Von Jan Schnellenbach am 3. Februar 2012
Als ich beginne, diesen Beitrag zu schreiben, gehen die Tagesthemen gerade zu Ende. Es ist also schon recht spät, dennoch steht auf dem Schreibtisch neben dem Notebook auch eine kleine, frisch gefüllte Schale mit Cashewnüssen. Das macht etwa 550 Kalorien pro hundert Gramm. Eigentlich unangemessen für diese Uhrzeit. Gesalzen sind sie auch noch. Ob das so gut für den Blutdruck ist? Andererseits habe ich nach den Weihnachtsferien das regelmäßige Cardiotraining sofort wieder aufgenommen, schließlich will ich im Sommer wieder in die Berge. Irgendwo zwischen dieser Schale mit Cashewnüssen und dem Watzmann versteckt sich wohl eine Inkonsistenz meiner Präferenzen. Das sollte mir Sorgen machen. Gerade auch als Ökonom. Brauche ich vielleicht Hilfe?
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Von Wolf Schäfer am 1. Februar 2012
Die Euro-Zone liegt in Agonie. Währungssystemische Agonien hat es in der Historie vielfältig gegeben. Sie entstehen, wenn im strategischen Spiel zwischen „politischer Macht und ökonomischem Gesetz“ (v. Böhm-Bawerk) die Politik sich allzu lange ökonomischen Zwängen widersetzt will. Und sie enden stets mit dem Ergebnis, daß die Politik letztlich den Kürzeren zieht, wenn sie in währungssystemischer Ignoranz den politischen Konstruktivismus gegenüber den marktlichen Grundprinzipien dauerhaft, handlungsmächtig und selbstzweifelsfrei entgegenzutreten gewillt ist. Das Motto heißt immer: Wir Politiker verteidigen unser politisches Mantra gegen seine marktlichen Feinde, koste es (den Bürger), was es wolle. Erstens, weil wir demokratisch legitimiert sind, gemeinwohlorientiert denken und mithin gegen Irrtümer immunisiert agieren. Und zweitens, weil im Antagonismus zwischen Staat und Markt die Hierarchie von vornherein feststeht: Politik muß den Markt domestizieren, und sie ist auch aufgrund ihres überlegenen Wissens in der Lage, dies erfolgreich zu bewerkstelligen. Dies wird auch dann nicht in Frage gestellt, wenn die Hauptursache für die Krisenentstehung, auf die die Märkte reagieren, im Politikversagen liegt.
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Von Norbert Berthold am 29. Januar 2012
„Die Europäische Währungsunion ist ein Spiel, bei dem 17 Länder hinter dem Geld der anderen her sind und am Ende zahlt immer Deutschland.“ (Neue deutsche Volksweisheit)
Europa ist in einer tiefen Krise. Der Euro kämpft ums Überleben. Die Staatsfinanzen sind zerrüttet, bei den einen mehr, bei anderen (noch) weniger. Einige Länder stehen vor der finanziellen Pleite. Wirtschaftlich driftet Europa auseinander. Die Länder wachsen unterschiedlich schnell. Vielen mangelt es an Wettbewerbsfähigkeit. Die Leistungsbilanzsalden divergieren. Kapital flieht in Scharen aus der Peripherie ins (deutsche) Zentrum. Die fiskalische Rettung verläuft chaotisch. Ein Gipfel jagt den nächsten. Die Politik agiert hilflos, die Märkte misstrauen ihr. Fiskalische Rettungsschirme sind löchrig wie Schweizer Käse. Die EZB ist bemüht, das Schlimmste zu verhindern, Tabubrüche pflastern ihren Weg. Und es herrscht wieder politischer Unfriede in Europa. Retter fühlen sich über den Tisch gezogen, die zu Rettenden von den Rettern entmündigt. Die wirtschaftliche und politische Integration steht auf dem Spiel. Der Euro hat Europa nicht geeint, er hat Europa gespalten. Ein alter Glaubenssatz scheint wieder aktuell: Währungsunionen mit wirtschaftlich heterogenen Ländern sind inhärent instabil.
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Von Susanne Cassel und Tobias Thomas am 27. Januar 2012
In Deutschland ist die öffentliche Hand vielfältig unternehmerisch tätig und an weit mehr als 10.000 Unternehmen beteiligt. Allein der Bund ist an 500 und die Länder sind an über 2.000 Unternehmen beteiligt. Hinzu kommen Beteiligungen der 12.000 Gemeinden. Die Tätigkeit der Unternehmen reicht von der Energieversorgung und Wohnungswirtschaft über den Personen- und Güterverkehr bis hin zu Automobilproduktion, Brauereien und Porzellanherstellung. Der Umsatz kommunaler Unternehmen stieg zwischen 2000 und 2007 um zwei Drittel auf über 210 Mrd. Euro. Ihre Gewinne verdoppelten sich auf 10 Mrd. Euro. Zudem ist mancherorts ein Trend zur Rekommunalisierung bereits privatisierter Versorgungsbetriebe zu beobachten.
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Kategorie Staatliches, Unternehmerisches | 1 Kommentar »
Von Uwe Vollmer am 25. Januar 2012
Häfen können Liegegebühren verlangen für Schiffe, die Schutz in allzu stürmischer See suchen – das weiß jeder Segler. Diese Erfahrung hat jetzt auch der deutsche Finanzminister gemacht, denn zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik waren Investoren bereit, negative Effektivzinsen bei Neuemission von Bundesanleihen zu zahlen. Bei der am 9. Januar 2012 durchgeführten Auktion hat die Bundesrepublik Deutschland unverzinsliche Schatzanweisungen („Bubills“) im Volumen von ca. 4 Mrd. Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten abgesetzt. Die Emission war um das 1,8fache überzeichnet und ergab einem Effektivzins von -0,0122 %; der Finanzminister muss damit etwa 50 Millionen Euro weniger zurückzahlen, als er durch die Schuldenaufnahme eingenommen hat. Ähnliches war bislang erst zweimal passiert, nämlich Ende 2011 in den Niederlanden und in Dänemark, das nicht Mitglied der Eurozone ist.
