Donald Trump, der Rent-Seeker

Donald Trump hat im Wahlkampf bereits viele seltsame Dinge gesagt. Sein oft unberechenbares, aber doch berechenbar extrem narzisstisches Verhalten und Reden führt in den Vereinigten Staaten gar zu einer angeregten Diskussion über die psychische Gesundheit des Kandidaten. All das sind wohl bereits gute Gründe sich, wenn auch eher resigniert als begeistert, Frau Clinton als nächste amerikanische Präsidentin zu wünschen. Aber aus ökonomischer Sicht gibt es da noch einen weiteren Punkt, der in deutschen Diskussion bisher etwas unterbelichtet ist: Trump als Präsident wäre vermutlich ein fürchterlicher Wirtschaftspolitiker.

Diese Prognose mag zunächst überraschen. Sollte nicht ein erfolgreicher Geschäftsmann, dessen unternehmerische Lebensleistung je nach Schätzung zwischen rund einer und eher zehn Milliarden bewertet wird, etwas von Wirtschaft verstehen? Ja und nein. Trump versteht sehr gut, wie man aus einem vom Vater zur Verfügung gestellten acht- bis neunstelligen Startkapital einen zehn- bis elfstelligen Betrag macht, und zwar in einem politisch und mafiös verfilzten Sektor wie der New Yorker Baubranche. Gerade dieser geschäftliche Erfolg lässt jedoch wirtschaftspolitisch Schlimmes erwarten.

Trump hat gelernt, die Wirtschaft als eine Arena zu verstehen, in der Nullsummenspiele stattfinden. Geld mit Bürogebäuden in New York macht er, wenn sich Unternehmen dort niederlassen und nicht an der Westküste. Geld mit Kasinos in Atlantic City verliert er, wenn die Urlauber ihr Vergnügen lieber weiter in Las Vegas suchen. Der eine gewinnt, der andere verliert. Trump will gewinnen.

Wenn man dieses einzelwirtschaftlich rationale Denkmuster auf die Gesamtwirtschaft überträgt, dann drohen natürlich Unheil und Irrsinn. Das wissen schon beginnende VWL-Studenten. Bei Trump äußert sich dies in Forderungen wie denen nach der Einführung neuer Handelsbarrieren, oder auch nach einer Begrenzung von Einwanderung, die zum einheimischen Arbeitsangebot eigentlich eher komplementär ist, als mit diesem in einen Wettbewerb zu treten. Aber so denkt der Nullsummen-Ökonom: Die Gewinne eines chinesischen Unternehmens sind solche, die ein Amerikanisches nicht macht, und die Einkommen der mexikanischen Aushilfskraft fehlen einem Amerikaner.

Es wird allerdings noch schlimmer. Trump hat nämlich keinen Respekt für Eigentumsrechte, die nicht seine eigenen sind. In den Vereinigten Staaten ist Vera Coking im Wahlkampf zu relativer, posthumer Berühmtheit gelangt. Der Grund hierfür ist ihre Verwicklung in einen langjährigen Rechtsstreit mit Donald Trump. Dieser wollte in den 1990er Jahren in Atlantic City das Grundstück, auf dem Cokings Haus stand, seinem Kasino-Komplex einverleiben, aber Coking weigerte sich partout zu verkaufen. Was also tun?

Trump setzte seine hervorragenden Kontakte zur Lokalpolitik ein. Diese wiederum nutzte eminent domain, die amerikanische Variante der Enteignung im öffentlichen Interesse, um das Eigentum am Grundstück an Trump zu transferieren; die Entschädigung hätte einen Bruchteil des realistischen Marktwertes betragen. Coking gab jedoch immer noch nicht auf, beschritt den Rechtsweg und setzte sich hier auch durch. Trump bekam das Grundstück in diesem Fall also nicht. Gescheitert ist er jedoch an der unabhängigen Justiz, nicht an fehlendem politischem Einfluß.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass Trump die Politik vor allem als Instrument zur Durchsetzung sehr spezieller Interessen sieht. Politik ist der Hebel, den man nutzt, um im Nullsummenspiel zu gewinnen. Ökonomen nennen so etwas rent-seeking, also den Versuch, Geschäfte auf Gegenseitigkeit zwischen Unternehmen und Politik zu organisieren, damit letztere den Wettbewerb aushebelt oder Eigentumsrechte infrage stellt mit dem Ziel, den Einfluß nehmenden Unternehmen Einkommen zu sichern, die diese im Wettbewerb nicht erzielen könnten.

Nach allem, was man aus Trump-Biographien (und autobiographischen Quellen!) erfahren kann, beherrscht er das Spiel des rent-seeking virtuos. Sollte er aber irgendwann auf der anderen Seite des Tisches sitzen, nunmehr als Politiker, so können die Folgen desaströs sein. Man kann sich darauf einstellen, dass die Durchsetzung von wettbewerbsfeindlichen Praktiken offener, schamloser und häufiger erfolgen wird, als ohnehin schon. Denn gerade dies ist ja das Vorgehen, das Trump erst erfolgreich gemacht hat. Es ist sein tägliches Brot und für ihn sicher nicht anrüchig.

Zwar brüstet sich Trump im Wahlkampf oft damit, seine Kampagne großteils selbst zu finanzieren und von Großspendern unabhängig zu sein. Das sollte man aber nicht allzu ernst nehmen. Schon seine außenhandelspolitischen Statements sind letztendlich nichts anderes als eine Einladung an einheimische Unternehmen, protektionistische Wunschzettel zu schreiben und diese bei einer von Trump geführten Regierung einzureichen. Über die zu erbringenden Gegenleistungen wird man sich dann unterhalten müssen.

The Art of the Deal war der Titel seines ersten Bestsellers, ein Manifest des Nullsummendenkens, dem die Vorteile einer freien Wettbewerbsordnung mit einer klaren Trennung zwischen politischer Macht und unternehmerischem Handeln ziemlich fremd sind.

3 Antworten auf „Donald Trump, der Rent-Seeker“

  1. Aber die Baubranche hat doch nichts mit Geld zu tun … . Es ist die Möglichkeit das gebaute zu monetarisieren, dass ihn “reich” macht. Es ist das Geldwesen, dass dies ermöglicht. Es sind die Bilanzierungsmethoden im Hypothekarmarkt, die dafür verantwortlich sind. Es gibt eine gute, kurze chronologische Zusammenstellung des Office of Inspector General über den öffentlichen Häusermarkt und wie dieser durch die letzten Jahrzehnte aufgebläht wurde.

    Er ist doch nur ein Account Pusher, wie so viele andere auch. Rechnungen nie selber bezahlen, das kannten auch schon die alten Römer … .

    Es ist wie es ist: wir leben in einer verfilzten Puffgesellschaft. Aber war es je anders ?!

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