Ungleichheit heute(13)
„Reichtum ist distributive Umweltverschmutzung“
Höhere Steuern oder mehr Wettbewerb?

Von Norbert Berthold am 10. Juni 2013
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Norbert Berthold
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

„Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.“ (Konrad Adenauer)

Die Markteinkommen sind ungleich verteilt. Im Blickpunkt stehen die obersten 1 % auf der Einkommensleiter. Ihre Einkünfte sind bis zur Finanzkrise explodiert. Nach einem Dämpfer sind sie wieder auf dem Vormarsch. Das lässt die Politik nicht ruhen. Mit einer „Reichensteuer“ will sie das „distributive Ärgernis“ aus der Welt schaffen. Francois Hollande ist in Europa einer der aktivsten verteilungspolitischen Kreuzritter. Peer Steinbrück will nach einem Wahlsieg im Herbst auf seinen Spuren wandeln. Die Frage ist aber umstritten, ob überhaupt verteilungspolitischer Handlungsbedarf besteht.  Oft ist die Forderung „gerechtigkeitsgetrieben“, die Spitzen-Einkommen steuerpolitisch zu stutzen. Neben dieser gefühligen Antwort wird immer öfter gefordert, die materielle Ungleichheit „wegzusteuern“, um die ökonomische Effizienz zu steigern. Eine stärkere steuerliche Belastung der Spitzeneinkommen könne helfen, den „Trickle down-Konsum“ einzudämmen und „rent seeking“ des Top-Managements in die Schranken zu weisen.

Explodierende Top-Einkommen

Seit Mitte der 80er Jahre stiegen die realen Markteinkommen fast überall mit den Perzentilen. Auf den unteren Sprossen der Einkommensleiter waren die Anstiege gering, manchmal sogar negativ. Mit den Sprossen stiegen auch die Einkommen schneller. Die größten Sprünge erfolgten ganz oben, jenseits der unteren 99 %. Was den steilen Anstieg in diesen lichten Höhen verursachte, ist umstritten. Die einen sind der Meinung, dass diese Entwicklung „marktgetrieben“ war. Weltweit offenere Güter- und Faktormärkte und neue Informations- und Kommunikationstechnologien ließen die Top-Einkommen explodieren, in den vier „Welten“ allerdings recht unterschiedlich. Die Märkte wurden größer,  das Phänomen der „winners take all“ verbreitete sich. Andere sind der Meinung, dass erst eine wachsende „Spezl-Wirtschaft“ den sprunghaften Anstieg der Einkommen ganz oben ermöglichte. Seilschaften in den Vorständen und Aufsichtsräten waren die Treiber des „rent seeking“. Die Leidtragenden dieses „crony capitalism“ waren Aktionäre und schlechter entlohnte Arbeitnehmer.

Top-Einkommen
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Es sind vor allem drei Gruppen von Top-Verdienern: „Superstars“ aus Sport, Medien, Musik und Literatur, Top-Manager der „Wall-Street“ aus dem Finanzsektor und CEOs großer Kapitalgesellschaften der „Main-Street“. Die hohen Einkommen der ersten beiden Gruppen sind stark „marktgetrieben“. Globalisierung und technischer Fortschritt haben „Winner take all“-Märkte geschaffen. „Superstars“ schöpfen horrende Marktrenten ab. Die steigende Nachfrage nach Dienstleistungen hat dem Finanzsektor einen Schub verliehen. Gewinner waren die Finanzjongleure der „Wallstreet“. Vor allem die letzte Gruppe der Top-Manager der „Main-Street“ ist allerdings latent „rent seeking“ gefährdet. Dort bestimmen Gremien und Absprachen über ihre Einkommen. Hierarchische Strukturen und unvollkommene Aktienmärkte geben ihnen Macht im Gehaltspoker. Kreuzweise Verflechtungen von Vorständen und Aufsichtsräten verstärken die Vetternwirtschaft. Als Agenten beuten sie die Aktionäre als Prinzipale aus.

