Ordnungsruf
Die Politik der „etwas höheren“ Inflation ist ein wirtschaftlich und politisch gefährlicher Weg, der nicht beschritten werden darf.

Von Wirtschaftliche Freiheit am 17. Mai 2012

„Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet.“
(Otmar Emminger)

„Inflation ist wie Zahnpasta: Ist sie einmal aus der Tube, bekommt man sie nur schwer wieder hinein.“
(Karl Otto Pöhl)

Der Druck aus Politik-, Unternehmens- und Bankenkreisen auf die Deutsche Bundesbank, eine „etwas höhere“ Inflation im Zuge der Euro-Schuldenkrise zuzulassen, nimmt international und zunehmend auch national deutlich zu. Bundesbankchef Weidmann wurde in der Bild Zeitung gar eine Zustimmung zu inflationärer Politik in den Mund gelegt, nachdem sein Pressesprecher deutsche Inflationsraten oberhalb des EWU-Durchschnitts als unvermeidlich bezeichnet hatte.[1] Weidmann selbst stellte zwar klar, dass diese Äußerung missinterpretiert worden sei und er unverändert für eine strikt stabilitätsorientierte Politik stehe. Doch vonseiten der Bundesregierung erhält er mit dieser anti-inflationären Haltung längst keine öffentliche Rückendeckung mehr. Offenbar sieht man dort nicht zufällig eher passiv auf die zunehmend in die Isolation geratende Bundesbank und liebäugelt stattdessen immer offener mit einer Erhöhung der Geldentwertungsrate. Doch dies ist ein Spiel mit dem Feuer, vor dem nicht eindringlich genug gewarnt werden kann. Den ganzen Beitrag lesen »

Was das Ehegattensplitting mit dem Betreuungsgeld zu tun hat

Von Christian Hagist am 15. Mai 2012

Die Antwort vorneweg: nichts! Ich wollte nur beide Begriffe in eine Überschrift bekommen. Denn eigentlich wollte ich zur aktuellen Diskussion um das Betreuungsgeld schreiben (ich werde diesen Monat Vater und da bewegen einen solche Themen), doch bemerkte ich bei der Recherche recht schnell, dass das Thema vor Werturteilen und Meritorik nur so strotzt und deshalb Ökonomen, zumal Ordnungsökonomen, keinen Spaß macht. Wenn sich schon die Zunft der Kinderpsychologen nicht einig ist, wie sollen es dann die Volkswirte richten? Hier trotzdem die Kurzanalyse in einem Absatz:

Den ganzen Beitrag lesen »

Noch ein Memorandum. Noch ein Methodenstreit?

Von Jan Schnellenbach am 12. Mai 2012

Wieder einmal soll die Volkswirtschaftslehre sich ändern. Seit Beginn der Finanzkrise gab es bereits einige Appelle in diese Richtung, jetzt kommt ein weiterer dazu: Ulrich Thielemann, der exponierteste Vertreter der St. Galler Schule der Wirtschaftsethik, hat gemeinsam mit einigen Koautoren ein Memorandum mit dem Titel „Für eine Erneuerung der Ökonomie“ veröffentlicht. So heterogen all die Aufrufe der letzten Jahre waren – einige Gemeinsamkeiten haben sie.

Den ganzen Beitrag lesen »

Ein „Fiat-Geld-Boom“ endet in einer Depression. Deren Kosten können jedoch verringert werden, wenn die Zentralbanken sofort aufhören, die Zinsen zu manipulieren und die Geldmenge auszuweiten.

Von Thorsten Polleit am 10. Mai 2012

„The reason why I think that too deliberate striving for immediate usefulness is so likely to corrupt the intellectual integrity of the economist is that immediate usefulness depends almost entirely on influence, and influence is gained most easily by concessions to popular prejudice and adherence to existing political groups.”

Friedrich August von Hayek, (1991 [1944]), On Being An Economist.

I.

Viele Ökonomen, nicht selten mit besten Absichten, wollen mit ihren Ratschlägen, die sie an Zentralbank- und Regierungspolitiker, Regulierungsbürokraten und vor allem auch die breite Öffentlichkeit richten, zu einer „Lösung“ der Finanz- und Wirtschaftskrise beitragen. So empfehlen einige von ihnen, die Zentralbankpolitiker sollten das Gelddrucken nicht zu weit treiben, wenn es gilt, unrentable Banken und Staaten über Wasser zu halten; Regierungspolitiker sollten sich der Zustimmung zu immer größeren Staatsdefiziten und „Rettungsschirmen“ versagen; Finanzaufsichtsbehörden sollten die „Regulierungszügel“ mutig anziehen, ungeachtet des Widerstandes aus der Bank- und Finanzwirtschaft; und nicht zuletzt sollten die Wahlbürger nicht mehr chronisch auf Kosten künftiger Steuerzahler leben und Staatsausgabekürzungen zustimmen.

