Andrea Nahles und die Rentenprognose
Die Saldenmechanik des Kinderverleihens

Von Thomas Apolte am 4. Oktober 2016
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Thomas Apolte
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Ende September veröffentlichte das Arbeitsministerium eine eigene Prognose der Rentenentwicklung. Demnach wird das Bruttorentenniveau von 47,8 im Jahre 2016 auf 41,6 im Jahre 2045 Prozent sinken. Wollte man dies verhindern, so müsste der Beitragssatz von derzeit 18,7 auf 26,4 Prozent steigen. Bemerkenswert an dieser Prognose sind weniger die Zahlen selbst, die niemanden überraschen dürften, der sich ein wenig mit der Sache befasst hat. Bemerkenswert ist vielmehr, dass das Ministerium eine solche Prognose überhaupt veröffentlicht. Denn die Botschaft ist weitgehend unmissverständlich: Entweder sinkt das Sicherungsniveau, oder es steigen die Beiträge, oder es muss länger gearbeitet werden. Alternativ kann man die Steuerfinanzierung ausdehnen, aber auch das läuft auf eine versteckte Beitragserhöhung hinaus, die kaum behelfsweise verkleistert, dass man vergeblich versuchen würde, der nachfolgenden Generation die Zeche aufzubürden.

Darauf ist wieder und wieder hingewiesen worden, aber je nach professionellem und persönlichem Hintergrund hat man sich auf je eigenem Wege an dem grundlegenden demographischen Problem vorbeigemogelt. Entkommen kann man ihm aber nicht. Lange hat die ökonomische Zunft weniger das Demographie-Problem selbst als vielmehr den Umgang seitens der Politik damit adressiert. Das ging dann so: Wenn eine Generation nicht in Nachkommen investieren mag, von deren Einkommens-, Arbeits- und nicht zuletzt Pflegeleistung sie im Alter profitieren könnte, dann sollte sie stattdessen in Kapital investieren, also sparen und das Ersparte dann zu Produktivvermögen machen. Produktionstechnisch betrachtet verhält sich Produktivvermögen zumindest teilweise komplementär zu Arbeit, und das bedeutet, dass man im Alter teilweise von der Leistung des Produktivvermögens und damit von Maschinen leben kann, in die man investiert hat, statt von der Arbeitsleistung von Nachkommen, in die man nicht investiert hat.

Das klingt überzeugend und ist es auch – zum Teil. Denn das Ersparte, das nicht in die Erziehung von Kindern investiert wurde, muss wirklich auch in den Bau von Maschinen fließen und nicht etwa in die Finanzierung von offener oder verdeckter Staatsschuld – mit deren Hilfe man sich beispielsweise weismachen möchte, dass man weder eine Senkung des Rentenniveaus noch eine Erhöhung der Beiträge bräuchte, wenn man das demographisch verursachte Rentenloch einfach per Kreditaufnahme stopfte. Da aber das Rentenniveau als Prozentsatz des Bruttoarbeitseinkommens definiert ist, nützt nicht einmal das etwas, denn die Entwicklung des Arbeitseinkommens wird unweigerlich ungünstiger, wenn die Zahl der Erwerbstätigen sinkt. Auch da gibt es kein Entrinnen. Und es kommt noch dicker: Auch wenn das Ersparte in Maschinen investiert wurde, so ist es noch immer nicht gesichert, dass diese überhaupt etwas dazu beitragen können, den Verlust an Arbeitseinkommen auszugleichen, der sich aus den fehlenden Nachkommen ergibt. Ob das so ist, hängt davon ab, ob der Anstieg der Investitionsquote (also der Investitionen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts), der mit der steigenden Ersparnis verbunden ist, zu höherem Wirtschaftswachstum führt. Aus der alt-ehrwürdigen neoklassischen Wachstumstheorie folgt aber erst einmal, dass er das nicht tut! Folgen wir indes der sogenannten Neuen Wachstumstheorie, dann könnte es doch funktionieren. Letztlich ist es also eine empirische Frage, die sich mit Theorie allein nicht klären lässt, und damit steht die Frage, ob sich fehlende Arbeitsleistungen durch fehlender Nachkommen durch zusätzliche Maschinen so ausgleichen lassen, dass die künftigen Renteneinkommen darunter nicht leiden, auf wackeligen Füßen.