Explodierende Top-Einkommen sind in „kapitalistischen Vetternwirtschaften“ ohne staatliche Beihilfe nicht denkbar. Die Politik beschleunigt den starken Anstieg der Ungleichheit von oben, weil sie den Wettbewerb auf den Märkten behindert. Der Nobelpreisträger Garry S. Becker hat jüngst darauf hingewiesen, dass in vielen Ländern politisch einflussreiche Unternehmen bei der Lizenzvergabe bevorzugt werden. Das gelte nicht nur auf Telefonmärkten und bei Rundfunk und Fernsehen, es träfe auch auf viele Rohstoff- und Energiemärkte zu. Offenkundig ist die Vetternwirtschaft auch bei staatlichen Subventionen, die fast schon flächendeckend sind. Sie wirken wie finanzielles Doping, nehmen den Unternehmen ökonomische Risiken ab und lassen deren Gewinne sprudeln. Die faktische Bestandsgarantie des Staates für „systemrelevante“ Finanzinstitute ist ein spezieller Sündenfall, allokativ und distributiv. Mit staatlicher Hilfe aufgeblähte unternehmerische Gewinne machen explodierende Top-Einkommen erst möglich.

„Distributive Umweltverschmutzung“

Die Gründe, die vorgebracht werden, explodierende Top-Einkommen zu korrigieren, sind vielfältig. Meist sind sie normativ motiviert, manchmal ist sicher auch Neid im Spiel. Oft werden allerdings auch gesellschaftlich akzeptierte Verteilungsnormen verletzt. Die Verteilungsergebnisse funktionierender Märkte sind für viele nach wie vor eine solche Norm. Sind sprunghaft steigende Spitzeneinkommen „marktgetrieben“, hält sich die Empörung in Grenzen. An den horrenden Einkommen eines Bill Gates oder eines Steve Jobs entzündet(e) sich kaum Kritik. Das gilt auch für viele andere Eigentümer-Unternehmer im mittelständischen Bereich, die wie etwa Reinhold Würth mit innovativen unternehmerischen Ideen steinreich geworden sind. Empört reagieren die Wähler oft erst, wenn zwischen Leistungen und Einkommen offensichtlich eine tiefe Kluft besteht. Die Gefahr ist groß, dass diese Gruppe monopolistische „Renten“ abschöpft und nicht nach ihrer Produktivität entlohnt wird. Das wird für viele Boni der Spitzenverdiener in der Finanzbranche und anderswo vermutet.

Die horrenden Einkommen der Superreichen bleiben für den Rest der Gesellschaft nicht folgenlos. Robert Frank, ein Cornell-Ökonom, weist seit langem auf einen „Trickle down- Konsum“ hin. Die Mittelklasse orientiere sich zwar nicht an den Ausgaben der Spitzenverdiener. Das gelte aber für die Bezieher von Einkommen direkt unter den Top-Einkommen nicht. Auch die Einkommensempfänger knapp darunter orientierten sich wiederum an deren Ausgabenverhalten. So pflanze sich das überhöhte Ausgabengebaren immer weiter nach unten fort. Diese Ausgaben-Kaskade löse ein unproduktives „Rattenrennen“ auf der Einkommensleiter aus. Um bei den Ausgaben für mehr Konsum, eine größere Wohnung, eine bessere Erziehung der Kinder etc. mithalten zu können, gerate die Mittelschicht in Schwierigkeiten. Sie erhöhe nicht nur ihr Arbeitsangebot über das eigentlich gewünschte Maß hinaus, sie versuche auch die Einkommenslücke durch höhere Verschuldung zu schließen. Die Marktwirtschaft werde störanfälliger.

