So zahlen die Gauchos
Die erneute Staatspleite Argentiniens

Von Dieter Smeets und Angélique Herzberg am 25. Oktober 2014

Spätestens seit der europäischen Staatsschuldenkrise, die 2010 mit dem Zahlungsausfall Griechenlands begann, wurden die Rufe nach einem „geordneten“ Umschuldungsverfahren für Staaten wieder lauter. Zahlreiche – zum Teil auf früheren Überlegungen insbesondere des Internationalen Währungsfonds (IWF) basierende – Vorschläge wurden seitdem in die Diskussion eingebracht[i], ohne (bisher) jedoch ein nachhaltiges Echo im politischen Bereich zu finden. Die aktuellen Ereignisse um die erneute Schuldenkrise Argentiniens rücken diese Überlegungen nun wieder in den Fokus. Vor diesem Hintergrund sollen im Folgenden die auslösenden Faktoren der aktuellen Schuldenkrise Argentiniens und die möglichen Konsequenzen für künftige Staatsinsolvenzen erläutert werden.

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“2. Würzburger Ordnungstag”
Vermögensverteilung: Die Piketty-Kontroverse

Von Guido Zimmermann am 23. Oktober 2014

Eines ist jetzt schon sicher – das Buch des französischen Ökonomen Thomas Piketty „Capital in the Twenty-First Century“ gehört zu den wichtigsten ökonomischen Büchern der letzten 15 Jahre; nicht nur, weil es vom wissenschaftlichen Standpunkt aus grandios ist, sondern auch, weil es ein für die breite Öffentlichkeit wichtiges aktuelles Thema anspricht – das Ausmaß der Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung. Aber auch große Bücher produzieren viel Kritik. Natürlich kann die hier gebotene Kürze nicht dem Reichtum dieses Buches gerecht werden. Es soll dennoch versucht werden, an dieser Stelle die Kernthesen und den derzeitigen Stand der Diskussion um das Buch darstellen, da wir glauben, dass die Debatte um eine wie auch immer definierte gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung die westlichen Gesellschaften in den nächsten Jahren prägen dürfte.

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Die Werte der Wirtschaft (5)
Mitverantwortung – Warum verhalten wir uns solidarisch im öffentlichen Raum?

Von Michael Neumann am 21. Oktober 2014

Unsere freiheitliche marktwirtschaftliche Ordnung lebt davon, dass Menschen verantwortlich für sich selbst handeln (siehe auch: Die Werte der Wirtschaft (4)), aber auch Mitverantwortung für andere Menschen und für die Gesellschaft übernehmen. Gerade in einer freien Marktwirtschaft ist es ein zentrales Gebot, auch im öffentlichen Raum anderen zu helfen, Solidarität zu zeigen mit jenen, die sich nicht selbst helfen können. Personen, die in einer Marktwirtschaft selbst ihre Existenzgrundlage nicht sicherstellen können, benötigen diese Hilfe. Zwar kann ein funktionierendes Gemeinwesen diese Hilfeleistungen teilweise übernehmen, doch ist dafür erst ein willentlicher Akt der Solidarität erforderlich, um solche Hilfeleistungen in ausreichender Weise und Höhe auf der Ebene des Gemeinwesens zu verankern. Versagt das Gemeinwesen bei der Hilfestellung, ist wiederum der Einzelne gefordert, Mitverantwortung zu übernehmen.

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China`s Exchange Rate Policy in the Light of the German Experience with an Undervalued Deutschmark

Von Wolf Schäfer am 19. Oktober 2014

This paper deals with the present undervaluation policy in China in the light of the German experiences with the undervaluation of the Deutschmark under Bretton Woods conditions. In Germany, there was a 20 years lasting academic and public debate on the needs for appreciation because of the high costs of having an undervalued currency. These costs referred, i. a., to inflation import, overheating the economy, and distortion of the internal production structure of the country – this seeming to be a similar situation in present China. From the German experience it is argued that flexible nominal exchange rates for large economies like China could better reduce the costs of the adjustment needs of real exchange rates than adjustments via internal inflation. Furthermore, if China as a new Global Player fulfills some necessary conditions for sound economic performance the RMB could possibly change the international monetary order towards a 3-polar monetary system.

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Ordnungspolitischer Kommentar
Die Ökonomik des Rotweinliebhabers
Château Beychevelle und die Wirtschaftspolitik

Von Steffen J. Roth am 17. Oktober 2014

Der Herbst hat begonnen, die Tage werden kürzer. In den Büros ist die Entspannungswirkung des Sommerurlaubs schon fast wieder aufgebraucht.

Uns hatte es dieses Jahr an die südfranzösische Atlan­tikküste verschlagen. Im Médoc, also auf der Halbinsel nördlich von Bordeaux, auf dem linken Ufer der Gironde, sorgt ein Kalksteinboden, der häufig von mehreren Meter dicken eiszeitlichen Ablagerungen von Sand und Kies überzogen ist, für eine gute Basis. So können die Weinre­ben tief wurzeln und stehen dank des guten Wasserabzugs und der ohnehin hervorragenden klimatischen Bedingun­gen nie im Wasser. Die Trauben bilden eine entsprechend dicke Haut und bieten damit das ersehnte fruchtige Aro­ma für langlebige Rotweine der Spitzenklasse.

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Das katalanische Referendum

Von Roland Vaubel am 15. Oktober 2014

Sezession ist eine Form der politischen Dezentralisierung. Sie stärkt den wirtschaftspolitischen Wettbewerb und dadurch die wirtschaftliche Freiheit.

