Sollten die Euro-Staaten Rückkäufe griechischer Staatsanleihen finanzieren?
Von Roland Vaubel am 19. Juli 2011
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Das Institute of International Finance des internationalen Bankenverbandes schlägt vor, dass die Euro-Staaten Griechenland Kredite gewähren sollten, damit es seine Anleihen zu den derzeitigen reduzierten Kursen zurück kaufen kann. Glaubt man Medienberichten, so hat das Bundesfinanzministerium “Sympathien” für diesen Vorschlag. Die Banken versprechen sich von der Angebotsverknappung steigende Anleihekurse. Aber wie wäre es, wenn die Anleihen zu einem Kurs gekauft würden, der an einem Stichtag galt, als das Rückkaufprogramm noch nicht existierte und auch noch nicht diskutiert und erwartet wurde?
Der Rückkauf könnte auf diejenigen Anleihen beschränkt werden, die sich am Stichtag im Besitz von Banken des Euro-Währungsgebiets befanden. Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) vom Freitag halten die deutschen Banken 8,8 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen. Da die griechischen Staatsanleihen je nach Restlaufzeit am Markt mit Abschlägen von 10-50 Prozent gehandelt werden, wären die Kosten einer Rückkaufaktion sehr viel geringer als die 24 Mrd. Euro, die Deutschland zu dem griechischen Rettungspaket beisteuert.
Was würde aus den zusätzlichen subventionierten Krediten, die Griechenland von den Euro-Staaten erhalten würde? Würden sie vereinbarungsgemäß verzinst und zurückgezahlt? Und hätten die Euro-Staaten nicht wiederum Fehlverhalten belohnt und gegen das Bailout-Verbot verstoßen? Wenn die Banken Schutz vor einem griechischen Haircut suchen, weshalb verkaufen sie nicht von sich aus alle ihre griechischen Anleihen am Markt? Weil sie damit die Kurse noch stärker drücken würden? Oder wollen sie weiter als verletzlich erscheinen, damit die Politiker beunruhigt sind und auf Kosten der Steuerzahler Hilfe gewähren?
In dieser Situation bleibt der Politik nichts anderes übrig, als den Banken den sowieso unvermeidlichen Haircut zuzumuten, gleichzeitig aber noch einmal zu bekräftigen, dass sie keine systemrelevante Bank in den Konkurs entlassen wird. Dann kann sich die Lehman-Panik nicht wiederholen. Von Rückkäufen ist abzuraten.
Am 19. Juli 2011 um 14:52 Uhr
[...] Roland Vaubel: Sollten die Euro-Staaten Rückkäufe griechischer Staatsanleihen finanzieren? [...]
Am 19. Juli 2011 um 21:59 Uhr
Ich finde die Idee den Banken einen griechischen Haircut zuzumuten gleichzeitig aber keine systemrelevante Bank in den Konkurs zu entlassen gut! Würden sie dann bei Portugal, Irland Spanien und Italien das gleiche empfehlen?
Am 20. Juli 2011 um 14:42 Uhr
Ein weiteres interessantes Sanierungskonzept, das Gläubiger (schonend) beteiligen würde, hat Herr van Suntum vorgestellt. Die Idee dahinter wäre ein Rückkauf der griechischen Schuldtitel am Markt zum aktuellen Kurswert durch die EZB. Zu finden ist der Beitrag unter: http://www.insm-oekonomenblog.de/steuern/ein-sanierungskonzept-fur-griechenland/.
Am 22. Juli 2011 um 12:14 Uhr
@ INSM
Ja, aber was der Herr nicht zu verstehen scheint, ist, dass all diese Maßnahmen wiederum nur politische Lösungen sind und NIEMANDEM vor Ort wirklich helfen. Soll die EZB doch alles refinanzieren. Soll der IWF doch überall einspringen und drucken und drucken. Was bringt das bitte ? Es gibt keine finanzielle und “sozial politische” Stabilität ohne “wirtschaftliche Freiheit”. Was wir hier machen ist genau das was noch nie funktioniert hat: politischer Finanzsozialismus. Wer hat denn die Schulden angehäuft ? Es ist ( sind ) die Regierung ( en ). Warum haben wir in diesem Land so hohe Korruption ? Weil niemand dem “System” traut. In einem privaten Bankensystem sitzen zwangsweise IMMER verhandelnd, gebende und nehmende Parteien an EINEM Tisch. Denn dort ist das Ziel klar: Wachstum für alle Beteiligten ( und nicht für den sozialen Verteilungsapparat ). Hier wird per Dekret wie in Weissrussland einfach alles erlassen. Wir sind alle doomed.
Am 22. Juli 2011 um 21:47 Uhr
Spekulative Attacken lassen sich nicht mit Moralin bekämpfen sondern nur mit Geld, viel Geld – klotzig ausgegeben an der richtigen Stelle. Und weil wir das nicht tun, sind die Tage der Eurozone wie wir sie kennen gezählt. Es wird ordentlich krachen aber die Welt wird davon vorerst nicht untergehen. Aber die Nachkriegszeit ist nun endgültig vorbei. Das nach der Vereinigung wieder wirtschaftlich erstarkte Deutschland weiß mal wieder nicht, wo es hingehört. In der Tat scheint sich der Blick gen Osten zu richten. Nein die Geschichte wiederholt sich nicht so einfach. Aber bisweilen spielt sie ein Thema con Variazione.
Am 23. Juli 2011 um 17:32 Uhr
@ AngelTom,
die Frage ist doch auch was eine spekulative Attacke ist. Ist es nicht auch spekulativ von Politikern über die Zukunft von ganzen Ländern zu entscheiden und nicht zu wissen was Sie eigentlich vorhaben ? Gestern bei der Pressekonferenz von Frau Merkel sagte Sie doch nicht allen Ernstes, man wüsste was zu tun sei und man wird die gleichen Fehler nicht noch einmal begehen. Entweder wird Sie falsch beraten oder Sie hat keine Ahnung. In beiden Fällen sollte Sie Abstand nehmen und auf den Markt hören ( den Sie ja nicht zu kennen scheint ). Der sagt es wird nichts – bis dann die CDS wieder explodieren.