Rentenpaket 2025
Dachdecker, Drohnen und Demographie

Das am 5. Dezember 2025 beschlossene Rentenpaket steht sinnbildlich für eine Politik, die demografischen Druck weniger mit Reformen begegnet als mit dem Verschieben von Lasten in die Zukunft. Der Beitrag zeichnet nach, wie Deutschland seit den 1980er Jahren immer wieder Anläufe zur Stabilisierung der Rentenfinanzen unternommen hat – und warum dieser Reformgeist zuletzt erkennbar erlahmt ist. Im Zentrum steht die Frage, ob intergenerationelle Tragfähigkeit ohne mehr Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Freiheit überhaupt zu sichern ist. Am Ende geht es um eine Grundsatzentscheidung: Anpassung und Dynamik – oder teuer erkaufte Ruhe auf Kosten kommender Generationen.

Ein Dachdecker, der per Drohne ein Dach inspiziert. Und ein Kanzler, der sich im Bundestag eine Mehrheit für ein Rentenpaket sichert – gegen Widerstand in der eigenen Partei. Zwei Beobachtungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Bei näherem Hinsehen markieren sie jedoch zwei gegensätzliche Antworten auf dieselbe Herausforderung: Reagieren wir auf den demographischen Druck mit Anpassung, Innovation und Produktivitätsfortschritt – oder versuchen wir, politische Ruhe zu erkaufen, indem wir Lasten in die Zukunft verschieben?

Der Beschluss des sogenannten Rentenpakets am 5. Dezember 2025 – nach gerade einmal rund einer Stunde Aussprache – deutet eher auf Letzteres. Deutschland hat sich damit ohne Not fiskalisch für die kommenden Jahrzehnte an die Kette gelegt. Ernsthaft zu stören scheint das aber kaum jemanden. Wie konnte es dazu kommen – und wie geht es nun weiter?

Von Biedenkopf zum Nachhaltigkeitsfaktor: Reformideen und ihr schwindender Rückhalt

Das Rentenpaket hat eine lange Vorgeschichte. Schon in den 1980er Jahren brachten Kurt Biedenkopf und Meinhard Miegel das Thema Demographie in die politische Debatte ein. In den 1990er Jahren folgte eine Enquête-Kommission zum demographischen Wandel und dessen Herausforderungen für Gesellschaft und Politik. In den frühen 2000er Jahren war es schließlich die Rürup-Kommission zur Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, die zentrale Ideen entwickelte, wie die Alterungslasten zwischen den Generationen verteilt werden könnten. Diese Überlegungen fanden sich – vor allem in Form des Nachhaltigkeitsfaktors – im RV-Nachhaltigkeitsgesetz von 2004 konkret in der Gesetzgebung wieder.

Auch wenn dieses Gesetz keine Ideallösung war, hatte es doch eine potenziell langfristig stabilisierende Wirkung. Vor allem aber war es ein letztes politisches Aufbäumen gegen die absehbare Wucht des demographischen Wandels. Es gelang nicht zuletzt deshalb, weil Bundeskanzler (und Mittfünfziger) Gerhard Schröder eine rotgrüne Koalition anführte, die – gemessen an heutigen Verhältnissen – eine blutjunge Wählerschaft repräsentierte. Selbst wenn CDU und CSU einzelne Elemente nicht mittragen wollten, dürften sie mit der Stoßrichtung einverstanden gewesen sein. In einem Interview aus dem Jahr 2000 etwa spricht der damalige Fraktionsvorsitzende (und Mittvierziger) Friedrich Merz von einer „Rentenabsenkung, die auch wir für notwendig halten, weil es eben um einen wirklich neuen Generationenvertrag zwischen Jung und Alt geht“.

Dass dieser Kompromiss politisch nicht für die Ewigkeit bestimmt sein würde, ließ sich früh erahnen. Hans-Werner Sinn und Silke Übelmesser, die inzwischen zum Mitglied der neu berufenen Rentenkommission ernannt worden ist, formulierten 2003 nach Simulationsanalysen zur Wirkung der Demographie auf die sozialen Sicherungssysteme nüchtern: „After 2016, Germany will be a gerontocracy.“ In der Praxis setzte jedoch schon vor 2016 das schrittweise Zurückdrehen oder Umgehen von Regeln ein, sobald Rentenanpassungen politisch nicht opportun erschienen. Teilweise waren Abweichungen im RV-Nachhaltigkeitsgesetz als Möglichkeit angelegt, teilweise handelte es sich um rein diskretionäre Eingriffe; mit der eigentlichen Rentenformel waren sie – wie etwa das Aussetzen der sogenannten „Riester-Treppe“ 2008/2009 – nicht vereinbar.