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Von Rolf Caesar am 23. Januar 2012
Griechenland ist pleite. Das dürfte inzwischen auch dem letzten der zahlreichen realitätsblinden Europapolitiker klar geworden sein, die die tiefgreifende griechische Krise seit zwei Jahren beschönigt und lange als bloßes Liquiditätsproblem behandelt haben – mit immer neuen Krediten, die aber an den tieferliegenden Ursachen der griechischen Schwierigkeiten nichts geändert haben. Denn die Krise Griechenlands ist keine Liquiditätskrise, sondern eine Solvenzkrise. Vor allem aber ist das Land in den zehn Jahren, in denen es der Eurozone angehört, international völlig wettbewerbsunfähig geworden. Dagegen helfen keine Kredite, sondern nur eine drastische Währungsabwertung, die aber durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion nicht möglich ist. Deshalb wird das Land nie mehr auf einen grünen Zweig kommen, solange es in der Wechselkursfalle des Euro gefangen ist. Die sinnvollste Lösung wäre daher ein – zumindest temporärer – Austritt Griechenlands aus dem Euroraum.
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Kategorie Alle Kategorien, Europäisches, Währungspolitisches, Wettbewerbliches | 5 Kommentare »
Von Hartmut Kliemt am 20. Januar 2012
Was wäre eigentlich passiert, wenn der Anruf von Herrn Wulff bei der Springerpresse Erfolg gehabt hätte? Diese Frage liegt auf der Hand, doch wird sie kaum diskutiert. Wie konnte es kommen, dass Herr Wulff einen solchen Anruf überhaupt für erfolgsversprechend halten konnte? Auch diese Frage wird nicht diskutiert, obwohl sie sehr beunruhigend ist.
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Kategorie Allgemeines, Mediales, Politisches | 2 Kommentare »
Von Christian Hagist am 18. Januar 2012
Es sei mir an dieser Stelle eine Vorbemerkung erlaubt: Ich blogge hier als Beamter (Akademischer Rat) auf Zeit und habe allein deshalb kein Interesse an einer Neiddebatte à la „Beamten geht es zu gut“ oder ähnlichem. Wenn wir gute Lehrer, Professoren oder auch akademische Räte wollen, müssen wir diese auch netto gut bezahlen – die Frage ist, ob dies über den sehr intransparenten und ordnungspolitisch bedenklichen Weg der Verbeamtung oder aber über eine entsprechende Tarifierung erfolgen soll.
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Kategorie Alle Kategorien, Arbeit, Distributives, Soziales, Staatliches | 2 Kommentare »
Von Norbert Berthold am 16. Januar 2012
„Die Amerikaner tun am Ende immer das Richtige, nachdem sie alle anderen Möglichkeiten ausprobiert haben.“ (Winston Churchill)
Die Welt starrt gebannt auf die Staatsschuldenkrise in Europa. Ein Ende mit Schrecken ist absehbar. Nicht alle Länder werden heil aus dem Schlamassel kommen. Einige werden auf der Strecke bleiben und Pleite gehen. Die wirtschaftliche und politische Integration in Europa wird leiden, die Weltwirtschaft wird in die Knie gehen. Im Schatten der EWU-Krise droht weiteres Unheil. Das Krebsgeschwür der exzessiven Staatsverschuldung hat sich weiter ausgebreitet. Die USA und Großbritannien haben sich seit der Finanzkrise bis über beide Ohren verschuldet. Der Gipfel der fiskalischen Unverfrorenheit ist allerdings Japan. Dort werden schon seit über einem Jahrzehnt alle Regeln solider Haushaltspolitik gebrochen. Trotzdem bleiben die Kapitalmärkte (noch) gelassen. In Europa stehen Pleitekandidaten erfolglos Schlange nach zinsgünstigen Krediten. Die Zinsen für toxische Staatsanleihen explodierten. Das ist in den JUUs (Japan, UK, USA) anders. Dort drängen die Anleger staatlichen Schuldnern ihr Geld geradezu auf. Platzen allerdings die Kreditblasen, ist Griechenland bald überall. Das wäre ein Albtraum.
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Kategorie Alle Kategorien, Fiskalisches, Globales, Makroökonomisches | 5 Kommentare »
Von Ansgar Belke am 13. Januar 2012
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) prüft gegenwärtig eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands. S&P plant, das Rating für die Bundesrepublik und verschiedene andere EU-Staaten wegen der Eurokrise auf „Watch Negative“ zu setzen. Dies könnte aus aufsichtsrechtlichen Gründen unmittelbar Auswirkungen auf das Verhalten der Kapitalanleger haben und im Rahmen der Bankenregulierung zu höheren Eigenkapitalanforderungen führen. Und nach den Ergebnissen des aktuellen Euro-Gipfels, von denen einige spätestens beim nächsten Gipfel auch wegen rechtlicher Probleme wieder auf der Agenda stehen dürften, wird die Wahrscheinlichkeit hierfür nicht abnehmen.
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Kategorie Europäisches, Fiskalisches, Institutionelles, Politisches | 3 Kommentare »