Donald Trump sieht eine “unfaire” Behandlung der US-amerikanischen Industrie durch seine Handelspartner und fordert eine tiefgehende Reform der bestehenden Weltwirtschaftsordnung. Deshalb erhebt er höhere Importzölle und beabsichtigt möglicherweise auch, die Rolle des US-Dollars als internationale Transaktions- und Reservewährung zu beschneiden. Solche eine politisch gewollte „De-Dollarisierung“ ist jedenfalls Kern eines Reformplans seines Beraters Stephen Miran, der seit März 2025 den Vorsitz im Council of Economic Advisers innehat.
Warum De-Dollarisierung?
Aus dessen Sicht ist die Ursache für die andauernden Handelsbilanzdefizite der USA die strukturelle Überbewertung des US-Dollars gegenüber anderen Weltwährungen. Grund hierfür ist die Rolle des Dollars als dominante internationale Transaktions- und Reservewährung; Ende 2023 wurde etwa 60% der Währungsreserven weltweit in USD gehalten (Siripurapu, Berman, 2023). Dadurch ist die Nachfrage nach Dollar-Anlagen hoch, was den Dollarkurs über seinen Gleichgewichtswert steigen lässt, bei dem die Handelsbilanz langfristig ausgeglichen sei.
Infolge dieser „Überbewertung“ des USD verteuern sich amerikanische Exporte und verbilligen sich Importe, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie sinkt und amerikanische Jobs verloren gehen. Dieser negative Effekt ist besonders stark während Rezessionen, weil der US-Dollar dann vermehrt als sicherer Hafen dient, was die Rezession in den USA verstärkt, jedoch in den Volkswirtschaften der Handelspartner abmildert.
Um dies zu korrigieren, schlägt Miran (2024) vor, die Nutzung des US-Dollars als internationale Transaktions- und Anlagewährung zu verteuern, jedenfalls für solche Handelspartner, die weiterhin den Schutz durch den amerikanischen Militärschirms genießen oder keine weiteren Zollerhebungen erfahren wollen. Konkret sollen ausländische Zentralbanken eine Nutzergebühr bei Halten von US Staatsanleihen entrichten und ihre US-Dollar-Anlagen zugunsten längerer Laufzeit umschichten, wodurch die langfristigen Zinssätze in den USA sinken.[1]
Angedacht ist in dem Reformplan ein Währungsabkommen zwischen der US Fed und den Notenbanken der wichtigsten Handelspartner, die sich zu koordinierten Dollarverkäufen verpflichten, um die Überbewertung des USD zu korrigieren. Solch ein Abkommen wird inzwischen – in Anlehnung an den Plaza Accord in den 1980er Jahren – als „Mar-a-Lago Accord“ bezeichnet. Um die Finanzierung des US-Haushaltsdefizits zu sichern, sollen die koordinierten Dollarverkäufe teilweise durch den Kauf sehr langfristiger US-Anleihen (100 Jahre) oder sogar ewiger Anleihen ausgeglichen werden.
Durchführbar und zieladäquat?
Zweifel sind angebracht, ob solch ein Vorhaben durchführbar ist. Erstens zeigen die Erfahrungen aus den 1980er Jahren, dass koordinierte Devisenmarktinterventionen angesichts des riesigen Volumens an Liquidität allenfalls vorübergehende Effekte auf den Wechselkurs haben. Zweitens wird der Großteil der internationalen Währungsreserven von der Volksrepublik China gehalten, die sich nicht unter dem militärischen Schutzschild der USA befindet und wohl auch nicht durch Zollandrohung zu einem Währungsabkommen gepresst werden kann. Drittens kann eine Nutzergebühr bei Halten von US-Staatsanleihen leicht umgangen werden, indem Notenbanken ihre Währungsreserven zu Offshore-Depots verlagern. Dort könnte das US-Finanzministerium die Spur verlieren und nicht in der Lage sein, die offiziellen Inhaber zu identifizieren (McCauley, 2025).[2]
Umstritten ist auch, ob die von der US Administration erwünschten Ziele erreicht werden können. Obwohl Beobachter eine Überbewertung des USD für möglich und wahrscheinlich halten, bestehen Zweifel, ob und inwieweit die Wechselkursentwicklung tatsächlich für den Verlust an Jobs in der US-Industrie verantwortlich ist (Kamin, 2025). Tatsächlich erfahren auch andere Länder eine De-Industrialisierung, sowohl solche mit Handelsbilanzüberschüssen (wie Deutschland, Japan oder Südkorea) wie solche mit Handelsbilanzdefiziten (wie Australien oder Großbritannien). Möglicherweise ist der Beschäftigungsrückgang Folge des raschen Produktivitätswachstums im verarbeitenden Gewerbe und nicht primär Folge von Wechselkurseffekten. Dann blieben die jetzt angedachten währungspolitischen Maßnahmen ohne die beabsichtigten Wirkungen.