Eine ungleiche Verteilung der Einkommen, die von den Top-Einkommen getrieben wird, produziert negative externe Effekte. Der britische Arbeitsmarkt- und Glücksökonom Sir Richard Layard hat es drastischer ausgedrückt. Für ihn ist Reichtum distributive Umweltverschmutzung. Es sei deshalb notwendig, die externen Effekte zu internalisieren. Adäquate Instrumente seien eine „Pigou-Steuer“ und eine Umverteilung zugunsten von Haushalten mit geringeren Einkommen. Das sinnlose „Rattenrennen“ hätte ein Ende. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand. Die hohen Einkommen sind nur zu dem Teil „schlecht“, wie sie für übermäßigen Konsum eingesetzt werden. Investieren die Spitzenverdiener allerdings ihr Einkommen, entstehen soziale Erträge für die gesamte Gesellschaft. Das gilt für Investitionen in Real- und Humankapital. Robert Frank schlägt deshalb vor, den Konsum stärker zu besteuern. Da aber Konsumsteuern regressiv wirken, will er die Steuersätze progressiv gestalten, ein unmögliches Unterfangen.

Die Idee, dass ein Rennen um relativ höhere Positionen in der Einkommensverteilung, bestenfalls nutzlos sei, eher aber eine Verschwendung knapper Ressourcen darstellt, ist nicht neu. Schon Thorsten Veblen hat in seinem berühmten Werk „Die Theorie der feinen Leute“ dieses Phänomen beschrieben. Später hat Fred Hirsch die These des relativen sozialen Status populär gemacht. Es ist richtig, wenn einer aufsteigt, muss ein anderer absteigen. Wer daraus allerdings auf ein Null-Summen-Spiel mit stagnierender Wirtschaft tippt, ist auf dem Holzweg. In marktwirtschaftlichen Ordnungen wird immer auch um relative Positionen konkurriert. Unternehmen investieren, um Konkurrenten auf den Absatzmärkten abzuhängen und Marktanteile zu gewinnen. Individuen tun dasselbe, um sich Vorteile gegenüber der Konkurrenz auf den Arbeitsmärkten zu verschaffen. Der (relative) Wettbewerb ist ein Motor des wirtschaftlichen Wachstums. Er erhöht den allgemeinen Wohlstand, bei den einen mehr und anderen weniger.

Wegsteuern der Ungleichheit

Auch wenn das Argument des schädlichen „Trickle down-Konsums“ nicht greift, eine „Reichensteuer“ ist damit politisch noch lange nicht vom Tisch. Überall verbreitet sich die Idee, mit einer stark progressiven Einkommensteuer die Spitzeneinkommen zu schrumpfen. Die Verfechter dieser Idee, wie etwa der UC Berkley-Ökonom Emmanuel Saez wollen damit das schädliche „rent seeking“-Verhalten des Top-Managements eindampfen. Bei sehr hohen Grenzsteuersätzen lohne es sich für Top-Manager nicht mehr, höhere „Renten“ anzueignen, da ihnen der Staat das meiste doch wieder über höhere Steuern wegnehme. Überzeugend ist dieses Argument allerdings nicht. Es ist auch denkbar, dass die Vorstände von Kapitalgesellschaften versuchen, das weniger an „Netto“ durch eine höheres „Brutto“ zu kompensieren. Was tatsächlich passiert, hängt davon ab, welche Machtverhältnisse zwischen Top-Management, Arbeitnehmern und Aktionäre herrschen. Ob es mit höheren Steuern gelingt, „rent seeking“ unschädlich zu machen, ist fraglich.

Eine progressive Einkommensteuer ist ein sehr grobschlächtiges Instrument, sie scheint aber die Top-Einkommen tatsächlich wirksam zu korrigieren. Überall wo die Steuersätze für Top-Verdiener spürbar angehoben wurden, sanken auch die Spitzeneinkommen vor Steuern. Der Nobelpreisträger Peter Diamond hat zusammen mit Emmanuel Saez den optimalen Steuersatz einer progressiven Einkommensteuer errechnet: Er beträgt 73 %. Das ist weit weg von den heutigen Spitzensteuersätzen. Die Achillesferse einer solchen exzessiven Steuerpolitik sind die wachstumspolitischen Risiken und Nebenwirkungen. Reagiert das Arbeitsangebot auf die höhere Steuer kaum, ist der optimale Steuersatz hoch. Bei einer hohen Steuerelastizität ist es umgekehrt. Die Bandbreite der Ergebnisse empirischer Untersuchungen ist groß. Im Schnitt liegt die ermittelte kurzfristige Elastizität der Einkommensteuer bei 0,25. Die beiden Autoren unterstellen, dass langfristig das Arbeitsangebot nicht auf höhere Steuern reagiert. Unter diesen Annahmen liegt der optimale Steuersatz bei 73 %.