Die 2010er Jahre waren von rentenpolitischem Übermut geprägt – befeuert durch eine günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Eine stetig steigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse ließ die Sozialkassen vermeintlich solide wirken und lud zu Wohltaten wie der „Mütterrente I und II“ sowie den Altersrenten für langjährig und besonders langjährig Versicherte (Stichwort: „Rente mit 63“) ein. Dass diese Maßnahmen langfristige Verpflichtungen schufen, die – so die Warnung praktisch aller Rentenfachleute – wegen des Renteneintritts der Babyboomer-Generation ab Mitte der 2020er Jahre schwerlich einzuhalten sein würden, sowie starke Anreize für besonders produktive Arbeitskräfte setzten, frühzeitig ihre Tätigkeiten aufzugeben, wurde ignoriert. Politisch plausibel war das, weil gerade „rentennahe“ Wählergruppen und Parteimitglieder besonders mobilisierungsfähig sind. Ökonomisch war es ein riskanter Blindflug.

Rentenpaket 2025: Mehrheitssicherung statt Generationengerechtigkeit

Nun also das nächste Rentenpaket: Seine politische Dimension lässt sich vordergründig noch stärker durch taktische Erwägungen bei der Gewinnung von Mehrheiten unter älteren Kohorten erklären – innerhalb wie außerhalb der beteiligten Parteien. Merz ist, stellvertretend für seine Koalition, erkennbar im politischen Rentenalter angekommen. Politökonomisch ist das nachvollziehbar: Parteien reagieren auf die Altersstruktur ihrer Wählerschaft und – vermutlich noch stärker – auf die ihrer Mitgliederschaft. Und doch überrascht das Paket – nicht, weil es Reformdruck gäbe, sondern weil es diesen Reformdruck demonstrativ beiseiteschiebt.

Anders als es der Streit mit der Jungen Gruppe innerhalb der Unionsfraktion vermuten lässt, gab es kaum Dissens darüber, dass die Idee einer einigermaßen „gerechten“ Verteilung der Alterungslasten zulasten der jungen Generation verschoben wird. Die jungen Abgeordneten störten sich vor allem daran, dass die Beibehaltung der Haltelinie nicht nur bis 2031 gelten, sondern darüber hinaus fortgeschrieben werden sollte – und damit ab den 2030er Jahren den dann amtsführenden Bundesregierungen erheblichen finanziellen Handlungsspielraum nehmen würde. Das ist ehrenwert. Aber schon die Verlängerung bis 2031 sendet das Signal, dass Deutschland nicht nur in der Gerontokratie angekommen ist, sondern durch sie schneller als gedacht handlungsunfähig zu werden droht.

Dazu passt die auffällige gesellschaftliche Nichtdiskussion über Demographie und Renten. Die entscheidende Debatte im Bundestag spielte in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem als Machtfrage eine Rolle: Würde es Merz gelingen, eine Kanzlermehrheit für das Paket zu organisieren? Um Inhalte ging es kaum. Gleichzeitig wurde in sozialen Medien die Mär verbreitet, ein Zurückfallen des Rentenniveaus bedeute eine absolute Rentenkürzung. Außer Fachleuten und Mitgliedern der Jungen Gruppe machte sich kaum jemand die Mühe, diesen Eindruck zu korrigieren. Am Ende spielte es politisch allerdings auch keine Rolle, weil es vorrangig um Machterhalt und Parteipolitik ging. Welch ein Kontrast zum Verhalten Gerhard Schröders, der in einer Mischung aus Mut und Dreistigkeit seine Agenda-Reformen durchdrückte – ohne sich darauf verlassen zu können, dass dies politisch kurzfristig erfolgreich sein würde.

