Frieden, Freiheit und Wohlstand
Zerstört der Euro den europäischen Traum?

„Wenn wir versuchen wollten, Europa zentralistisch zu organisieren und gleichzeitig zu einem mehr oder weniger geschlossenen Block zu schmieden, so ist das nicht weniger als ein Verrat an Europa.“ (Wilhelm Röpke)

Der europäische Stern scheint zu verblassen, wirtschaftlich und politisch. Von der Euphorie der Nachkriegsgenerationen ist nur noch wenig zu spüren. Der von vielen erhoffte Aufbruch in die Vereinigten Staaten von Europa ist abgeblasen, zumindest vorerst. Stattdessen herrscht immer wieder die blanke Angst vor einem Lehman 2.0. Es gelten die ungemütlichen Gesetze von Krisen: Irrationalität und Panik. Die rasch steigende Arbeitslosigkeit außerhalb Deutschlands zeigt das erschreckende Ausmaß der ökonomischen Misere. Vor allem die (mediterrane) Jugend verliert ihr Vertrauen in die europäische Zukunft. Mit der ökonomisch unsinnigen „Retterei“ wird viel politisches Porzellan zerschlagen. Schon wieder prägen offene Feindseligkeiten, oft auch Hass das Bild in Europa. Wirtschaftliches Licht am Ende des Tunnels ist nicht in Sicht.

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Der Kapitalismus: Das ungeliebte Kind der Deutschen

Gern einmal lässt sich Gregor Gysi mit dem Satz zitieren, dass der Kapitalismus sich nicht als das bessere System erwiesen habe, sondern dass er einfach nur übrig geblieben sei. Er weiß, warum er das gesagt hat, denn kaum etwas sichert den erheischten Applaus zuverlässiger als eine Spötterei über unser Wirtschaftssystem. Und in der Tat: Der Kapitalismus ist ein ungeliebtes Kind, ob man ihn nun mit diesem Begriff bezeichnet oder mit den Begriffen Marktwirtschaft, Soziale Marktwirtschaft oder was auch immer. Einer vom John-Stuart-Mill-Institut in Heidelberg in Auftrag gegebenen und vor einigen Tagen veröffentlichten Allensbach-Umfrage zufolge sehen 43 Prozent der Deutschen die Marktwirtschaft pauschal als Ursache sozialer Ungerechtigkeit. Nur 38 Prozent waren der Meinung, dass die Marktwirtschaft die Grundlage für soziale Gerechtigkeit lege. Andere Umfragen des Allensbach-Instituts kommen zu immer wieder vergleichbaren Ergebnissen. So hatten im Jahre 2010 38 Prozent der Deutschen keine gute Meinung von der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Schließlich zitierte der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine weitere Allensbach-Umfrage aus dem Jahre 2010, wonach in Westdeutschland in den Jahren 2007/2008 rund 35 Prozent der Westdeutschen und nur 20 Prozent der Ostdeutschen eine gute Meinung zum Wirtschaftssystem in Deutschland hatten, während knapp 40 Prozent der Westdeutschen und rund die Hälfte aller Ostdeutschen keine gute Meinung davon hatten.

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Von Marktwirtschaft und Moral, Freiheit und Glücksempfinden

Freiheit ist ein Schlüssel zum Glücksempfinden der Menschen. Dies lässt sich heutzutage durch empirische Studien belegen. Der amerikanische Politologe Ronald Inglehart untersuchte zusammen mit Roberto Foa, Christopher Peterson und Christian Welzel über den Zeitraum von 1981 bis 2007 den Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung, persönlicher Freiheit und dem damit einhergehenden Anstieg von Glücksempfinden und Lebenszufriedenheit. Die empirischen Ergebnisse lauten wie folgt: Vor allem die Möglichkeit der freien Wahl ist maßgeblich für Glück und Zufriedenheit, und zwar sowohl für den Einzelnen wie auch für eine ganze Nation. Wahlfreiheit wird durch drei Parameter begünstigt: Von primärer Bedeutung ist die wirtschaftliche Entwicklung bzw. das Wirtschaftswachstum eines Landes. Je höher der Wohlstand ist, desto geringer wird die Sorge um die materielle und persönliche Sicherheit.