Unerwünschte Nebenwirkungen
Hinzu kommt, dass der Miran-Plan auch einige unerwünschte Nebenwirkungen hat, weil die Rolle des US Dollars als internationale Transaktions- und Reservewährung den USA natürlich auch Vorteile bringt, die infrage gestellt werden. Zentralbanken halten ihre Währungsreserven nicht in Form vom Bargeld, sondern als kurzfristige verzinslich Anlagen, hauptsächlich in Form von US Treasury Bills. Die hohe Nachfrage nach Dollar-Anlagen drückt deren Zinssatz, senkt die Kosten der Staatsverschuldung für den amerikanischen Steuerzahler und entlastet den Staatshaushalt. Eine De-Dollarisierung wirkt tendenziell zinssteigernd.
Zudem begründet die Rolle des Dollars als Transaktionsmedium im globale Zahlungssystem auch die Macht der US-Finanzsanktionen. Nahezu der gesamte in US-Dollar erfolgte Handel, selbst der Handel zwischen anderen Ländern, kann Gegenstand von US-Sanktionen sein, da er über Korrespondenzbanken mit Konten bei der Federal Reserve abgewickelt wird. Indem sie die Möglichkeit unterbinden, Geschäfte in Dollar zu tätigen, können die Vereinigten Staaten denjenigen das Geschäft erschweren, die sie auf die schwarze Liste setzen (Siripurapu, Berman, 2023).
Schließlich fördert eine künstlich herbeigeführte Abwertung des US-Dollars zwar die Exporte, verteuert aber auch die US-Importe und wirkt zusammen mit den jetzt angekündigten Zöllen erhöhend auf das Preisniveau. Hier kommt jetzt die US Fed ins Spiel. Sollte sie auf einen Anstieg der amerikanischen Teuerungsrate mit Zinserhöhungen reagieren, werden Anlagen im Dollarraum attraktiver und der von der US-Administration erhoffte Wechselkurseffekt bleibt aus.
Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung?
Präsident Trump hat sich zu dem „Mar-a-Lago Accord“ bislang noch nicht geäußert. Derzeit ist nichts auszuschließen. Allerdings erfordert der Abschluss eines Währungsabkommens die Zustimmung von vielen Akteuren, auf die die US Administration keinen oder nur einen geringen Einfluss nehmen kann, wie die People’s Bank of China oder die Europäische Zentralbank. Deren Zustimmung zur Zahlung einer Nutzergebühr bei Halten von US Staatsanleihen ist erforderlich, weil dies ansonsten als „Default“ gewertet werden kann und die Bonität der USA auf den internationalen Finanzmärkten gefährdet ist. Das käme den USA teuer zu stehen.
Literatur
Kamin, S. B. (2025), CEA Chair Nominee Miran`s Critique of the Global Monetary System Part I and Part II, American Enterprise Institute, https://www.aei.org/economics/cea-chair-nominee-stephen-mirans-critique-of-the-global-monetary-system-part-ii/
McCauley, R. (2025), Will a ‘User Fee’ on US Treasuries Actually Work? Taking Another Look at the Mooted Mar-a-Lago Accord, in: Financial Times, Feb, 25, 2025
Miran, S. (2024), A User`s Guide to Restructuring the Global Trading System, https://www.hudsonbaycapital.com/documents/FG/hudsonbay/research/638199_A_Users_Guide_to_Restructuring_the_Global_Trading_System.pdf
Siripurapu, A., Berman, N. (2023), The Dollar: The World`s Reserve Currency, Council on Foreign Relations, https://www.cfr.org/backgrounder/dollar-worlds-reserve-currency# chapter-title-0-5
Setser, B. W. (2023), How to Hide Your Foreign Exchange Reserves—A User’s Guide. A Deep Dive into the Techniques China Used to Hide its Foreign Exchange Reserves Over the Last Twenty Years, https://www.cfr.org/blog/how-hide-your-foreign-exchange-reserves-users-guide
[1] ) Der Miran-Plan ist nicht ganz ohne historische Vorbilder. Bereits im Sommer 1971 ordnete Präsident Nixon einen Importzollsatz von 10% an, um die wichtigsten Handelspartner zu einer Wechselkursanpassung zu veranlassen.
[2]) China greift offenbar in letzter Zeit verstärkt auf solche Offshore-Depots zurück (Setzer, 2023).
Blog-Beitrag zum Thema:
Norbert Berthold (JMU): Handel, Dollar, Sicherheit. Hat Donald Trump einen Plan?
- Re-Industrialisierung durch De-Dollarisierung?
Zu den amerikanischen Plänen einer Reform des Weltwährungssystems - 4. April 2025 - Krypto-Assets als Zentralbankreserven? - 16. Februar 2025
- Losing my Religion?
Zum schleichenden Vertrauensverlust in Zentralbanken - 5. Dezember 2024