Die kritischen Einwände gegen eine so aggressive Steuerpolitik sind Legion. Ein höherer Progressionsgrad der Einkommensteuer („Reichensteuer“) kuriert nur an den Symptomen. Er geht nicht an die Wurzeln des „rent seeking“, vermachtete wirtschaftliche und politische Märkte. Deshalb sind die Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Politik beträchtlich. Höhere Steuern verringern die individuellen Anreize, in Real- und Humankapital aber auch in Forschung und Entwicklung zu investieren. Und sie hemmen unternehmerische Aktivitäten. Auch besteht die Gefahr, dass höhere Steuern das Arbeitsangebot verringern. Wachstum und Beschäftigung tut das alles nicht gut. Die empirischen Untersuchungen sind nicht eindeutig. Der Zusammenhang zwischen Steuerquote und wirtschaftlichem Wachstum ist zwar negativ, oft aber nicht signifikant. Der steuerpolitische Trend ist aber eindeutig: Wachstumsschädliche direkte Steuern werden durch regressive Konsumsteuern ersetzt. Bei direkten Steuern wird die Bemessungsgrundlage verbreitert, die Steuersätze werden verringert.

Steuersätze und Wachstum
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Eine so grobe Analyse unterschätzt allerdings die erheblichen wachstumspolitischen Risiken und Nebenwirkungen. Die entscheidenden Treiber wirtschaftlichen Wachstums sind humankapitalstarke Akteure. Wichtiger ist deshalb die Steuerelastizität für höhere Einkommen. Deren kurzfristiger Wert liegt in den empirischen Untersuchungen deutlich über eins. Noch wichtiger ist die langfristige Steuerelastizität. Hohe Grenzsteuersätze in der Spitze beeinflussen die Wahl der Schule, des Berufs, die Gründung von Unternehmen und deren Wachstum. Empirische Untersuchungen dazu sind allerdings rar. Die vorliegenden Werte der Steuerelastizität sind größer als Null. Ein Spitzensteuersatz von 73 % liegt somit jenseits von „gut und böse“. Eine kritische Bemerkung zum Schluss: Es ist unbestritten, dass die individuellen Nutzen weder kardinal messbar, noch inter-personell vergleichbar sind. Eine Aggregation zu einer „sozialen Wohlfahrtsfunktion“ verbietet sich. Das hält aber auch renommierte Wissenschaftler nicht davon ab, gegen diese Regel zu verstoßen.

Wettbewerb gegen Ungleichheit

Das eigentliche Problem explodierender Top-Einkommen ist die Konzentration von Macht, wirtschaftlicher und politischer. Es tut weder der wirtschaftlichen noch politischen Ordnung gut, wenn ökonomische Macht stark konzentriert ist und in politischen Einfluss umgemünzt wird, der überkommene Strukturen konserviert. Eine Verteilung der Einkommen, die ungleicher wird, weil die Spitzeneinkommen in den Himmel wachsen, verstärkt diese Entwicklung. Dabei ist es eigentlich egal, ob das Wachstum der Top-Einkommen „marktgetrieben“ ist oder auf „rent seeking“ beruht. Es ist allerdings zweifelhaft, die Konzentration von Markteinkommen mit einer aggressiven Steuerpolitik zu bekämpfen. Das ist wie Akupunktur mit der Gabel. Die allokativen Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Politik sind zu groß. Eine Steuerpolitik mit hoher Progression trifft „Gerechte“ und „Ungerechte“ gleichermaßen. Man sieht es den Top-Einkommen nur selten an, ob sie ehrlich verdient sind oder über „rent seeking“ abgestaubt wurden.

