Schlechte Nachrichten von der Bundespressekonferenz
Kriminalstrafen für Doping

Thomas de Maziere (CDU) und Heiko Maas (SPD) stellten kürzlich einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Doping vor. Diese initiative wurde allgemein mit Beifall begrüßt. Aber was geht es Aussenstehende und den Staat eigentlich an, wenn Spitzensportler sich dopen? Wenn ihre Verbände es nicht hinbekommen, entsprechende Kontrollen durchzusetzen, warum soll der Staat das tun? Niemand muss Spitzensport betreiben und niemand muss sich dopen, um mitzumachen. Das sind private Entscheidungen, die auch privat bleiben sollten. Und natürlich können wir alle weiter Sport betreiben, ohne uns zu dopen.

Das Interesse der Zuschauer an sauberem Sport kann kaum begründen, warum hier mit dem Strafrecht eingegriffen werden soll. Es handelt sich schließlich nicht um ein Phänomen wie Bestechung. Die Schädlichkeit von Bestechung für das soziale Leben ist offenkundig. Aber erwachsene Sportler schädigen erst einmal sich selbst. Dabei steht außer Frage, dass unmündige Personen, insbesondere Kinder, davor geschützt werden müssen, dass ihnen leistungssteigernde Substanzen eingeflösst werden. Insoweit gibt es ein schutzwürdiges Interesse. Doch die Sportler, um die es geht, sind jedoch keine Kinder. Wir haben es in der Regel mit erwachsenen Menschen zu tun, die wir für ihr eigenes Tun verantwortlich halten sollten. Als Gesellschaft und Staat sollten wir uns heraushalten.

Im Arbeitsleben dürfen die “wokaholics“ ja auch immer noch so viel arbeiten, wie sie wollen. Legale leistungssteigernde Substanzen wie Kaffee führen wir uns zu und viele haben begonnen, sich an den Hochschulen mit Ritalin zu “dopen“, um länger wach bleiben und mehr leisten zu können. Diese Bereiche mit den Mitteln des Strafrechts beackern, läge näher als im Falle des Sports, doch will das hoffentlich niemand tun.

Als nachdrücklicher Anhänger dieses demokratischen Rechtsstaates bin ich besorgt, wie mit der Grundlage aller bürgerlichen Freiheit, dem Schutz der Privatautonomie umgegangen wird. All den Muff, der früher unser Privatleben verpestete – vom Verbot homosexueller Beziehungen bis zum Kuppeleiparagraphen – sind wir los geworden und nun züchten wir uns ohne Not neue Schnüffelei im Privatleben an. Was soll das?

 

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