Den ganzen Beitrag lesen »

Austerität und Strukturreformen
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Norbert Berthold am 8. Mai 2012

„In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.“ (Friedrich von Logau)

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland steht die Rettungsmission des Euro vor dem Aus. Eisernes Sparen und strukturelle Reformen sitzen auf der Anklagebank. Viele Wähler in Europa sind gewillt, das Joch der „deutschen“ Strategie der Euro-Rettung abzuschütteln. Der wirtschaftliche Absturz und eine wachsende Arbeitslosigkeit verbreiten europaweit Angst und Schrecken. Eine Mehrheit meint, „Austerität“ und Strukturreformen führten in die wirtschaftliche Katastrophe. Deshalb könne die Droge der staatlichen Verschuldung jetzt noch nicht abgesetzt werden. Der harte „deutsche“ Kern der EWU sieht das (noch) anders. Nur ein harter Sparkurs und strukturelle Reformen würden die Basis für wirtschaftliches Wachstum schaffen. Ein Ende des finanziellen Dopings sei alternativlos, ein harter Entzug unabdingbar.

Den ganzen Beitrag lesen »

Solarförderung: Nicht kürzen, sondern streichen

Von Henning Klodt am 5. Mai 2012

Die am 29. März 2012 vom Bundestag beschlossene Kürzung der Solarförderung um 20 bis knapp 30 Prozent hat für große Aufregung gesorgt. Die Kritiker befürchten, dass damit die Solarbranche in Deutschland, die in den letzten Jahren so hoffnungsvoll aufgeblüht war, endgültig am Ende sei. Sie hoffen jetzt darauf, das Gesetz möge am 11. Mai im Bundesrat noch scheitern. Dabei sollte die Solarförderung nicht nur gekürzt, sondern besser gleich ganz gestrichen werden. Denn sie ist ökologisch wirkungslos und ökonomisch unsinnig.

Den ganzen Beitrag lesen »

8 Jahre EU-Osterweiterung: ein Win-Win?

Von Stefan Kolev am 3. Mai 2012

Am 1. Mai jährte sich der EU-Beitritt der ersten 8 Länder aus Mittel- und Osteuropa zum 8. Mal. Man kann diesen Tag als das endgültige Ende des Kalten Krieges und des absurden europäischen 20. Jahrhunderts sehen. Nach dem NATO-Beitritt einiger dieser Länder in den Jahren davor sprach man 2004 von einem definitiven „Ankommen“ in ihrer alten Familie der europäischen Zivilisation, zu der die MOE-Länder jahrhundertelang dazugehört hatten und aus denen sie der Zweite Weltkrieg und das anschließende kommunistische Zeitalter herausriss. Damals, im Jahr 2004, verbanden sich mit dem Beitritt auf beiden Seiten viele Hoffnungen (bis zur Euphorie), aber auch viele Ängste (bis zur Panik). Welche Bilanz kann man heute ziehen? Handelt es sich aus ökonomischer Sicht um einen Prozess, der zum gegenseitigen Vorteil von „West“ und „Ost“ verläuft?

Den ganzen Beitrag lesen »

Warum der Europäische Fiskalpakt wichtig wäre … und warum er wohl grandios scheitert.

Von Michael Wohlgemuth am 30. April 2012

Vor kurzem habe ich dem Moderator einer Podiumsdiskussion zur Europäischen Schuldenkrise versprochen, etwas Positives zu sagen. Die Euro-Untergangs-Stimmen auf dem Podium sollten nicht allzu dominant und deprimierend werden. Ich habe es versucht – und bin gescheitert.

Das Beste, was ich an bestehenden politischen Maßnahmen zur Euro-Schuldenkrise finden konnte, war der Fiskalpakt – also die Absichtserklärung von 25 EU-Staaten, so etwas Ähnliches wie die deutsche Schuldenbremse in ihr nationales Recht einzubauen – „vorzugsweise“ mit Verfassungsrang.

Den ganzen Beitrag lesen »

Gastbeitrag
„Mehr direkte Demokratie auf Bundesebene!“

Von Susanne Cassel und Tobias Thomas am 28. April 2012

In Deutschland sollten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, über Politik auf Bundesebene auch direkt entscheiden zu können. Das würde den politischen Prozesses fundamental ändern und vielfach zu besseren politischen Entscheidungen führen. Voraussetzung ist ein fest etablierter Prozess der direkten Volksbeteiligung mit klaren Regeln, dessen Ergebnisse bindend sind. Bürgerinnen und Bürger sollten durch Volksentscheid von der Regierung initiierte Vorhaben stoppen und durch Volksinitiativen und Volksbegehren eigenes Agenda-Setting betreiben können.

Den ganzen Beitrag lesen »

Muss Spanien unter den Rettungsschirm?

Von Dieter Smeets am 25. April 2012

Mitte April stiegen die Zinsen, die Spanien für zehnjährige Staatsanleihen zahlen muss, erstmals in diesem Jahr auf über sechs Prozent und sofort begannen die Alarmglocken zu läuten. Ein Zinsniveau von mehr als sechs Prozent wird – über einen längeren Zeitraum zu zahlen – von vielen Finanzexperten als nicht tragfähig angesehen und eine externe Finanzhilfe erwartet oder gefordert. Lassen sich für diese Einschätzung objektivierbare Gründe anführen?

Den ganzen Beitrag lesen »