Zwischenruf
Parteienlandschaft
Die Zukunft ist grün?

Die Grundstrukturen der Parteienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland waren über viele Jahrzehnte hinweg bemerkenswert stabil. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Wie sieht die Zukunft für die deutschen Parteien aus?  SPD und CDU lösen sich gerade auf. Die SPD weiß nicht, welche Wähler sie ansprechen möchte. Die traditionelle Arbeiterschaft gibt es nicht mehr und die Büroarbeiter wählen grün. Als Ersatz hat sich die SPD die Nicht-Arbeitenden auserkoren, aber damit lassen sich keine Mehrheiten gewinnen. Die CDU zerbricht an der Brandmauer. Sie wird zwar bald abgerissen werden, aber der Abriss selbst wird die Partei in zwei Teile spalten, die beide in Bedeutungslosigkeit versinken werden. Die FDP ist schon länger Geschichte. Damit tut sich zwischen der AfD und der Linken ein immer größeres Vakuum auf.

In Frankreich und Italien wurde das Vakuum in der Mitte aufgefüllt durch rechte Parteien, die bürgerlicher wurden. Die AfD kann so etwas nicht. Und zwar wegen Björn Höcke bzw. wegen seiner Fans, die in der AfD die Mehrheit haben. Die Linke kann es auch nicht, weil deren Demagogen nicht einmal verstehen wollen, dass Milliarden für die Verstaatlichung alter Wohnungen keinen einzigen Quadratmeter neuen Wohnraum schaffen. Und eine schlagkräftige Parteien-Neugründung ist in Deutschland ebenfalls nicht in Sicht.

Also bleiben nur die Grünen, um das Vakuum zu füllen. Dafür brauchen sie eine gewisse Erweiterung ihres programmatischen Horizonts, um die aus SPD und CDU  versprengten bürgerlichen Wähler besser anzusprechen. Vor allem aber brauchen sie eine charismatische Führungspersönlichkeit. Robert Habeck? Cem Özdemir? Auf jeden Fall sollte, wer politische Karriere machen will, sich rasch ein grünes Parteibuch zulegen.

Blog-Beiträge zum Thema:

Jörn Quitzau (Bergos, 2023): Strauchelnde Volksparteien, verspannte Gesellschaften. Kaum Besserung in Sicht

Norbert Berthold (JMU, 2019): Die Volksparteien zerbröseln Sind „linke“ und „rechte“ populistische Parteien nur Eintagsfliegen?

David Stadelmann (UBT, 2019) und Daniel Gottal (UBT, 2019): Junge und effizienzorientierte Politik durch Öffnung politischer Märkte

Norbert Berthold (JMU, 2019): Populistische Teufelskreise Ist wettbewerblicher Föderalismus ein Gegenmittel?

Norbert Berthold (JMU, 2018): Antikapitalistisch, fremdenfeindlich und nationalsozial. Was hilft gegen Populisten?

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