Rentenkommission nach dem Beschluss: Umverteilung als Ersatzdebatte

Vor diesem Hintergrund wirkt die Einsetzung der neuen Rentenkommission fast wie ein Ärgernis – nicht, weil die Mitglieder schlecht gewählt wären, im Gegenteil: Sie sind klug ausgewählt und bringen viel Kompetenz ein. Ärgerlich ist die Reihenfolge. Was wäre möglich gewesen, hätte man die Kommission zuerst tagen lassen und erst danach ein Rentenpaket beschlossen? Die Zeit wäre vorhanden gewesen. Nun ist es umgekehrt: Die Bundesregierung hat mit dem Rentenpaket die zentrale Verteilungsfrage zwischen den Generationen politisch vorentschieden. Hinter diese Position wird sie kaum zurückgehen, denn mit der Entscheidung haben sich ihre Anreize verändert: Die Angst, bei einer betagten Klientel massiv an Stimmen zu verlieren, wenn der gerade erst etablierte Status quo erneut angetastet wird, ist zu groß.

Wie die Kommission politisch „verarbeitet“ werden soll, lässt sich schon jetzt beobachten. Kaum war das Paket beschlossen, versuchte vor allem die SPD ein neues Narrativ zu etablieren: Nun gehe es darum, langjährigen Rentenbeziehern mit geringen Ansprüchen eine auskömmliche Rente zu sichern – durch Umverteilung von wohlhabenderen zu weniger wohlhabenden Rentnern sowie durch die Einbeziehung weiterer Personengruppen (Beamte, Selbständige, Politiker) in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV). Beides kann man diskutieren; beides ist jedoch kein brauchbarer Ansatzpunkt, um den Kern der intergenerativen Herausforderung zu adressieren: die Frage, wie die Lasten des demographischen Wandels „gerecht“ auf Junge und Alte verteilt werden sollen. Während die erste Maßnahme intragenerative Umverteilung betrifft, würde die zweite – sofern sie nicht mit einer klaren Übergangslogik und einer nachhaltigen Anpassung der Leistungszusagen verbunden ist – vor allem eines tun: das Umlagesystem vergrößern und damit die implizite Staatsverschuldung erhöhen, weil mit zusätzlichen Beitragszahlern auch zusätzliche (zumeist überdurchschnittlich hohe) Ansprüche entstehen.

Voraussichtlich wird die Rentenkommission Vorschläge zu beidem machen – zu inter– und intragenerativer Umverteilung. Doch die Regierung wird am Ende die intergenerativen Vorschläge, darunter vermutlich eine Anpassung des Renteneintrittsalters, nicht weiterverfolgen, sondern selektiv Vorschläge zur intragenerativen Umverteilung aufgreifen. Deren Umsetzung erscheint politisch leichter, weil in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Umverteilungsdiskurse populär sind: In bester Nullsummenspiel-Logik gibt es vermeintlich bei „den anderen“ (Reiche, Beamte, Selbständige) etwas zu holen, das man hofft, hin zu sich selbst umlenken zu können. Dass dabei in der GRV am Ende vielfach bereits die gehobene Facharbeiterschicht zahlen muss, dürfte den wenigsten klar sein. Hinzu kommt – etwas allgemeiner formuliert – das Aufbrechen des Äquivalenzprinzips in der Rentenberechnung: Wenn Beitragszahler realisieren, dass Anwartschaften politisch unterschiedlich bewertet werden, wächst der Verdruss. Vertrauen ist aber die zentrale Ressource eines umlagefinanzierten Systems – und Leistungsbereitschaft ist sein Rohstoff.

Die Tatsache, dass sich die aktuelle Regierungskoalition – vermutlich nicht ganz zu Unrecht – zur „letzten Patrone der Demokratie“ stilisiert, muss vor diesem Hintergrund größte Sorgen bereiten. Die Schröder-Regierung war in ihrer ersten Legislaturperiode noch weit von einer echten Reformkoalition entfernt und benötigte eine weitere Amtszeit (und sich weiter verschlechternde Wirtschaftsdaten), ehe sie sich zur Agenda 2010 aufschwang. Eine Wiederwahl einer Merz-Regierung, die in einer zweiten Amtszeit die heute vertagten Reformen angeht, erscheint derzeit nahezu ausgeschlossen. Eine Bevölkerung, die sich der Reformnotwendigkeiten teilweise bewusster zu sein scheint als die Regierung, wird die jetzige Zögerlichkeit kaum goutieren – mit möglicherweise fatalen Folgen, wenn Parteien an den extremen Rändern bei den kommenden Wahlen weiter an Stärke gewinnen.

