Irgendwie, irgendwo, irgendwann
Wächst die Gefahr der Inflation?

Von Norbert Berthold am 29. Juli 2014

“Die Zentralbankgeldmenge, international als Geldbasis bezeichnet, ist das Schlüsselaggregat der Geld- und Kreditschöpfung. Diese Geldmenge hat die EZB innerhalb der noch kurzen Amtszeit Draghis um gut 50 Prozent auf 1,8 Billionen Euro angehoben…So beträgt die Verschuldung der italienischen Banken beim Eurosystem inzwischen das 7-fache ihrer Basisgeldreserven, die entsprechende Verschuldung der griechischen Banken sogar das 24-fache. Bei solchen Verhältnissen nur von Bankrott zu sprechen, wäre Bagatellisierung…Wenn sich das Bundesverfassungsgericht nicht der Bürger erbarmt und Draghi ein „Halt” zuruft, wird er den Euro bald vollends demontiert haben.” (Manfred J.M. Neumann, 2012)

Ist dieses Mal alles anders, auch in der Geldpolitik? Seit der Finanzkrise fluten die Notenbanken die Welt mit Geld. Damit retteten sie das Finanzsystem vor dem Kollaps. Von einem nachhaltig kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung fehlt aber nach wie vor jede Spur. Daran hat auch der Einsatz unkonventioneller Instrumente der Geldpolitik, wie QE 1ff. oder OMT, nichts geändert. Das Wachstum bleibt anämisch, die Arbeitslosigkeit persistent hoch. Die Geldpolitik ist unfähig, diese Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das ist bei sich weiter verfestigender struktureller Arbeitslosigkeit nicht überraschend. Erstaunlich ist allerdings, dass bei einer Output-Lücke, die sich schließt, eine hyper-expansive Geldpolitik das allgemeine Preisniveau nicht stärker treibt. Nach traditionellem Verständnis müsste die Inflationsrate längst durch die Decke gehen. Das ist nicht der Fall. Sie liegt meist unter der 2 %-Zielmarke der Notenbanken. Am aktuellen Rand ist das Bild allerdings uneinheitlich. In der EWU dominieren eher disinflationäre Tendenzen, in den USA erwacht die Inflation aus einem langen Schlaf. Die spannende Frage ist: Droht weltweit Stagnation,  kommt es doch noch zur Inflation oder schlittern wir in eine Stagflation?

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Der Chefsvolkswirt
Investitionsgüterindustrie – Nachhaltiger Erfolg basiert auf zahlreichen Faktoren

Von Kurt Demmer und Ralph Wiechers am 27. Juli 2014

Das weltwirtschaftliche Wachstum wird seit Beginn des letzten Jahrzehnts maßgeblich durch eine dynamische Entwicklung in den Emerging Markets bestimmt, die vor allem mit einer forcierten Industrialisierung einhergeht (vgl. Abb. 1). Deren Motor ist der enorme Nachholbedarf an industriellen Produkten in diesen Ländern. Aktuell gibt es zwar manche Fragezeichen, ob nicht die wirtschaftliche Entwicklung namentlich in den BRIC-Ländern an Dynamik verliert und somit weniger Impulse für die Weltwirtschaft insgesamt und in Sonderheit für die Nachfrage nach Investitionsgütern liefert. Denn 2013 hat das erlahmende Weltwirtschaftswachstum vor den Toren dieser Länder nicht haltgemacht. Nicht nur für Indien und Brasilien haben sich – mit dem Auslaufen ausländischer Kapitalzuflüsse und anschließenden Rückflüssen – die Wachstumserwartungen nicht erfüllt. Auch die chinesische Wirtschaft hat eine Wachstumsabschwächung erfahren, da sie sich in einem gigantischen, politisch verordneten Umstellungsprozess hin zu einer mehr binnenmarktorientierten Entwicklung befindet. Russland bekommt seine einseitige Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu spüren. Allgemein sind ungelöste strukturelle Probleme und institutionelle Schwächen in den Emerging Markets wieder stärker in das Blickfeld von Investoren geraten. Die Euphorie ist also verflogen. Dennoch sollte sich vom Trend her das Wachstum in den sogenannten Schwellenländern, und das sind weit mehr als die oft zitierten BRIC-Staaten, auch in Zukunft fortsetzen, wobei die Dynamik von Jahr zu Jahr durchaus unterschiedlich sein kann. Aber da diese Länder im weltweiten Kontext heute über ein spürbar größeres Gewicht als beispielsweise in den 1990er-Jahren verfügen, gehen inzwischen selbst von niedrigeren Wachstumsraten, absolut gesehen, stärkere Impulse für die Weltwirtschaft aus als seinerzeit. Das Grundmuster des Industrialisierungsprozesses und die sich daraus ableitenden Konsequenzen für die strategische Ausrichtung der auf diese Märkte hin orientierten Unternehmen sind nicht in Frage zu stellen. Auch für die Zukunft eröffnen sich hier ergiebige Absatzpotenziale.