Wettbewerb ist das effizienteste und „gerechteste“ Mittel gegen die Konzentration wirtschaftlicher Macht. Ein intensiver Wettbewerb verhindert „übernormale“ Gewinne. Damit erodiert die Basis für explodierende Top-Einkommen. Unternehmen überleben im wettbewerblichen Umfeld nur, wenn sie als „Kampfgemeinschaft“ gegen die harte Konkurrenz auftreten. Wenn alle Akteure im Unternehmen mitziehen sollen, wird es sich das Top-Management reiflich überlegen, ob es sich ein besonders großes Stück des Kuchens genehmigt. Die besten Garanten für einen intensiven Wettbewerb sind offene Märkte. Gefordert sind politisch möglichst unabhängige Wettbewerbsbehörden, die auf nationaler und internationaler Ebene monopolistische Praktiken der Unternehmen wirksam unterbinden. Der wirtschaftlichen Konzentration wirkt auch entgegen, wenn die Politik auf internationaler Ebene dafür Sorge trägt, protektionistische Aktivitäten aller Art zu verhindern. Freihandel ist ein wichtiger Gehilfe intensiven Wettbewerbs.

Ein intensiverer Wettbewerb erfordert aber auch, dass sich die Politik zurückhält. Politische Eingriffe haben mit dazu beigetragen, dass die Top-Einkommen explodiert sind. Die Politik muss den groben Keil beseitigen, den sie zwischen Handlung und Haftung getrieben hat. Sie darf weder „systemrelevanten“ Finanzinstituten noch großen Unternehmen in anderen Sektoren eine Bestandsgarantie geben. Subventionen müssen endlich abgebaut werden. Es geht nicht, dass das Top-Management an den Gewinnen beteiligt wird aber bei Verlusten ungeschoren davon kommt. Damit wird die Gefahr viel zu riskanter Geschäfte vermindert. Die einseitige Begünstigung der Top-Einkommen hat ein Ende. Aber auch die Notenbanken weltweit müssen ihre verteilungspolitisch problematische Politik der „Dauer-Niedrig-Zinsen“ beenden. Damit betreiben sie nicht nur „monetäre“ Industriepolitik, sie alimentieren auch Kurssteigerungen auf den Aktienmärkten. Die Verteilung der Einkommen wird dadurch sicher nicht gleichmäßiger.

Fazit

Was erzählen Verteilungspolitiker nicht alles, um Umverteilung zu rechtfertigen. Das Argument der „sozialen Gerechtigkeit“ ist politisch unersetzlich, ökonomisch aber meist nicht sehr ergiebig. Es gibt aber immer auch Versuche, Umverteilung mit ökonomischer Effizienz zu begründen. Die These des „Trickle down-Konsums“ ist allerdings Handelsklasse C. Ein Stopp des relativen Wettbewerbs wäre das Ende einer dynamischen Marktwirtschaft. Das Argument, dass „rent seeking“ der Top-Verdiener mit einer „Reichensteuer“ bekämpft werden sollte, ist ebenfalls second best. Sie trifft „Gerechte“ und „Ungerechte“ gleichermaßen. Was Not tut ist mehr Wettbewerb, um wirtschaftliche und politische Macht in Schach zu halten. Es spricht vieles dafür, dass ungleich verteilte Einkommen vor allem am oberen Ende der Einkommenspyramide auch auf einem Mangel an Wettbewerb beruhen. Wer die explodierenden Top-Einkommen in Grenzen halten will, sollte weniger auf eine „Reichensteuer“, sondern auf eine konsequente Öffnung der Gütermärkte und weniger „Vetternwirtschaft“ der Politik drängen.

Literatur:

Frank, R. (1985), Choosing the Right Pond. New York: Oxford University Press

Layard, R. (2006), Happiness. Lessons From a New Science. New York: Penguin Press

 

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  1. Norbert Berthold

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  2. Norbert Berthold

    Die Frage, ob der Anstieg der Einkommen der obersten 1 % auf höhere Produktivität oder Marktmacht zurückzuführen ist, bleibt weiter umstritten. Greg Mankiw vertritt die erste Position und stützt sich auf Steve Kaplan. Lawrence Mishel verweist auf die Existenz von Renten.

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