Gastbeitrag
KI-Steuer
Eine rettende Idee oder ein digitales Eigentor?

Die finanziellen Perspektiven der öffentlichen Haushalte in Deutschland sehen angesichts der demographischen Verschiebungen nicht rosig aus. Der Zuschussbedarf an die Sozialversicherungen wächst rapide und die Suche nach neuen Einnahmequellen für den Staat läuft auf Hochtouren. Neue Steuer-Kreationen kommen dabei jetzt auch aus dem Lager der CDU. Der Digitalminister Karsten Wildberger hat gerade die Einführung einer KI-Steuer empfohlen – eine Steilvorlage für Finanzminister Lars Klingbeil, der den Vorschlag freudig aufgegriffen hat (FAZ vom 14.10.2026). Schon zuvor hat die SPD Abgaben auf automatisierte Arbeit ins Gespräch gebracht (Merkur vom 12.9.2026). Was ist von einer KI-Steuer oder Robotersteuer zu halten?

Vorab sei darauf verwiesen, dass die Begriffe KI-Steuer und Roboter- oder Maschinensteuer in der aktuellen Diskussion meist synonym verwendet werden, obwohl erstere die Software und mehr den Dienstleistungssektor und letztere die Hardware und mehr die Industrie betrifft. Diese nicht ganz korrekte Gleichsetzung wird hier beibehalten, weil in beiden Fällen die Automatisierung menschlicher Arbeit Anknüpfungspunkt für die Besteuerung ist. Im einen Fall wird geistige, im anderen physische Arbeit ersetzt.

Die Digitalisierung schreitet mit riesigen Schritten voran. Besonders rasant ist das Entwicklungstempo bei der künstlichen Intelligenz (KI). Während in früheren Epochen technologische Neuerungen mechanische Arbeiten ersetzten, verdrängen sie heute Arbeitskräfte, die geistigen und kreativen Tätigkeiten nachgehen. KI wird von vielen Zeitgenossen als Bedrohung empfunden. Befürchtet werden hohe Arbeitslosigkeit, wegbrechende Einnahmen des Staates und eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich. Während die Kapitaleinkommen der KI-Eigner kräftig zunehmen, sind die Arbeitnehmer auf der Verliererseite, so wird argumentiert.

Angesichts dieses Zukunftsszenarios verwundert es nicht, dass die Idee einer Steuer auf die Nutzung von KI die Runde macht. Diese Abgabe soll wieder mehr Geld in die Bundeskasse spülen, damit die Regierung die Finanzlöcher der Sozialversicherungen stopfen und die KI-bedingten sozialen Verwerfungen abfedern kann. Den Bürgern soll u.a. ein bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt werden, so die Forderungen der Befürworter einer KI-Steuer.

Prominentester Befürworter einer Maschinensteuer ist der Microsoftgründer Bill Gates (DIE ZEIT vom 26. August 2026), der schon frühzeitig seine Thesen entwickelte. Er plädierte dafür, die Einnahmen aus dieser Steuer in Sektoren zu kanalisieren, in denen menschliche Arbeitskräfte aufgrund ihrer Fähigkeit zur Empathie unverzichtbar sind: in die Kinderbetreuung, die Bildung und die Altenpflege. Auch der ökonomische Nobelpreisträger Robert Shiller (SÜDKURIER vom 16. März 2018) hat eine befristete Steuer auf Roboter und KI angeregt, um das Tempo des technologischen Umbruchs zu drosseln und den betroffenen Menschen mehr Zeit für Anpassungen zu lassen.

Eine KI-Steuer stößt allerdings nicht nur auf Zuspruch, sondern auch auf erbitterten Widerstand. Die Gegner bezweifeln, dass es zu einer solch apokalyptischen Entwicklung kommt. Weiterhin argumentieren sie, dass die Robotersteuer eine Fortschrittsbremse par excellence sei und dass wir uns wirtschaftlich den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wenn wir sie installieren. Der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar hat diese Abgabe gar als „dümmste aller Reaktionen auf den digitalen Wandel“ bezeichnet (ebenda). Die Kritiker einer KI-Steuer argumentieren, dass das Ausbremsen dieser Technologie die Lösung von großen Menschheitsproblemen wie Krankheiten und Klimawandel verzögert und die Produktivitätszunahme bremst.

