsepisoden, die zumeist im Zusammenhang mit Kriegen (wie dem US-Bürgerkrieg 1861-65) standen. Diesen folgten aber immer längere Zeiträume mit wieder rückläufigen Preisen, sodass das Preisniveau insgesamt um 1900 nicht höher war als um 1800 (Abb. 6). Die Wahrung der Preisstabilität gelang den USA ohne Notenbank, die Fed wurde erst 1912 aus der Taufe gehoben. Seit den 1930er Jahren steigen die Preise in den USA permanent. 2025 war der Verbraucherpreisindex auf das 18-fache des Niveaus von 1925 gestiegen. Deflationäre Phasen gab es nicht mehr, wohl aber Perioden mit sehr hoher Inflation auch außerhalb von Kriegszeiten (wie die 1970er und die frühen 2020er Jahre).

… und die Schuldenlast des Staates steigt

Eine ähnlich zweigeteilte Entwicklung lässt sich auch bei den Staatsfinanzen beobachten. Die Staatsschuldenquote lag im gesamten 19. Jahrhundert sehr niedrig. Die im Bürgerkrieg aufgenommenen Schulden sind die Ausnahme, die Schuldenquote sank nach 1865 nämlich wieder (Abb. 7). Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg sorgten im 20. Jahrhundert geradezu für eine Explosion der Staatsschulden. Den USA schafften es nach 1945 aber, die Staatsschuldenquote rasch abzubauen. Solide Fiskalpolitik fand mit Präsident Reagan allerdings ihr Ende, auch wenn Präsident Clinton in den 1990er Jahren nochmals eine vorübergehende Konsolidierung der Schulden gelang. Die Schuldenquote hat jetzt wieder das Rekordniveau von 1945 erreicht.

Jetzt ist ein ernsthafter Konkurrent aufgetaucht

Wie sehen die weiteren Perspektiven aus? Mit China ist im 21. Jahrhundert eine Wirtschaftsmacht in Erscheinung getreten, die den USA den weltwirtschaftlichen Führungsplatz ernsthaft streitig machen kann. In Kaufkraftparitäten gerechnet, ist China seit 2016 die Nummer 1, die chinesische Wirtschaft war 2025 rund ein Drittel größer als die US-Wirtschaft (Abb. 8).

Zu Marktwechselkursen umgerechnet liegen die USA aber nach wie vor vorne. Die Wechselkursentwicklung (wobei sich der Wechselkurs für den Renminbi, der chinesischen Währung, keineswegs frei am Markt bildet, sondern von der chinesischen Regierung beeinflusst wird) und das inflationsbedingt hohe Nominalwachstum der US-Wirtschaft haben den Abstand hier in den letzten Jahren wieder größer werden lassen.

Bernd Weidensteiner und Christoph Balz
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