Zu akademisch? Dann stellen sie sich eine vollkommen isolierte Insel vor, deren frühere Erwerbstätige allesamt keinerlei Nachkommen erzogen, stattdessen aber einen stattlichen Park an Maschinen auf eine große grüne Wiese gebaut hatten. Inzwischen seien die Inselbewohner alle alt und unfähig, in irgendeiner Form zu arbeiten; manche seien pflegebedürftig, und zuwendungsbedürftig seien sie allemal. Nur: Wer soll das alles machen, wenn der Maschinenpark sich nicht völlig autark selbst organisierte, sogar Pflegeleistungen erbrächte und den Bewohnern soziale und persönliche Nähe vermittelte? Damit dies funktionieren könnte, müssten Maschinen – ökonomisch gesehen – vollkommene Substitute für menschliche Tätigkeiten sein, das heißt, sie müssten sie vollständig ersetzen können. Das können sie aber nicht, und hier liegt das Problem – zumindest, so lange die Maschinen, um die es geht, im Inland stehen. Sollten sie allerdings im Ausland stehen, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Wenn nämlich die Ersparnisse, die sich aus nicht getätigten Erziehungsaufwendungen speisen, ins Ausland fließen und dort so produktiv eingesetzt werden, dass die jeweiligen ausländischen Schuldner in der Lage sind, in einer späteren Zeit den Schuldendienst zu leisten, dann hat man unzweifelhaft eine Quelle von Einkommen, mit denen man im Inland im Alter das fallende Rentenniveau ausgleichen kann – und zwar vollständig. Sofern das also funktioniert, kann ein Land es sich leisten, auf Nachkommen zu verzichten, stattdessen die nicht getätigten Erziehungsaufwendungen im Ausland anzulegen und im Alter von deren Rückflüssen zu leben. Das ist fast ganz so, also hätte man selbst Nachkommen, die arbeiten und einen Teil der Früchte ihrer Arbeit an ihre Eltern abgeben würden. Wenn man tiefer gräbt in den Strukturen der Sache, dann findet man, dass sich die kinderlose Generation die fehlenden Kinder – rein saldenmechanisch gesehen – in gewisser Weise tatsächlich im Ausland leihen, und zwar von denen, die dort eben doch Kinder bekommen hatten. Und von einem Teil der Einkommen dieser Kinder im Ausland wird dann die Rente der Kinderlosen im Inland finanziert.

Wie aber hat man sich das praktisch vorzustellen? Zunächst verzichtet man im Inland in der Erwerbsphase auf Konsum und damit auf einen Teil der im Inland produzierten Güter. Der  dazugehörige Teil des inländischen Einkommens fließt dann als Ersparnis ins Ausland. Auf welchem Wege er das dann auch immer tut: Ökonomisch betrachtet läuft es darauf hinaus, dass die Inländer dem Ausland das Geld leihen. Und dort verwendet man das geliehene Geld, um aus dem Inland genau jene Güter zu importieren, auf deren Kauf die Inländer selbst in der Erwerbsphase verzichtet und das dazugehörige Geld stattdessen gespart und dem Ausland geliehen hatten. Später müssen dann die Menschen im Ausland auf Konsum verzichten, um das im Inland geliehene Geld wieder zurückzuzahlen – und das werden die Nachkommen jener sein, denen das Inland seinerzeit Geld und Güter geliehen hatten. Die ausländischen Nachkommen zahlen damit also die Schulden ihrer Eltern im Inland ab; und das geht natürlich nur, wenn es im Ausland solche Nachkommen überhaupt gibt. So erhalten die inländischen Rentner ein Einkommen von Nachkommen aus dem Ausland – Nachkommen, die sie freilich selbst nie in die Welt gesetzt hatten.