Inwieweit sich die Regierungsparteien dieser Problematik bewusst sind, ist schwer auszumachen. Schon die Ampelregierung unter Olaf Scholz war nicht in der Lage zu erkennen, dass das fleißige Abarbeiten des Koalitionsvertrags an den neuen geopolitischen Realitäten in der Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vorbeiging. Die Kraft, den Koalitionsvertrag – oder allgemeiner die Regierungspolitik – konsequent neu auszurichten, fehlte. Auch jetzt hört man aus der Bundesregierung, man komme gut mit dem geplanten Arbeitspensum voran – offenbar ohne wahrzunehmen, dass die Bewertung einer Koalition nicht von der Anzahl an beschlossenen Nice-to-have-Gesetzen abhängt, sondern von wenigen Schlüsselthemen. Ausgerechnet bei einem dieser Schlüsselthemen – der langfristigen Tragfähigkeit der sozialen Sicherung – kommt man aber nicht voran.

Produktivität als Schlüssel: Warum wirtschaftliche Freiheit soziale Sicherung ermöglicht

Die Begleitmusik zu dieser Entwicklung gibt unterdessen noch mehr zu denken: die weitverbreitete Angst vor Marktwirtschaft und Wettbewerb in den Parteien, die aber auch einen Nerv in der breiten Bevölkerung trifft. Umlagefinanzierte Rentensysteme haben zwar eine „biologische“ Verzinsung, die gerade immer weiter sinkt; eine kleiner werdende Anzahl von Beitragszahlern kann jedoch teilweise kompensiert werden, wenn die Produktivität steigt – und damit Wertschöpfung, Löhne und Sozialbeiträge. Genau an dieser Stelle wird wirtschaftliche Freiheit zur Voraussetzung sozialer Sicherung. Wer eine höhere Produktivität will, muss Innovation, Investitionen, Gründungen, technologischen Wandel und die schnelle Diffusion neuer Verfahren ermöglichen – und das gelingt nur, wenn Regeln und Bürokratie nicht erdrücken, Märkte funktionieren und die Gesellschaft Unternehmern und Betrieben mit einem Mindestmaß an Zutrauen begegnet.

Anstatt alles daran zu setzen, die Produktivität zu erhöhen und die Marktkräfte zu entfesseln, bleibt Deutschland jedoch verzagt. Man kann sich nicht einmal dazu durchringen, das Bildungssystem energisch nach vorne zu bringen, obwohl dies mittel- bis längerfristig der beste Garant für wirtschaftlichen Erfolg ist. Wachstum sah man zuletzt oft eher im Verwaltungsapparat und beim Erfüllungsaufwand – also dort, wo man deutlich lieber Schrumpfung sähe. Wer aber Wachstum in der Realwirtschaft bremst, verengt zwangsläufig den Spielraum zur Finanzierung des Sozialstaats – und macht Verteilungskonflikte wahrscheinlicher, nicht unwahrscheinlicher.

Die dahinterliegende „German Angst“ korrespondiert dabei mit einem eigentümlich statischen Denken, das so gar nicht in unsere dynamische Welt passt. Von Adenauers „Kinder kriegen die Leute immer“ bis zu „die Haltelinie heute sichert meine Rente in 40 Jahren“ der Jusos ist das Muster ähnlich: Wenn wir heute ein Gesetz erlassen, das einen Tatbestand festschreibt, dann glauben wir, dessen Folgen ließen sich in eine beliebig ferne Zukunft extrapolieren – weil Menschen und Unternehmen sich vorhersehbar immer genau gleich verhalten werden (und zwar so wie vor der Einführung des Gesetzes). Dass die Zahl eigener Kinder, die Arbeitsstunden oder die Wohnortwahl, ebenso aber die Mitarbeiterzahl, der Produktionsstandort oder das Investitionsvolumen eines Unternehmens unveränderliche, exogene Variablen sind, kann nur ein Ignorant ernsthaft annehmen. Anders gewendet: Wenn ein Unternehmen eine Investition für die kommenden 15 Jahre – einschließlich der in der Diskussion um das Rentenpaket so betonten, fiskalisch kritischen 2030er Jahre, die absehbar von Steuererhöhungen begleitet sein werden – plant, wie attraktiv ist dann der Standort Deutschland am heutigen Tage?

Mehr politisches und gesellschaftliches Zutrauen in Unternehmen und Marktwirtschaft würde die fiskalische Lage deutlich entspannen: wirtschaftlicher Erfolg käme dann nicht „trotz der“, sondern idealerweise im Zusammenspiel „mit einer“ angebotsseitig orientierten Politik zustande. Gerade der mehr als unglückliche Zusammenstoß von Arbeitsministerin Bärbel Bas und den Unternehmensverbänden im Dezember ist eine Erinnerung daran, wie schnell Misstrauen in Lagerdenken kippt – und wie teuer dieser Reflex am Ende wird. Es bleibt zu hoffen, dass beide Seiten sich zusammenraffen, ohne dass zuvor die deutsche Wirtschaft noch mehr in die Krise geraten muss.