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Die Verfassung der Freiheit und das Elend des ökonomischen Liberalismus

In Zeiten der Finanzmarktkrise hat der ökonomische Liberalismus einen schweren Stand. Und dies ist nicht ganz unverschuldet. Gleichzeitig hat der klassische Liberalismus einer ökonomisch gebildeten, aber weit ins Sozial- und Rechtsphilosophische ausgreifenden Art  wieder deutliche Aufmerksamkeit verdient. Hierfür stellvertretend steht die Haltung von Friedrich A. von Hayek, spätestens seit der vor genau 50 Jahren veröffentlichten „Verfassung der Freiheit“. Zumindest jenseits einer recht blamierten Schmalspurökonomik (meinen Eindrücken zufolge) hat diese Art von Liberalismus die ihm zukommende Aufmerksamkeit nun auch wieder erlangt. Außer Keynes sehe ich fast nur Hayek als einen Ökonomen, der nicht nur im 20. Jahrhundert, sondern wohl noch für viele Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Sozial- und Geisteswissenschaften auf sich ziehen dürfte. Für diese These kann ich hier nur vor allem Hayek und nur selektive Argumente kurz und hoffentlich provokant vorbringen.

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Terra incognita, Wirtschaftskrise und Unternehmertum
Vergesst staatliche Ausgabenprogramme, lasst Unternehmer unternehmen

Die Weltwirtschaft steht auf der Kippe. Unternehmen brechen die Aufträge weg, in manchen Branchen drastisch. Im Anlage- und Maschinenbau stürzten im Dezember die Aufträge um über 40 % ab. Eine tiefe Rezession scheint unausweichlich. Unternehmen drosseln die Produktion, Kurzarbeit nimmt zu, die Arbeitslosigkeit steigt an. Viele Blicke richten sich nun auf die Politik, sie soll es richten. Und sie nutzt die Gunst der Stunde. Notenbanken öffnen weltweit die geldpolitischen Schleusen, Regierungen gehen fiskalpolitisch in die Vollen, ordnungspolitische Grundprinzipien werden außer Kraft gesetzt, Protektionismus wird wieder hoffähig. Überall ist der Staat auf dem Vormarsch. Die staatliche Verschuldung erreicht schwindelerregende Höhen, zukünftige Generationen stehen vor einem Scherbenhaufen.

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Was Unternehmer wollen

Die Wirtschaft eines Landes blüht erfahrungsgemäß immer dann, wenn eine Wirtschaftsordnung ihren Akteuren genügend wirtschaftliche Freiheit lässt. In einem solchen Umfeld entwickelt sich eine Kultur der Übernahme von Risiken. Pionier- und Gründergeist entstehen, die Bevölkerung gewinnt eine positive Einstellung zu unternehmerischem Handeln. Dies fördert Entrepreneurship, die Wirtschaft wächst und gedeiht. Die Akteure werden belohnt für ihren Mut zu risikobehaftetem, selbständigem und kreativem Handeln.

Doch für florierendes, dynamisches Unternehmertum ist nicht nur eine liberale Ordnungspolitik eine zentrale Voraussetzung. Werden Unternehmer oder bestimmte Unternehmergruppen gesellschaftlich stigmatisiert, wird dynamisches Entrepreneurship ausgebremst. Das ist nicht anders als bei Krisen der Märkte oder fehlendem Humankapital. Das Gewicht der einzelnen Bremsfaktoren hängt von der spezifischen Situation eines Landes, eines Sektors, ja, sogar einer Branche und eines einzelnen Unternehmers ab.

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