Bevor wir uns den historischen Erfahrungen mit technologischen Umbrüchen und den Argumenten der Gegner einer KI-Steuer zuwenden, beleuchten wir die Standpunkte der Befürworter dieser Abgabe etwas näher.

Strukturelle Arbeitslosigkeit und Erosion der Staatsfinanzen

Das Kernargument der Verfechter einer KI-Steuer basiert auf der Annahme, dass künstliche Intelligenz menschliche Arbeitskräfte in einem historisch noch nie dagewesenen Tempo und Ausmaß überflüssig macht. Im Dienstleistungssektor und in akademischen Berufen dringt die KI unbarmherzig in vormals menschliche Domänen ein. Die Grenzlinie zwischen Mensch und Maschine verwischt zunehmend, der Mensch scheint ganz durch die Maschine austauschbar zu sein. Wenn hoch entwickelte Algorithmen in Sekundenschnelle Aufgaben erledigen können, zu denen Menschen Wochen oder Monate brauchen, dann droht eine riesige Entlassungswelle und junge Akademiker bekommen keinen Job, so die These.

In modernen Industrieländern ist die Lohnsteuer eine bedeutsame Einnahmequelle für den Staat. Daran gekoppelt sind die Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Brechen die Arbeitseinkommen weg, was die Befürworter der KI-Steuer postulieren, so hat das katastrophale Auswirkungen auf die Haushalte der Gebietskörperschaften und der Sozialversicherungen. Befürchtet wird, dass Millionen von Steuer- und Beitragszahlern ihren Job verlieren. Die Einnahmeverluste für den Fiskus sind dann immens. Gleichzeitig steigt wegen der erforderlichen Umschulungsmaßnahmen der Bedarf an staatlicher Unterstützung, so dass den Staatsfinanzen der Kollaps droht.

Um das drohende Defizit zu decken, soll der Faktor ?apital durch die Robotersteuer auf intelligente Software und Robotik in dem Maße belastet werden, in dem das Lohnsteueraufkommen zurückgeht. Die Wertschöpfung der Maschine soll die weggebrochene Steuerkraft des Menschen ersetzen.

Verlangsamung der Transformationsgeschwindigkeit

Ein anderes Argument der Befürworter einer Robotersteuer besagt, dass der Staat den Übergang zu einer KI-getriebenen Wirtschaft verzögern muss, so dass den vom Wandel Betroffenen Zeit zur Anpassung und Umschulung bleibt. Die Transformation vollzieht sich heute in einem atemberaubenden Tempo, das die Menschen überfordert. Deshalb muss eine Bremse eingebaut werden.

Durch die KI-Steuer stünden Firmen vor der Wahl, weiterhin menschliche Arbeitskraft einzusetzen, oder eine Steuer auf die eingesetzte Maschine zu bezahlen, die den Menschen überflüssig gemacht hat. Dies sorge dafür, – so die Argumentation – dass der Arbeitsmarkt weniger stark unter Druck gerate. Die Betroffenen hätten nunmehr die nötige Zeit, sich durch Qualifizierungsmaßnahmen auf den technologischen Umbruch einzustellen.

Verhinderung extremer Ungleichheit

Nicht zuletzt befürchten Befürworter einer KI Steuer eine beispiellose Konzentration von Wohlstand und Macht in den Händen weniger. Sie warnen vor einem sozialen Crash, wenn die Masse der Arbeitnehmer Einkommenseinbußen hinnehmen muss und viele den Job verlieren, während einer verschwindend kleinen Minderheit hohe Erträge aus der Automatisierung zufließen: Das sind die Besitzer der KI-Systeme, also die Aktionäre und einige globale High Tech-Giganten im Silicon Valley oder in China. In dieser Situation erscheint vielen eine Umverteilung von Wohlstand als zwingend. Sie soll die Mittel aufbringen, die für Umschulungen, Weiterbildungsmaßnahmen, sowie für ein bedingungsloses Grundeinkommen erforderlich sind.