Und wenn, dann könnte ausgerechnet der Dachdecker zum Symbol für eine neue wirtschaftliche Dynamik werden, der – in Nachfolge der Trümmerfrau – seit Jahren durch Deutschlands Rentendebatten geistert, weil er ein allzu schönes Sinnbild für die vermeintliche Unmöglichkeit darstellt, im höheren Alter noch handwerkliche Berufe auszuüben. Dieses Bild verstellt, wie modern der Dachdeckerberuf ist und wie sehr sich die Betriebe den Herausforderungen der Nachwuchsgewinnung, der Arbeitssicherheit und der Produktivitätssteigerung angepasst haben. Dachdecker-Innungen präsentieren sich auf Berufsmessen beispielsweise mit dem „Dachmobil“ – mit einem Drohnenflugsimulator als Highlight.

Dachdecker fliegen heute Drohnen, weil man damit schnell und kostengünstig Dachinspektionen vornehmen kann, ohne zunächst selbst auf das Dach steigen zu müssen. Drohnenfliegen mag noch nicht die ultimative Lösung für die beruflichen Herausforderungen älterer Dachdecker sein. Aber es ist ein Zeichen dafür, was unter dem Druck von Marktkräften geschieht: Anpassung in Richtung Innovation und höherer Produktivität – und nebenbei auch mehr Arbeitnehmerfreundlichkeit. Genau dieser Mechanismus wird in der Rentendebatte regelmäßig unterschätzt: Ein höheres Renteneintrittsalter bedeutet nicht, dass ein 67-Jähriger zwangsläufig „so arbeitet wie früher“. Es bedeutet, dass ein Arbeitsmarkt und eine Wirtschaft, die frei genug sind, sich zu verändern, Tätigkeiten, Technologien und Erwerbsbiographien so verschieben können, dass längeres Arbeiten realistisch und würdevoll wird – für das Handwerk genauso wie für die Büroarbeit. Wie schnell Veränderungen kommen können, zeigt der rasant zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz eindrücklich.

Sinnbildlich steht Entwicklung bei den Dachdeckern für das Potenzial, das die deutsche Wirtschaft haben kann, um Wohlstand zu schaffen und soziale Sicherung zu wahren – ganz im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft. Dazu muss allerdings die – mit dem Alter tendenziell auch noch zunehmende – Verzagtheit und Mutlosigkeit in Deutschland überwunden werden. Auch wenn manche ihn auf ihre politische Agenda gesetzt haben und kräftig befeuern, ist ein harter Verteilungskampf keinesfalls unausweichlich. Die Entscheidung für das Rentenpaket hat die Aussichten für Deutschlands Volkswirtschaft und sein Gesellschaftsmodell verschlechtert. Noch ließe sich jedoch mit einer konsequenten und mutigen Wachstumsagenda das Schlimmste verhindern – und damit auch der Spielraum für tragfähige, generationengerechte Reformen zurückgewinnen.

Das setzt politischen Mut voraus. Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion hat gezeigt, dass Zukunftsorientierung in der deutschen Politik auch in demographisch schwierigen Zeiten möglich ist (auch wenn es mit der Standfestigkeit am Ende nicht ganz gereicht hat). Gerne dürfen sich die jungen Abgeordneten anderer Parteien, insbesondere auch der SPD, dem anschließen. Wer, wenn nicht die Jungen, sollte das Land nach vorn bringen?

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Bernd Raffelhüschen (ALU, 2025): Rentenversicherung generationengerecht reformieren

Norbert Berthold (JMU, 2024): Rentenpolitische Raubüberfälle. Leben die Boomer auf Kosten der Kinder anderer Leute?

Norbert Berthold (JMU, 2021): Demographie, Klimawandel und Generationenkonflikte. Hat die Demokratie eine inter-generative Schlagseite?

Norbert Berthold (JMU, 2016): 22-43-67-4. Der „Da Vinci-Code“ der Alterssicherung

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Sanierungsfall Sozialversicherungen?! Reformansätze für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung

Prof. (em.) Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespräch mit Prof. (em.) Dr. Bernd Raffelhüschen (ALU).

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