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Diskriminierung bei Kuren für Mütter?

Von Björn Christensen und Sören Christensen am 25. Juli 2014

Unter dem Titel „Kuren für Gebildete“ konnte man kürzlich im Spiegel[1] lesen, dass Mütter mit niedrigerem Schulabschluss geringere Chancen hätten, eine Kur bewilligt zu bekommen, als Mütter mit höherer Schulbildung. Die Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks hatte dazu angemerkt: „Frauen, die nicht so fit im Kopf sind wie andere Antragsstellerinnen oder einfach nicht wissen, was sie alles einfordern können, werden vom System diskriminiert.“ Als empirischer Beleg wurde angeführt, dass der Anteil der Kuren für Mütter mit Haupt- und Realschulabschluss in den vergangenen 10 Jahren um insgesamt 11 Prozentpunkte gesunken sei, während der Anteil der Abiturientinnen in Mütter- oder Mutter-Kind- Kurmaßnahmen um 15 Prozentpunkte stieg.

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Pflicht zum Nachhaltigkeitsbericht
Gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, betriebs-wirtschaftliche Notwendigkeit oder überflüssige Bürokratie?

Von Theresia Theurl am 23. Juli 2014

Bereits am 15. April 2014 hat das EU-Parlament einem Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission mit dem Inhalt zugestimmt, dass börsennotierte Unternehmen und Finanzinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern sowie Unternehmen, die im öffentlichen Interesse von den Mitgliedsstaaten bestimmt werden, über ihre Nachhaltigkeitsleistungen berichten müssen. Konkret geht es um auf ökologische, soziale und mitarbeiterbezogene Aspekte, über die Wahrung der Menschenrechte, über Anti-Korruption und Bestechungsvorfälle sowie über die Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen.

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Infrastrukturabgabe: Kein Schritt in die richtige Richtung

Von Gernot Sieg am 21. Juli 2014

Die Hoffnung der Verkehrsexperten vor der Bundestagswahl war groß. Die Verkehrsministerkonferenz der Länder bestätigte die bekannten Zahlen zur Unterfinanzierung des Verkehrssektors und die politischen Parteien verkündeten im Wahlkampf, dieses Problem zu lösen. Dann kam der als bayerische Arabeske gestartete Aspekt der Gerechtigkeit zwischen Deutschen und Österreichern und entwickelte sich zum argumentativen Fundament der aktuellen Mautinitiative. Der Wahlausgang führte zu einem Kompromiss zwischen den Positionen von CDU (keine Steuererhöhungen, kein deutscher Autofahrer soll mehr bezahlen), CSU (keine Steuererhöhungen, ausländische Autofahrer sollen bezahlen) und SPD (Steuererhöhungen für die Infrastruktur, keine Maut), der sich im Koalitionsvertrag wie folgt liest: “Für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes schaffen wir eine verlässliche Finanzierungsgrundlage. Wir werden in den nächsten vier Jahren die Bundesmittel für Verkehrsinfrastruktur substanziell erhöhen… Zur zusätzlichen Finanzierung des Erhalts und des Ausbaus unseres Autobahnnetzes werden wir einen angemessenen Beitrag der Halter von nicht in Deutschland zugelassenen PKW erheben (Vignette) mit der Maßgabe, dass kein Fahrzeughalter in Deutschland stärker belastet wird als heute … Die Nettoeinnahmen aus der Nutzerfinanzierung werden ohne Abstriche der Verkehrsinfrastruktur zugeführt.“

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Unternehmensinsolvenzen: Trügerische Ruhe
Null-Zins-Politik, Zombie-Banken, Zombie-Unternehmen

Von Henning Klodt am 19. Juli 2014

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldet für das erste Halbjahr 2014 eine Zahl von 12 100 Unternehmensinsolvenzen, während die Zahl im Vorjahreszeitraum noch bei 13 310 lag. Und der Jahreswert für 2013 liegt um 8,4 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahre 1999. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf ein historisches Tief gefallen. Das klingt wie eine gute Nachricht. Doch ist es das wirklich?