Historische Erfahrungen mit technologischen Revolutionen

Die Angst, dass Maschinen dem Menschen die Arbeit abnehmen, ist so alt, wie der technische Fortschritt selbst. Ein Blick auf die Wirtschaftsgeschichte zeigt jedoch, dass stets weniger heiß gegessen als gekocht wurde. Ganz im Gegenteil haben die technologischen Umbrüche der Menschheit immer breite Wohlstandszuwächse beschert. Die Befürworter einer KI-Steuer malen also mit ihrem düsteren Zukunftsszenario den Teufel an die Wand.

Ohnehin ist der Glaube, man könne den Fortschritt irgendwie aufhalten, unrealistisch. „Den technischen Fortschritt auszubremsen, um Arbeitnehmer zu beschützen, wird über kurz oder lang nicht funktionieren“, sagt der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen (Welt vom 17.06.2016). Das ist bei den Webern ebenso wenig gelungen wie bei den Kohleheizern auf den Eisenbahnen. Außerdem ist zu fragen, ob es wünschenswert ist, die Automatisierung zu stoppen. Hätte man die Millionen an Landarbeitern an der Abwanderung in die neu entstehende städtische Industrie hindern sollen, wo sie deutlich mehr verdienten? Und hätte die Gesellschaft auf das Automobil verzichten sollen, um die Arbeitsplätze der Pferdekutscher zu erhalten?

Die Industrialisierung und die Webstühle

Anfang des 19. Jahrhunderts stürmten englische Textilarbeiter – die sogenannten Ludditen – Fabriken und zerstörten mechanische Webstühle. Denn sie fürchteten den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Tatsächlich war die traditionelle Handweberei dem Untergang geweiht. Aber was passierte langfristig? Textilien wurden deutlich billiger, die Nachfrage explodierte. Neue Industrien und Fabriken schossen wie Pilze aus dem Boden und es wurden neue Transportwege geschaffen. Am Ende der industriellen Revolution gab es deutlich mehr Arbeitsplätze, höhere Reallöhne und ein allgemeines Wohlfahrtsniveau, von dem die Handweber des 18. Jahrhunderts nur hätten träumen können.

Der Wandel in der Landwirtschaft

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren in Deutschland noch vier von fünf Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt. Durch Traktoren, Mähdrescher und Kunstdünger kam es zu beträchtlichen Produktivitätssteigerungen und zur Freisetzung von Arbeitskräften. Heute sind nur noch 2 Prozent der Erwerbstätigen im Agrarsektor tätig. Trotzdem kam es nicht zu einer dauerhaften Massenarbeitslosigkeit. Die freigesetzten Arbeitskräfte wurden zunächst in der rasch wachsenden Industrie absorbiert, später kamen sie im Dienstleistungssektor unter. Das allgemeine Wohlstandsniveau nahm kräftig zu. Auch dieses Bespiel lehrt: technischer Fortschritt vernichtet per Saldo keine Arbeitsplätze. Er lenkt Arbeit in Tätigkeitsfelder mit höherer Produktivität um, die eine höhere Qualifikation erfordern.

Die Einführung der Geldautomaten (ATM)

Es gibt auch ein Beispiel für eine Automatisierung des Dienstleistungssektors, nämlich die Einführung von Geldautomaten in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals wurde das Ende des Berufs des Bankkaufmanns prophezeit. Was war das Ergebnis? Da die Maschine Routineaufgaben wie Geld ein- und auszahlen übernahm, kam es zu kräftigen Kostensenkungen, was die Eröffnung von zahlreichen neuen Bankfilialen ermöglichte. Das Berufsbild des Bankkaufmanns wandelte sich. Er war nunmehr mit anspruchsvolleren Tätigkeiten als der reinen Bargeldverwaltung beschäftigt, nämlich mit der Finanzberatung für Kredite und Versicherungen sowie mit der Anlageberatung und dem Vermögensaufbau. Die Beschäftigung im Bankensektor nahm zu.

Der aktuelle Vormarsch der Roboter

Laut Wissenschaftlichem Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ist der aggregierte Beschäftigungseffekt der Roboterisierung in Deutschland nicht negativ, sondern gleich Null (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 2022, S. 7). Zwar sind Stellen im Verarbeitenden Gewerbe abgebaut worden. Doch wurden im Dienstleistungssektor neue geschaffen. „Zudem vollzog sich der Strukturwandel nicht disruptiv durch Entlassungen von Industriebeschäftigen. Sie waren individuell durch die Roboterisierung keinem höheren Risiko ausgesetzt, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren oder gar arbeitslos zu werden. Der Rückgang der Industriebeschäftigung ergab sich vielmehr dadurch, dass frei werdende Stellen, etwa beim Erreichen der Altersgrenze der Beschäftigten, nicht wiederbesetzt wurden“.

