Ciao Cinquecento
Zum Aus für die 500-Euro-Banknote

Am 4. Mai 2016 hat der EZB-Rat beschlossen, Produktion und Ausgabe von 500-Euro-Banknoten zum Ende 2018 einzustellen. Seit einiger Zeit stellt die EZB alle Banknoten auf die neue Edition (die so genannte „Europa Serie“) um. Sie hat damit für die „kleineren“ Stückelungen (in Werten von 5 Euro bis 20 Euro) bereits angefangen. Bis Ende 2016 soll mit der Umstellung auch für die 50-Euro-Note begonnen werden; die Ausgabe der neuen 100er und 200er Banknoten soll Ende 2018 starten.

Nur für den 500er Schein wird es laut dem jüngsten Beschluss keine Neuauflage aus der „Europa-Serie“ geben. Allerdings können die umlaufenden 500er Noten aus der alten Serie jederzeit bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem eingetauscht werden. Sie bleiben weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel. Dies unterscheidet sie von den ebenfalls noch im Umlauf befindlichen DM-Beständen, die zwar auch noch eingetauscht werden können, aber kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sind.

Wie bedeutsam ist der 500er?

Fakt ist, dass sich der 500-Euro-Schein hoher Beliebtheit erfreut und einen beträchtlichen Anteil an der Bargeldversorgung in der Eurozone einnimmt. Dies zeigt Abbildung 1, wo der wertmäßige Umlauf aller Banknoten (in Euro) als schwarze Linie dargestellt ist. Er ist seit der Bargeldeinführung Anfang 2002 stetig gestiegen. Getrieben wurde dieser Anstieg von den größeren Stückelungen, wobei inzwischen der Umlauf der 50-Euro-Note (Orange) wertmäßig am höchsten ist, dicht gefolgt von der 500-Euro-Note (Lila) und der 100-Euro-Note (Grün). Derzeit macht der Umlauf des 500ers etwa 30% des Bargeldwertes aus. Die hohe Bedeutung von 50er und 500er Noten entspricht weitgehend den Anteilen der entsprechenden DM-Banknoten vor der Euro-Bargeldeinführung. Der Umlauf der übrigen Stückelungen (5-Euro-Note [Grau], 10-Euro-Note [Lila], 20-Euro-Note [Blau] und 200-Euro-Note [Gelb]) ist wertmäßig eher gering.

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Abbildung 2 zeigt, dass sich der mengenmäßige Umlauf an 500-Euro-Noten seit Anfang 2002 von 60 Mio. Stück auf 600. Mio. Stück verzehnfacht hat. Auffallend ist der sprunghafte Anstieg im Oktober 2008, also kurz nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Weil sich die Bargeldhaltung der Banken zu dieser Zeit nicht erhöhte, ging der Mehrbedarf vor allem von Unternehmen und privaten Haushalten aus, insbesondere aus dem Ausland (Europäische Zentralbank, 2011). Offensichtlich dauerte der Anstieg über mehrere Jahre an, wenngleich er sich inzwischen wieder verlangsamt hat und die umlaufende Menge an 500-Euro-Noten seit Anfang 2016 sogar leicht rückläufig ist.

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Bekämpfung (il)legaler Aktivitäten….

Die EZB begründet die Abschaffung des 500ers mit Verweis auf dessen Bedeutung für illegale Transaktionen. Sie folgt damit der Argumentation der Europäischen Polizeibehörde (EuroPol), wonach Gewinne aus illegalen Geschäften häufig in bar anfallen und mithilfe von Bargeld transferiert werden. Dabei spielen vermutlich große Bargeld-Stückelungen eine wichtige Rolle, weil sie leichter zu transportieren sind und relativ selten gefälscht werden (European Police Office, 2015). Derzeit existieren großen Stückelungen neben der 500-Euro-Note nur noch als Schweizer 1000-Franken-Note, die beibehalten werden soll. Die größten Noten in USD (100 USD), in Britischem Pfund (100 GPB) oder in Japanischem Yen (10.000 JPY) haben einen Wert von umgerechnet nur etwa 100 Euro.