Mit dem Geld dieser fremden Nachkommen kaufen die inländischen Rentner dann im Ausland Güter, weil im Inland wegen der fehlenden Nachkommen im Extremfall ja niemand mehr da ist, der Güter produzieren könnte. Und die inländischen Rentner kaufen im Ausland exakt jene Güter, auf deren Kauf die ausländischen Nachkommen verzichten mussten, weil sie einen Teil ihres Einkommens für die Rückzahlung des von ihren Vorgängern im Inland geliehenen Geldes verwenden müssen. So passt das alles wundersam zusammen – rein saldenmechanisch gesehen, wie gesagt. Im Grunde läuft der Deal darauf hinaus, dass das Inland in der Erwerbsphase mehr Güter produziert als es verwendet, und den Rest dem Ausland leiht; im Alter produziert es dann keine Güter mehr und lebt stattdessen davon, dass es vom Ausland die geliehenen Güter zurückerhält. Auch wenn das natürlich nicht dieselben Äpfel und Birnen sind wie jene, die das Inland seinerzeit geliefert hat: Im Wert passt das alles zusammen, wenn wir alles sauber abgezinst miteinander vergleichen.

Wir Inländer könnten daher in der Tat noch leben und konsumieren, wenn wir überhaupt auf jedwede Nachkommen verzichteten und daher die letzte lebende Generation unseres Landes und irgendwann allesamt Rentner wären – zunächst allerdings nur dann, wenn wir im Alter allein handelsfähige Güter wie Lebensmittel, Elektrofahrräder, Hörgeräte, Rollatoren und dergleichen benötigten. Aber wie sieht es mit lokalen Dienstleistungen aus – mit Leistungen also, die direkt vor Ort erbracht werden müssen – nicht zuletzt dann ja wohl auch Pflegeleistungen? Diese müssten wir ebenfalls importieren, solange sie noch nicht vollständig durch Roboter zu erbringen sind. Dazu könnten wir dann Pflegekräfte beispielsweise aus Osteuropa oder gar Ostasien anheuern – kommt ihnen das bekannt vor? Jedenfalls würden diese zu uns kommen und sich mit ihren Pflegeleistungen dafür erkenntlich zeigen, dass wir als Erwerbstätige einmal auf Konsum verzichtet und den Eltern der Pflegekräfte stattdessen Geld geliehen hatten, von dem diese einen Teil jener Güter bei uns gekauft hatten, auf dessen Konsum wir wiederum verzichtet hatten. Es geht natürlich auch anders herum: Statt die Pflegekräfte zu uns zu bitten, könnten wir uns zu ihnen bewegen und uns dort gleich vor Ort versorgen lassen. Dann brauchen wir auch die physischen Konsumgüter nicht mehr ins Inland zu schaffen – was Transportkosten spart und die Umwelt schont. Und wir könnten die Pflegekräfte in ihrem sozialen Umfeld belassen. Auch das gibt es bereits, und zwar bis weit nach Ostasien hinein.

So funktioniert das alles also, zumindest rein saldenmechanisch gedacht. Wenn da nicht ein paar Beobachtungen jenseits der heute schon zunehmenden Zahl an osteuropäischen Pflegekräften und ins Altersexil gewanderten Rentner wären. Erstens importieren viele gerade jener Entwicklungsländer keine Ersparnisse aus den Industrieländern, und spiegelbildlich dazu auch keine Güter von dort, sondern sie exportieren sie vielmehr. Das passt so gar nicht ins Bild, aber es ist häufig so. Allen voran fällt China durch massive Güter- und Kapitalexporte und riesige Sparüberschüsse auf. Das hat sich im Zuge der jüngsten Krise zwar reduziert, aber längst nicht umgekehrt. In beinahe vier Jahrzehnten welt- und geschichtsrekordartigen Wachstums jedenfalls exportierte das Land netto Güter, statt zu importieren. Entsprechend bildete es Ersparnisse im Ausland, statt sich Geld vom Ausland zu leihen und damit Güter im Ausland zu kaufen. Daher verfügt allein China heute über riesige Ansprüche gegenüber dem Ausland, allen voran gegenüber den USA. Wenn hier also jemand Rückzahlungen erhält, dann China und nicht die Industrieländer – auch nicht Deutschland.