Die Argumente der Kritiker einer KI-Steuer

Während die Befürworter einer Robotersteuer ein theoretisches Extremszenario an die Wand malen, fokussieren die Gegner Probleme der Durchführbarkeit und konkrete negative Effekte; die mit einer Implementierung verknüpft wären. Aus folgenden Gründen warnen sie vor einer solchen Abgabe:

Das unlösbare Definitionsproblem

Eine KI Steuer würde schon einmal am Kriterium der Praxistauglichkeit scheitern bzw. ein heilloses Chaos stiften. Eine rechtssichere Abgrenzung zu finden, ist nicht möglich. Wo fängt KI an, und wo hört sie auf? Handelt es sich beim automatischen Ausfüllen einer Excel-Tabelle oder der Verwendung eines Übersetzers bereits um den Einsatz Künstlicher Intelligenz, der besteuert werden sollte? Begründet eine einfache Rechtschreibprüfung oder Terminkoordination schon eine Steuerpflicht? Oder beginnt die Steuerpflicht erst bei hoch komplexen, neuronalen Netzwerken?

Der wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2022, S. 33) spricht viele offene Fragen an: „Bereits der Gegenstand der Besteuerung ist unklar: Betrifft die Robotersteuer generell den Einsatz von Sachkapital oder nur bestimmter Kategorien? Wie soll die genaue Abgrenzung operationalisiert werden? Wie stehen Robotersteuern im Verhältnis zur derzeit praktizierten Ausgestaltung der Unternehmensbesteuerung, die bei den Gewinnen ansetzt? Soll sie zusätzlich eingeführt werden? Ist eine Anrechnung angedacht?“

Steuergesetze müssen präzise formuliert werden, um die Gefahr der Rechtstreitigkeiten zu minimieren. Das ist bei der KI-Steuer nicht der Fall. Hier würde ein Bürokratie-Monster ohne Gleichen geschaffen, das unzählige Prozesse im Schlepptau hätte. Die Unternehmen müssten bei jedem Software-Update prüfen, ob es sich hierbei um ein normales Programm handelt oder ob dies bereits unter die Steuerpflicht fällt. Besonders problematisch wäre die Rechtsunsicherheit für mittelständische Unternehmen. Der deutsche Mittelstand, der ohnehin schon unter der bürokratischen Bürde am meisten leidet, würde durch ein solch ein Gesetz vollends handlungsunfähig.

Eine Robotersteuer lähmt die Produktivitätsentwicklung

Die Befürworter einer Steuer auf KI generierte Wertschöpfung ignorieren offensichtlich die Tatsache, dass wir einen steigenden Lebensstandard und die Zunahme der Reallöhne fast ausschließlich einer Erhöhung der Produktivität verdanken. Das ist die Fähigkeit, mit unverändertem Faktoreinsatz mehr oder hochwertigere Güter oder Dienste zu erzeugen. Eine Steuer auf KI ist letztlich eine Gebühr für effizientes Wirtschaften oder eine Strafsteuer auf den Produktivitätsfortschritt. Sie verteuert den Einsatz der überlegenen Technologie oder des besten Werkzeugs und bremst somit das Wirtschaftswachstum. Das hat zur Folge, dass die Entwicklung von Löhnen und somit auch von Staatseinnahmen beeinträchtigt wird. Damit konterkariert der Staat letztlich die Ziele, die er mit der KI Steuer eigentlich fördern wollte.

KI als letzte Rettung bei Fachkräftemangel

Ein Blick auf die Bevölkerungsstruktur zeigt, dass die Sorge vor Massenarbeitslosigkeit total an der Realität vorbeigeht. Problem wird nicht der Mangel an Arbeitsplätzen und die strukturelle Unterbeschäftigung sein, sondern der dramatische Mangel an Fachkräften, der sich schon jetzt spürbar bemerkbar macht. Der Arbeitsmarkt wird in den nächsten Jahren Millionen an Arbeitskräften verlieren, weil die geburtenstarken Jahrgänge – die sogenannten Babyboomer – in den Ruhestand eintreten, und es wachsen deutlich weniger an Erwerbspersonen nach. Schon heute werden in vielen Branchen händeringend Arbeitskräfte gesucht, sei es nun im Gesundheitswesen, in der Altenpflege, im Handwerk und im Bauwesen, im Verkehr und in der Logistik, im Handel und in der Gastronomie sowie in der IT- und Technologiebranche.

