Boom-and-Bust

„Sound money and free banking are not impossible; they are merely illegal.“
Hans F. Sennholz, Money and Freedom (1985), S. 83.

Die Stimmung auf den Finanzmärkten ist umgeschlagen. Zuversicht greift um sich, dass das Tal der Tränen nun durchschritten sei: Die Aktienkurse haben nicht nur die jüngsten Kursverluste aufgeholt, sondern sie erklimmen auch neue Höchststände; die Zinsen für strauchelnde Staats- und Bankschuldner fallen; und einige „harte“ Konjunkturzahlen in den großen Volkswirtschaften scheinen auf eine Verbesserung der Lage hinzudeuten.

Hoffnung auf Konjunkturaufschwung
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Was ist die Ursache für den Umschwung? Eine Antwort drängt sich auf: Die Zentralbanken setzen ihre Tiefzinspolitik und Geldvermehrung – die zur bisher größten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit geführt hat – kompromissloser denn je fort. Die Zahlungsunfähigkeit von überschuldeten Staaten und Banken kann so zwar abgewendet werden. Doch ein „gesunder“ Aufschwung kann daraus nicht entstehen.

Künstlich tief gehaltene Zinsen verzerren das Wirtschaftsgeschehen und verleiten zu falschen Spar- und Investitionsentscheidungen. So werden beispielsweise schlecht wirtschaftende Regierungen unterstützt und unrentable Unternehmen subventioniert. Der Preismechanismus kann nicht greifen, und dadurch wird verhindert, dass knappe Ressourcen “besseren Wirten“ zugänglich gemacht werden. Die niedrigen Zinsen verleiten zudem Investoren Risiken einzugehen, die sie bei einem normalen Zins nicht eingehen würden. Zum Beispiel kaufen sie weiterhin Schuldpapiere von schlechten Schuldnern und schätzen die Gewinnpotenziale von Unternehmen zu optimistisch ein.

Die Niedrigzinspolitik kann einen „Scheinaufschwung“ in Gang setzen. Sie löst zusätzliche, wenngleich auch fehlgelenkte, Aktivitäten aus. Die aufgelaufenen Probleme, die die Politik des billigen Geldes bereits verursacht hat, werden dabei nicht bereinigt, sie werden übertüncht und vergrößert. Ein neuerlicher künstlicher Aufschwung („Boom“) würde zu neuerlichen Fehlentwicklungen führen, gewissermaßen die Saat für den nächsten Abschwung („Bust“) legen.

Was macht einen „echten“ Aufschwung aus? Die Marktakteure sparen aus dem laufenden Einkommen mehr und investieren in produktive Verwendungen. Der Gegenwartskonsum wird eingeschränkt, um die künftigen Einkommen zu erhöhen. Dadurch sinkt die gesamte Nachfrage in der Volkswirtschaft nicht. Lediglich die Zusammensetzung der Nachfrage ändert sich: Die Nachfrage nach Konsumgütern geht zu Gunsten der Nachfrage nach Investitionsgütern zurück.

Mit künstlich gedrückten Zinsen und neuem Geld, das per Bankkredit „aus dem Nichts“ geschaffen wird, lässt sich keine Wohlstandsmehrung erzielen. Im Gegenteil. Der künstliche Aufschwung führt zu einer Güterversorgung, die letztlich schlechter ausfällt, als sie ohne die Fehllenkungen ausgefallen wäre (Stichwort: „Bauruinen“). Er sorgt zudem auch für eine nicht marktkonforme Verteilung von Einkommen und Vermögen, bei der einige wenige auf Kosten vieler profitieren („Cantillon Effekt“).

Früher oder später wird eine Abkehr von der Geldpolitik der niedrigen Zinsen unausweichlich, soll der Wert der Währungen nicht ruiniert werden. Zahlungsausfälle von Staaten und Banken, verbunden mit einem tiefen Wirtschaftseinbruch, wären die Folge. Ein ungehemmtes Ausweiten der Geldmengen würde hingegen zu hoher Inflation führen. Aber auch eine Inflation wäre nicht endlos durchführbar, sondern würde letztlich auch in einer Rezession-Depression enden.

Ob es nun einen neuerlichen Aufschwung geben wird, und wie lange er andauert, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Sparer und Investoren sollten jedoch in jedem Falle vor zwei Einsichten die Augen nicht verschließen. Erstens: Das internationale Papiergeldsystem wäre wohl schon längst zusammengebrochen, hätten die Zentralbanken den Finanzmarktakteure nicht in Aussicht gestellt, wenn nötig die elektronische Notenpresse anzuwerfen, um die offenen Rechnungen zu bezahlen. So schlimm ist die Lage bereits geworden.

Zweitens: Aus einem jahrzehntelangen Kreditgeldvermehren gibt es keinen schmerzfreien Ausweg. Das Papiergeld-Finanzvermögen in Form von beispielsweise Bankeinlagen und Schuldverschreibungen könnte vielleicht schon im nächsten Abschwung durch Zahlungsausfälle, Konfiskation und/oder Geldentwertung (teil-)entwertet werden. Nur so viel scheint sicher zu sein: In diesem Stadium des Kreditgeld-Booms, den die Zentralbankräte unbarmherzig versuchen fortzuführen, ist wohl kaum mehr etwas sicher.

Thorsten Polleit

Thorsten Polleit

Universität Bayreuth
Thorsten Polleit

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