Zweifel sind jedoch angebracht, ob mit Auslaufen der 500-Euro-Banknote tatsächlich illegale Geschäfte nachhaltig behindert werden. Erfolge werden hier auf sich warten lassen, weil die alten 500er Noten aus der ersten Serie ja im Umlauf bleiben und nicht auf Betreiben der EZB dem Geldkreislauf entzogen werden können. Da die Nachfrage nach 500ern offenbar hoch ist, dürften sie den nationalen Zentralbanken kaum zum Eintausch angeboten werden, zumal der 500er nach Erkenntnisse von Europol offenbar schon heute mit einem Agio oberhalb des Nennwerts gehandelt wird.

Hinzu kommt, dass große Stückelungen auch für legale Geschäfte durchaus notwendig sind. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank unter privaten Haushalten und Unternehmen aus dem Jahre 2008 gaben 25% der befragten Haushalte an, mehr als einmal jährlich eine 200-Euro- oder eine 500-Euro-Banknote in Händen gehalten zu haben; weitere 33% hatten zumindest bis zu einmal jährlich Kontakt mit diesen großen Geldscheinen. Die private Nachfrage nach solchen Noten ist darin begründet, dass Großbetragszahlungen per Karte nur eingeschränkt möglich sind. Zudem erfordern Bargeldzahlungen keine Kenntnisse über die Bonität des Käufers, denn Bargeld ist das einzige Zahlungsmittel, mit dem sich eine Transaktion sofort abschließen lässt (Europäische Zentralbank, 2011). Bargeld ermöglicht damit Geschäfte, wie beispielsweise den Kauf von Gebrauchtwagen, die anders kaum durchführbar wären. Insofern behindert das verhängte Ende für die 500er Note nicht nur illegale Aktivitäten, sondern erschwert als Kollateralschaden auch manche legale Transaktion.

… oder Durchsetzen von Negativzinsen?

Das Ausgabemoratorium erleichtert es der EZB, negative Zinssätze durchzusetzen. Aus der eben zitierten Umfrage der EZB wurde auch deutlich, dass private Haushalte Bargeld nicht nur für Einkäufe, sondern auch zum Zweck der Wertaufbewahrung halten, wenngleich der Anteil der Befragten, der angibt, mehr als 5.000 Euro zu halten, normalerweise eher gering ist. Die erwähnten Ereignisse vom Oktober 2008 machen aber deutlich, dass die gesamtwirtschaftliche Bargeldhaltung sehr elastisch auf finanzielle Krisen reagiert, weil Bargeld immer noch als „sicherer Hafen“ gilt, der auch vor negativen Zinsen schützt.

Sobald die Marktteilnehmer keine zusätzlichen 500-Euro-Noten mehr ordern können, wird es für die EZB leichter, die Zinsen tiefer in negatives Terrain abrutschen zu lassen. Wenn Marktteilnehmer dann vermehrt auf die 200-Euro-Note ausweichen, ist zu befürchten, dass auch diese eines Tages Gegenstand von Überlegungen wird, mit dem Ziel, sie abzuschaffen. Dies mag die Wirksamkeit der Geldpolitik stärken, senkt aber die Vorteile der Geldwirtschaft für den Geldnutzer.

Literatur

Europäische Zentralbank (2011), Die Verwendung von Euro-Banknoten – Ergebnisse aus zwei Umfragen unter privaten Haushalten und Unternehmen, Monatsbericht, 13. Jg., April, S. 83-95.

European Police Office (2015), Why is Cash Still King? A Strategic Report on the Use of Cash by Criminal Groups as a Facilitator of Money Laundering, in: Trends in Organized Crime, Vol. 18(4), S. 355-379.

 

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