In dieser Situation wäre eine KI-Steuer schlichtweg Harakiri. Anders als behauptet sind KI und Automatisierung nicht die Vernichter von Arbeitsplätzen. Sie sind vielmehr die Rettung, um die Wirtschaft einschließlich der Daseinsvorsorge hierzulande am Laufen zu halten und um unseren Lebensstandard zu sichern. Es wäre fatal, künstlich eine Technik auszubremsen, die den Rückgang der Erwerbspersonen kompensiert und somit eine Versorgungskrise verhindert, die auch vor dem Gesundheitswesen und dem Pflegesektor nicht Halt machen würde.

KI-Steuer bewirkt Standortflucht

Die Befürworter einer KI-Steuer nehmen offensichtlich auch nicht zur Kenntnis, dass wir auf keiner einsamen Insel leben, sondern in einer vernetzten Welt. Im globalen Rahmen findet ein harter, internationaler Wettbewerb statt. Es wäre ein schwerer Fehler, wenn Deutschland oder die Europäische Union eine Robotersteuer einführen würde, während Länder wie China, die USA und Indien diese Technik fördern. Die Verständigung auf eine globale KI-Steuer auf internationaler Ebene erscheint unrealistisch.

Bei einem deutschen oder europäischen Alleingang käme es sofort zu einer Kapitalflucht und Abwanderung innovativer Talente und Start Ups in Länder mit günstigeren Standortbedingungen. Kein Technologieunternehmen würde in einem Land investieren, in dem die Nutzung von Werkzeugen für Produktivitätssteigerungen steuerlich bestraft wird. Die heimische Industrie käme technologisch in Rückstand. Sie wäre gezwungen, mit weniger effizienten Verfahren zu arbeiten. Das Ergebnis wäre der unwiderrufliche Verlust von heimischen Schlüsselindustrien und eine gestiegene Abhängigkeit vom Ausland.

Inkonsistente Politik

Last not least sei auf die Widersprüchlichkeit der Politik verwiesen. Denn der Staat setzt zahlreiche Instrumente ein, um Innovationen zu fördern. Mit der Einführung einer Steuer auf Roboter würde die Bundesregierung ihre eigene Politik konterkarieren. Der Staat sollte weder Industriepolitik betreiben, noch den Fortschritt künstlich verteuern, sondern gute Standortbedingungen schaffen.

Fazit: KI für Zukunftssicherung unabdingbar

An den Argumenten der Kritiker kommt man nicht vorbei. Eine KI-Steuer erscheint nicht praktikabel und würde bürokratisches Chaos stiften. Sie würde den Produktivitätsfortschritt abwürgen und den Wohlstand schmälern. Angesichts der dramatischen Fachkräfteknappheit ist künstliche Intelligenz eine existenzielle Notwendigkeit. Durch einen nationalen oder europäischen Alleingang bei der KI-Besteuerung würden wir uns ins Abseits manövrieren.

Statt den technischen Fortschritt zu besteuern, zu verteuern und damit letztlich auszubremsen, sollte der Staat die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche und sozialverträgliche Anpassung schaffen. Im Zentrum müssen eine Reform des Bildungswesens, die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und der Abbau von Bürokratie stehen. Ferner sind Entlohnungsmodelle gefragt, bei denen die Arbeitnehmer Eigentum am Produktivvermögen erwerben, um der KI-bedingten Vermögenskonzentration entgegenzuwirken. Die Menschen müssen lernen, sich die künstliche Intelligenz zum Partner zu machen. Sie ist nicht unser Feind, sondern unser wichtigster Garant für unseren Wohlstand und den der nachkommenden Generationen.