Zweitens sinkt praktisch überall dort die Geburtenzahl, wo das Einkommen steigt. Das geht zwar zeitverzögert, so dass in einer Übergangszeit rein saldenmechanisch gesehen der Überschuss an jungen Leuten in einem Teil der Welt den Mangel an solchen in der alten auf dem beschriebenen Wege ausgleichen kann. Man „leiht“ sich Nachkommen in Ländern, wo es noch viele davon gibt. Oder man holt sie gleich ganz ins Land, nachdem die armen Eltern der armen Länder sie an unserer statt unter Entbehrungen aufgezogen hatten; und wähnt sich als Humanster unter den Humanen angesichts seiner liberalen Haltung zu Einwanderungsfragen – ohne freilich zu beantworten, ob die verfolgten und entrechteten Zuwanderer wirklich zugleich jene sind, die ökonomisch gesehen unsere nicht getätigten Aufwendungen für Nachkommen ausgleichen können; und ohne zu fragen, wer die Rente der Eltern dieser Zuwanderer bezahlt: entweder die Zuwanderer selbst, womit sie dann gleich zwei Generationen von Rentnern versorgen dürfen; oder niemand, dann erhalten die Eltern der Zuwanderer nichts für ihre Erziehungsleistung. So human ist das alles.

So oder so ist das Ausleihen oder gar vollständige Überlassen von Nachkommen aber ohnehin ein Übergangsphänomen. Denn irgendwann hört das auf, und wenn Geburtenrückgänge wirklich ein Reflex auf steigende Einkommen und sinkende Armut sind, dann können wir nur wünschen, dass es schnell aufhört. Sollte das so kommen, dann wird irgendwann die ganze Welt mit einem Mangel an Nachwuchs konfrontiert sein, und dann wird es einen solchen Ausgleich zwischen Ländern mit vielen und solchen mit wenigen Nachkommen nicht mehr geben können. Gewiss, bis dahin wird so oder so noch viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen sein, und vielleicht haben wir bis dahin für alles Roboter, die irgendwann gar den allerletzten von uns pflegen werden, was an den Witz vom Gespräch zwischen Venus und Erde erinnert, in dem eine desolat aussehende Erde auf die besorgte Anfrage der Venus antwortet und klagt: „Ach, ich habe Homo Sapiens“; und die Venus darauf beruhigend feststellt: „Das gibt sich wieder.“

Drittens und in trauriger Umkehrung zu zweitens sinkt die Geburtenzahl gerade in jenen Entwicklungsländern nicht, in denen die Entwicklung schlecht ist, vor allem in Teilen Afrikas und vor allem in der arabischen Welt. Diese Teile entwickeln sich vor allem deshalb schlecht, weil sie so konfliktgeschüttelt sind; und weil sie sich schlecht entwickeln, bleibt dort die Armut und mit ihr die Geburtenziffer hoch. Dass der daraus folgende extreme Nachschub an jungen Leuten auf schlechte Zukunftschancen stößt, ist wiederum den vermachteten sowie religiös und ethnisch segregierten Strukturen geschuldet, und zusammen genommen treibt das allzu viele der jungen Leute in die Hände der Repräsentanten der einzige boomende Branche dort: in die Hände jener nämlich, die diese Konflikte anheizen und die zuverlässig die Dienste junger Menschen nachfragen; freilich nur, um sie zu verheizen. Daher bleiben diese Länder arm, und das hält die Geburtenraten hoch; das wiederum gibt unter den gegebenen Bedingungen neue Nahrung für die Konflikte. Und so schließt sich der Kreis.

Vielleicht mehr als alle anderen können gerade diese Länder und Regionen jene Konsumgüter gebrauchen, die unsere heutige Erwerbstätigengeneration produziert, aber zu Zwecken der Ersparnisbildung für das Alter nicht verwendet. Aber diesen Ländern fehlt die Entwicklung, die es bräuchte, um ein glaubwürdiges Versprechen zur Rückzahlung in derjenigen Zeit abzugehen, in der unsere heutige Erwerbstätigengeneration einmal in Rente sein wird – ohne genügend eigene Nachkommen zu haben.