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Glück oder kluge Politik?
Was bewahrte die Schweiz im Ersten Weltkrieg vor dem Schicksal anderer Länder

Von Christoph A. Schaltegger und Lukas Schmid am 17. Juli 2014

„Man darf auch hier nicht allzu schwarz sehen und vor allem muss und darf man sich klar machen, dass eine völlige Einkreisung der Schweiz durch Abschneidung aller Getreidefuhren zwar für eine gewisse Übergangszeit möglich ist, dagegen nicht auf eine längere Dauer vorauszusehen ist.“

Bundesrat Arthur Hoffmann, Oktober 1912

Christopher Clark’s vielzitiertes Buch „Die Schlafwandler“ erklärt den Ausbruch des Ersten Weltkriegs als nicht gewolltes, vermeidbares Ergebnis dicht gefolgter Ereignisse und verhängnisvoller Entscheidungen einer vielfältig verflochtenen und globalisierten Welt. Im Ergebnis forderte die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ 17 Mio. Menschenleben in 40 Staaten und unvorstellbares Leid. Die Schweiz – obwohl mit dem Kriegseintritt Italiens ab dem 23. Mai 1915 vollständig von kriegsführenden Mächten umkreist – konnte sich aus direkten Kriegshandlungen heraushalten. Schlafwandelten die Grossmächte an der Schweiz vorbei oder bewahrte uns kluge Politik vor dem Schicksal anderer Länder?

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Gerechtigkeitslücken
Maut, Mütterrente, Rente mit 63

Von Thomas Apolte am 15. Juli 2014

Sechshundertmillionen Euro jährlich sind gewiss eine Menge Geld. Nach allem, was wir wissen, ist aber auch diese Summe um mindestens eine Zehnerpotenz zu klein, um damit die Lücke zwischen einer guten und der deutschen Verkehrsinfrastruktur schließen zu können. Für letzteres wäre eigentlich niemand zuständiger als unser Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt; und so würde man sich – dächte man oberflächlich – freuen, wenn aus seinem Hause geeignete Ideen mit dem Ziel kämen, die Verkehrsinfrastrukturlücke zu schließen. Nun ist Herr Dobrindt aber nicht nur ein Mensch der Worte, sondern auch ein Mensch, der zu seinem Wort steht, und er hat nun einmal nicht versprochen, die Verkehrsinfrastruktur zu modernisieren, sondern er hat versprochen, eine Gerechtigkeitslücke zu schließen. So hat er dies jedenfalls kürzlich in den Tagesthemen noch einmal zum Ausdruck gebracht, und damit konnte er den kritischen Fragen nach der Bedeutung seiner Mautpläne für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur durchaus wirksam begegnen.

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Wirtschaftspolitik im Bann der Staatsschuldenkrise

Von Dieter Smeets am 13. Juli 2014

Ein weiterhin schwaches – zum Teil sogar anhaltend negatives – Wirtschaftswachstum, auf hohem Niveau verharrende Arbeitslosenzahlen und geopolitische Unwägbarkeiten haben dazu geführt, dass die (aktuelle) Wirtschaftspolitik in der Eurozone in erster Linie mit Blick auf die Verschuldungssituation der Mitgliedsländer betrieben wird – unabhängig vom konkreten Auftrag des jeweiligen Trägers sowie den damit verbundenen Langfristwirkungen. Dabei stehen die Schuldenstandsquote und die Neuverschuldungsquote im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Überlegungen. Abbildung 1 zeigt, dass die Schuldenstandsquoten nach einem erheblichen Anstieg im Rahmen der Krise nach Prognosen der EU in den nächsten Jahren nur langsam sinken werden. Selbst diese Entwicklung wird aber nur dann zustande kommen, wenn die zugrundeliegenden positiven Wachstumsannahmen der EU in den nächsten Jahren auch wirklich eintreten. Anderenfalls könnte es statt zu einer Reduktion der Staatsschuldenquoten zu einem weiteren Anstieg mit schwerwiegenden Folgen für die Tragfähigkeit der Verschuldung kommen. Daraus resultierende steigende Zinsen für Staatsanleihen aufgrund höherer Risikoprämien bis hin zur (erneut) drohenden Insolvenz einzelner Staaten könnten neue Krisen heraufbeschwören. Vor diesem Hintergrund ist die (aktuelle) Wirtschaftspolitik primär darauf gerichtet zu helfen, die Wachstumsprognosen der EU in die Tat umzusetzen. Die dabei relevanten Zusammenhänge sollen im Folgenden erläutert werden.

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Amerika hast Du’s besser?
Spionage-Affäre und bürgerliche Freiheiten

Von Hartmut Kliemt am 11. Juli 2014

Wie im Falle des real verblichenen sowjetischen imperialen Systems ist auch im heutigen Westen eine gewisse Vorsicht angebracht, wenn von „befreundeten Nationen“ gesprochen wird. Typischerweise verbirgt sich dahinter eine Interessengemeinschaft grundsätzlich unabhängiger Staaten, die einen großen Teil ihrer realen politischen Manövrierfähigkeit an eine starke Führungsnation verloren haben. Das muss keineswegs wie im Falle des früheren östlichen Hegemonialsystems vorwiegend negative Seiten haben. Wir sollten insbesondere die positiven Seiten der amerikanischen Dominanz im Westen nicht unter- sondern wertschätzen.

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