LITERATUR

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2022). Die Zukunft der Arbeit in der digitalen Transformation. Gutachten des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Ministerium/Veroeffentlichung-Wissenschaftlicher-Beirat/gutachten-wissenschaftlicher-beirat-die-zukunft-der-arbeit-in-der-digitalen-transformation.pdf?__blob=publicationFile&v=4

DIE ZEIT (26.08.2026). Bill Gates warnt vor Risiken bei KI und fordert Steuern auf Roboter. https://www.zeit.de/digital/2026-08/bill-gates-kuenstliche-intelligenz-risiken-robotersteuer-donald-trump-gxe

Frankfurter Allgemeine (14.10.2026). Kommt jetzt auch noch eine KI-Steuer? Nr. 238, S. 15. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz/ki-steuer-klingbeil-und-wildberger-pruefen-neue-abgaben-201313058.html

Frankfurter Allgemeine (21.04.2017). Abschottung und Robotersteuer. Die Ideen von Gates und Trump taugen nichts. https://www.faz.net/faz/abschottung-und-robotersteuer-die-ideen-von-gates-und-trump-taugen-nichts-14982025.html

Handelsblatt (22.06.2023). KI-Steuer? Deutschland braucht mehr Gestalter und weniger Bedenkenträger. https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-ki-steuer-deutschland-braucht-mehr-gestalter-und-weniger-bedenkentraeger-/29221428.html

Institut der Deutschen Wirtschaft (1.12.2017). Sollen Roboter Steuern zahlen? Von Tobias Hentze. https://www.iwkoeln.de/presse/in-den-medien/tobias-hentze-sollen-roboter-steuern-zahlen.html

Merkur (12.09.2026). Deutschlands Rentensystem vor dem Kollaps: Ist eine neue KI-Steuer die Rettung? https://www.merkur.de/wirtschaft/rente-in-deutschland-vor-dem-kollaps-neue-ki-steuer-als-rettung-zr-94488900.html

SÜDKURIER (16.03.2018). Müssen Roboter bald Steuern zahlen? Weil die Digitalisierung jeden Dritten zum Jobwechsel zwingen könnte, diskutiert die Schweiz über eine Sonderabgabe. https://www.suedkurier.de/ueberregional/wirtschaft/Muessen-Roboter-bald-Steuern-zahlen-Weil-die-Digitalisierung-jeden-Dritten-zum-Jobwechsel-zwingen-koennte-diskutiert-die-Schweiz-ueber-eine-Sonderabgabe;art416,9659671

Tages-Anzeiger (27.02.2017). Streit um die Robotersteuer. https://www.tagesanzeiger.ch/streit-um-die-robotersteuer-715317388397

Taz (24.08.2026). Automatisierung und Mehrwert. Einkommensteuern für Maschinen. https://taz.de/Automatisierung-und-Mehrwert/!6202686/

Welt (17.06.2026). Die sollen Steuern zahlen? https://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article157100490/Die-sollen-Steuern-zahlen.html

Podcast zum Thema:

KI-Revolution. Was lehrt uns die Wirtschaftsgeschichte?

Dr. Jörn Quitzau (Bergos) im Gespräch mit Prof. Dr. Tobias Straumann (Uni Zürich).

Blog-Beiträge zum Thema: Künstliche Intelligenz

Norbert Berthold (JMU, 2026): Künstliche Intelligenz. Sprengsatz für die Rente?

Norbert Berthold (JMU, 2026): Künstliche Intelligenz: Weltuntergang oder „Just Relax“?
Eine neue Politik für den Strukturwandel

Jan Schnellenbach (BTU, 2026): Die Kosten der europäischen Regulierungswut. Das Beispiel künstliche Intelligenz

Astrid Rosenschon (ex IfW, 2026): Die zwei Gesichter der Künstlichen Intelligenz

Henning Klodt (ex IfW, 2026): Mit künstlicher Intelligenz in die Job-Apokalypse?

Astrid Rosenschon (ex IfW, 2026): Ganzheitliche Intelligenz (GI). Wenn Mensch und KI Wissenschaft neu denken

Jörn Quitzau (Bergos, 2026): Volkswirtschaftliche Folgen der KI-Revolution. Was wäre wenn…?

Bernd Weidensteiner (CBK, 2025): Wie wichtig ist KI für die US-Wirtschaft?

Joachim Weimann (OVGU, 2025): Uns bleiben nur noch fünf Jahre

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