Und nun? Nun besteht die grundlegende Saldenlogik des demographischen Ausgleichs zwischen kinderreichen und kinderarmen Ländern zwar weiter. Praktisch ist sie aber nur wenig relevant, weil das passende Gegenstück zu unserem hochentwickelten Land fehlt, das reich an Wohlstand, aber arm an Nachkommen ist. Daher können wir es drehen und wenden, wie wir wollen: Aus dem, was Ministerin Nahles in ihrem Haus gerade hat berechnen lassen, folgt immer nur eines: wir werden länger arbeiten müssen. Vermutlich ist dies nicht der Schluss, den Frau Nahles daraus ziehen wollte – aber darüber, was sie mit der Veröffentlichung wollte, werden wir in Kürze gewiss mehr erfahren. Länger zu arbeiten oder im Alter weniger zu konsumieren bleibt aber der einzig mögliche Schluss aus der Prognose, auch wenn sich selbsternannte Experten auf allen Ebenen des so genannten „Infotainment“, des Feuilletons und des politischen Kabaretts fallweise über die anstehende Anhebung der Lebensarbeitszeit oder die Absenkung des Rentenniveaus ereifern oder lustig machen – nicht zuletzt, weil solche Folgerungen allein einer kleingeistigen „ökonomistischen“ Weltsicht folgten. Nur ist die Weltsicht eine Sache, die ökonomische Sachlogik aber eine andere.

Und das sollte man nicht verwechseln: Während man die erstere nämlich erfolgreich bekämpfen und gern auch mal lächerlich machen kann – wovon wie gesagt stets gern Gebrauch gemacht wird – lässt sich ökonomische Sachlogik von Menschenhand jedenfalls nicht aus der Welt schaffen – erst Recht nicht, wenn sie aus reiner Saldenmechanik und damit aus nichts als angewandter Mathematik besteht, wie in unserem Problem. Und aus ihr folgt, dass an einer längeren Lebensarbeitszeit oder an einer Einschränkung des Konsums im Alter so oder so kein Weg vorbeigeht: Wenn wir die längere Lebensarbeitszeit rechtlich nicht verankern, dann werden wir das Rentenniveau absenken müssen – mit der Folge, dass das Konsumniveau der Rentner sinkt oder sie sich etwas dazuverdienen und damit eben doch länger arbeiten müssen; so geschieht dies bereits zunehmend. Wenn wir dagegen nicht nur nicht die Lebensarbeitszeit erhöhen, sondern auch nicht das Rentenniveau absenken, dann werden wir die Generation unserer Nachkommen so stark belasten müssen, dass deren Leistungsfähigkeit darunter leidet. Dann werden wir zwar höhere Beitrags-Sätze, nicht aber höhere Beitrags-Einnahmen für die Rentenkassen generieren – mit der Folge, dass wiederum nicht genügend Geld zum Verteilen pro Rentner bleibt, um deren Konsumniveau halten zu können; und dass die Rentner abermals werden dazuverdienen müssen, wenn sie das Konsumniveau halten wollen. Und für die ganz Schlauen unter uns: Wenn wir das Ganze nicht über Beiträge, sondern über Steuern oder Verschuldung finanzieren, dann ändert das auch nichts, auch wenn es nicht immer direkt sichtbar ist.

Politik und deren Beobachter und Kommentatoren können sich gewiss der Illusion hingeben, alles steuern zu können. Sie können ökonomische Weltsichten – so es diese gibt – mit ökonomischer Sachlogik verwechseln und sich der Illusion hingeben, sie können nicht nur das eine, sondern auch das andere ändern. Nur helfen solche Illusionen denen nicht, um die es geht. Nun dürfte es das Ziel der meisten Infotainer und Kabarettisten auch nicht sein, Gutes zu tun, sondern gut dazustehen. Das sei ihnen auch gegönnt, aber es trägt wiederum nichts zur Lösung des Problems bei. Es bleibt also abzuwarten, ob denn die bemerkenswert offene Prognose des Arbeitsministeriums vielleicht etwas zur Problemlösung beiträgt. Sinnvoll wäre es ja, aber abermals auch bemerkenswert.

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