Die folgenden europäischen Staaten verdanken ihre Existenz einer Sezession:

die Schweiz (1291), Schweden (1523), die Niederlande (1579), Portugal (1640), Griechenland (1827), Belgien (1831), Norwegen (1905), Finnland (1917), Irland (1921), Island (1944), die baltischen Staaten (1990), Slowenien (1991), Kroatien (1991), Mazedonien (1991), Bosnien-Herzegowina (1992), die Slowakei (1992) und Montenegro (2006).

Keine dieser Sezessionen – außer der norwegischen – war verfassungsgemäß. Auch die Unabhängigkeitserklärung des slowakischen Parlaments vom Juli 1992 hatte keinerlei Rechtsgrundlage in der Verfassung der Tschechoslowakei – die Sezession wurde erst nachträglich im November 1992 legalisiert.

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Ist die Share Economy eine Wiederentdeckung der Genossenschaften?

Von Theresia Theurl am 13. Oktober 2014

Eine kurze Antwort auf diese Frage ist möglich. Sie lautet: Ja und nein. Erörterungen über die Sharing Economy sind inzwischen sehr zahlreich. Nicht wenige sehen in ihr bereits die deutlich überlegene Organisationsform wirtschaftlicher Transaktionen der Zukunft, manche sogar ein neues Zeitalter. Das Time Magazin zählte diese Entwicklung bereits 2011 zu jenen, die die Welt verändern werden: „Someday we’ll look back on the 20th century and wonder why we owned so much stuff.“[1] Hier soll nicht den interessanten Fragen nachgegangen werden, ob dies tatsächlich eine realistische Perspektive ist und wie weit dieser Prozess gegebenenfalls fortgeschritten ist. Die Stossrichtung ist vielmehr zu prüfen, ob in der Sharing Economy tatsächlich völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. Näher betrachtet stellen sich interessante Verbindungslinien mit dem traditionsreichen genossenschaftlichen Geschäftsmodell heraus. Doch es gilt zu differenzieren.

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Wenn’s dem Esel zu wohl wird
Deutschlands schöne Fassade bekommt Risse

Von Norbert Berthold am 11. Oktober 2014

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ (Heinrich Heine)

Es war fast wie im Märchen. Die Welt blickte teils anerkennend, teils bewundernd, teils neidisch auf Deutschland. Nun hat sich die Stimmung auch hierzulande eingetrübt. In Europa ist Deutschland aber noch immer wirtschaftlich vorne. Die Arbeitslosigkeit ist geringer als anderswo, qualifizierte Arbeitskräfte werden knapp. In den Ländern der Europäischen Union schrumpft die Wirtschaft, Deutschland wächst weiter, wenn auch nur noch langsam. Die europäischen Staaten versinken im Schuldensumpf, Deutschland will seinen Haushalt ausgleichen.

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Das Schottland-Referendum
Eine Herausforderung für die Autokratien und Demokratien dieser Welt

Von Tim Krieger am 9. Oktober 2014

Das Scheitern des Referendums über eine mögliche schottische Unabhängigkeit am 18. September 2014 hat in weiten Teilen Großbritanniens, der EU und weltweit für Erleichterung gesorgt. Diese Erleichterung war zumeist der Tatsache geschuldet, dass ein außerhalb Schottlands – und überwiegend auch, wie das Abstimmungsergebnis zeigt, in Schottland selbst – ungeliebter und komplizierter Ablösungsprozess mit all seinen politischen, sozialen und rechtlichen Konsequenzen, Problemen und Rückwirkungen auf andere Weltregionen ausgeblieben ist. Tatsächlich aber stellt das Votum der Schotten einen historischen Einschnitt für eine sich zunehmend globalisierende Welt dar, wie im Folgenden zu zeigen sein wird. Die globale politische und wirtschaftliche Ordnung dürfte sich durch das „Beispiel Schottland“ nachhaltig verändern.

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Ungleichheite heute (26)
Die Treiber der Vermögensungleichheit
Warum besitzen 10 % der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Vermögens?

Von Marcus Fraaß am 7. Oktober 2014

Die Vermögen in Deutschland sind ungleich über die Bürger verteilt und konzentrieren sich am oberen Ende der Vermögensverteilung. Doch was sind im Allgemeinen die Treiber ungleich verteilter Vermögen? Was beeinflusst die Höhe des individuellen Nettovermögens? Persönliches Vermögen entsteht entweder durch die Akkumulation von Ersparnissen oder durch intergenerationale Übertragungen, also durch Schenkungen (inter-vivo Transfers) oder Erbschaften.

Somit sind zwei Schritte notwendig, um zu ergründen, was für eine ungleiche Verteilung von Vermögen sorgt. Erstens müssen die Determinanten beleuchtet werden, die einerseits den Akkumulations- und andererseits den Vererbungsprozess beeinflussen. In einem weiteren Schritt muss untersucht werden, von welcher relativen Bedeutung diese beiden Prozesse sind und inwieweit sie sich auf die interpersonelle Verteilung der Vermögen auswirken. Welche Treiber wirken ungleichheitsvermindernd und welche verstärkend? Auch wenn oftmals ein kausaler Zusammenhang aufgrund einer zu geringen Datenbasis nur mit Vorsicht getroffen werden kann, ist die Beantwortung dieser Fragen unerlässlich, um eine valide Diagnose und somit eine adäquate Wirtschaftspolitik gewährleisten zu können.

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